Pascal Leddin
Praxistaugliches Moorbrandschutzkonzept für Niedersachsen entwickeln
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In brennende Gebäude gehen, eingeklemmte Personen rausschneiden oder Katzen von Bäumen retten – das alles sind Szenarien, mit denen man in der Feuerwehr gut klarkommt. „Leben in der Lage“ ist das Erste, was man im Brandschutzlehrgang vermittelt bekommt. Was aber macht man, wenn 1.000 ha Moorfläche brennen, Tornadokampfjets mit Wärmebildkamera über einen hinwegfliegen und alle paar Minuten Helikopter mit riesigen Wasserbehältern vom Wasserholen zurückkehren? Ich muss zugeben, dass ich mich beim Moorbrand in Meppen ziemlich ohnmächtig gefühlt habe. Dass dieser Moorbrand auf einem munitionsbelasteten Gelände stattgefunden hat und jeder Fehltritt abseits der Wege lebensgefährlich war, hat es nun auch wirklich nicht besser gemacht. „Leben in der Lage“ – ein Spruch, den ich schon so oft bei der Ausbildung vermittelt habe, war auf einmal gar nicht mehr so leicht und cool, wie ich dachte. Denn Moorbrände sind anders: Man sieht die Flammen kaum, es gibt viel Rauch, und immer mal wieder fallen Bäume um, die eigentlich total gesund aussehen. Der Brand breitet sich unterirdisch aus und frisst sich durch die Wurzeln. Und deswegen kann man ihn nicht wie ein normales Ereignis behandeln. In Meppen hat man das Moor übrigens in großen Teilen für den Zeitraum des Brandes einfach wiedervernässt, weil es keine andere Möglichkeit gab, diesen Brand zu löschen. Das war ein Zusammenspiel zwischen dem THW, den Feuerwehren und auch der Bundeswehr. Für diese tolle Zusammenarbeit zwischen den vielen verschiedenen Trägern bedanke ich mich. Sehr geehrte Damen und Herren, ja, Moorbrände sind kompliziert, gefährlich, und oft auch nur schwer zu stoppen. Unsere Einsatzkräfte stehen vor vielfältigen und großen Einsatzlagen und müssen in der Lage sein, schnell und effizient zu handeln. Das erfordert neben dem nötigen Engagement und Mut natürlich auch modernste Technik und fundiertes Wissen. Nur so können wir die Sicherheit der Bevölkerung und der Einsatzkräfte gewährleisten. Meine Damen und Herren, wir gehen hier in Niedersachsen jetzt einen großen Schritt. Mit unserem Antrag, ein Moorbrandschutzkonzept zu erarbeiten, gehen wir nach vorne, um ein wirklich praxisnahes Konzept zu erarbeiten. Und das geht eben nur mit den Kameradinnen und Kameraden aus der Praxis zusammen. Inwieweit es dann hilft, wenn die Bundeswehr wieder bei höchster Waldbrandstufe 74 Luft-Boden-Raketen auf ein trockengelegtes Moor schießt, weiß ich nicht. Aber vielleicht haben wir jetzt auch einfach etwas aus den Fehlern gelernt. Für normale, also nicht militärisch ausgelöste, Brände sollte dieses Konzept aber greifen. Ich bin froh, dass wir diesen Schritt jetzt gehen. Vielen Dank.
