Marcel Queckemeyer
Genug Zeit verspielt: Wolfsmanagement jetzt verbessern - Rechtsrahmen anpassen - Verwaltungsvollzug erleichtern - Daten- und Managementlücken schließen
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ein Antrag zum Thema Wolf, juhu, und das von der CDU - ja klar, das war mein erster Gedanke, als ich den Antrag sah. Und als ich dann die Überschrift Ihres Antrages las: Oh, Moment, da war doch was! Richtig, mein Kollege Alfred Dannenberg hatte doch einen Antrag mit dem Titel „Unverzüglich praktikable Voraussetzungen für das sogenannte Schnellabschussverfahren bei Wolfsübergriffen schaffen!" gestellt, direkt überwiesen am 17. Juni. Hm! Ein Schelm, der Böses dabei denkt! Ähnlicher Titel, ähnlicher Inhalt. In der Sitzung des Agrarausschusses am 7. August haben die drei Altparteien hier alle zusammen gemeint, der Antrag des Kollegen Dannenberg gehöre nicht in den Agrarausschuss, sondern in den Umweltausschuss. Herr Dannenberg sagte darauf: Es liegt im Schnittbereich zwischen Agrar und Umwelt. Der Schnellabschuss ist ja Jagd, und Jagd gehört nun mal in den Landwirtschaftsausschuss. - Herr Leddin, hören Sie zu! Da fragte ich mich jetzt: Sind die vielen gerissenen Weidetiere in Ihren Augen etwa kein Thema für die Landwirtschaft? - Stattdessen stimmt die CDU mit Rot-Grün den Antrag weg - dieselbe CDU, die jetzt ihrerseits mit so einem Antrag kommt. Welch eine Widersprüchlichkeit! Selbst Frau Hanisch sagte im Umweltausschuss, das Thema Wolf betreffe sowohl den Umwelt- als auch den Agrarausschuss. Ja, was denn nun, liebe Kollegen? Weiß der eine nicht, was der andere will? Die CDU lässt lieber wieder eine wichtige Gelegenheit zur Unterstützung der Weidetierhalter liegen, als auch nur einmal mit der AfD zu stimmen, und kuschelt lieber mit den Grünen. Und die Grünen nehmen es auch nicht ganz so genau mit den Tatsachen. Wie Herr Leddin sagte und gerade auch Frau Kellermann: Der Umweltausschuss befasse sich aktuell mit einem ganzen Bündel von Anträgen zur Wolfsthematik. - Von wegen! Nur zwei Anträge zur Wolfsthematik, einer der beiden schon über anderthalb Jahre alt, und bezüglich beider Anträge noch keine Beschlussfassung. Liebe CDU, was macht Sie denn so sicher, dass es jetzt mit Ihrem Antrag schneller geht? Weil Sie so schön mit den Grünen kuscheln? Als ich im Umweltausschuss nach den Anträgen fragte und sie in den nächsten zwei bis drei Sitzungen auf die Tagesordnung haben wollte, kam von Ihnen, liebe CDU, nur blankes Schweigen. Daher fürchte ich, dass Ihre Anträge reine Lippenbekenntnisse sind, um nicht noch mehr Wähler in der ländlichen Bevölkerung an uns zu verlieren. Doch eines meinen Sie sicher: mit Ihren Anträgen nichts ernst. Die Bejagung des Wolfes ist aktuell - wir sehen es - politisch nicht gewollt. Da draußen vor der Tür stehen die Weidetierhalter und demonstrieren wie schon in den letzten Monaten, weil ihnen das Wasser bis zum Halse steht. Passieren wird wahrscheinlich wieder nichts. Liebe SPD, es war Ihr Kollege Herr Wölken, der uns in Brüssel sagte: Die Regeln in Europa ermöglichen die Entnahme des Wolfs. - Andere Länder zeigen es und machen es uns vor, aber es ist politisch in Deutschland von Ihnen allen nicht gewollt. Der AfD liegen unsere Weidetierhalter am Herzen. Darum fordere ich Sie jetzt auf: Handeln Sie endlich! Deichverbände und Weidetierhalter schlagen schon seit langem Alarm; doch passiert ist in der letzten Legislatur und in der jetzigen herzlich wenig. Es waren also Sie, CDU, SPD und Grüne, die lange was hätten machen können. Handeln Sie endlich, und lassen Sie die Anträge zum Thema Wolf nicht in den Ausschüssen versauern! Wäre ich Weidetierhalter, hätte ich Ihnen allen hier schon lange mein Vertrauen entzogen. Wer Ihnen jetzt noch glaubt, liebe CDU - gerade auch nach dem gestrigen Tag und der Migrationsdebatte -, der glaubt auch, dass der Storch die Kinder bringt. Vielen Dank.
