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Alexander Saade

SPD 13.12.2023 5:41 min Tagungsabschnitte 19/12

Gewalt im Stadion - Vereine in die Verantwortung nehmen

Verehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Ereignisse während des jüngsten Derbys zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ‑ aber auch in vielen anderen Fußballstadien hier in Deutschland ‑ sind erschreckend. In Hannover treten dreieinhalbtausend Menschen in Einheitskleidung den Weg zum Stadion an: blaue Jeans, schwarze Jacke, Gesichter vermummt. In der Anonymität lässt sich ganz gut untertauchen. So wird schon aus der Menge heraus Pyrotechnik auf die begleitenden Einsatzkräfte der Polizei und auf Unbeteiligte geworfen. Im Stadion dann fast durchgehend Pyrotechnik und massive Zerstörungswut. Bilanz: verletzte Ordner und Einsatzkräfte, zwölf mit Werkzeugen demontierte Sitzreihen ‑ die Sitze wurden von der Tribüne geworfen ‑, zerstörte Toilettenanlagen, demolierte Stahlplatten. Die vollständige Liste ist leider zu lang für meine Redezeit. Sachschaden: ca. 150 000 Euro. Mehr als 2 000 Polizeibeamte im Einsatz, über 1 Million Euro Einsatzkosten. Und das waren keine Folgen gruppendynamischer Effekte. Da haben sich Menschen bereits vor dem Spiel zur Begehung von Straftaten verabredet. Meine sehr verehrten Damen und Herren, Gewalt in Stadien sehen wir bundesweit wieder häufiger. Das sind nicht nur Angriffe auf den Fußballsport, sondern konkrete Gefahren für die Sicherheit aller Stadionbesucher, insbesondere für Familien und Kinder. Ich sage es ganz klar: Wer Pyrotechnik auf Menschen schleudert, wer sich zur Zerstörung fremden Eigentums verabredet, der ist auch gar kein Fußballfan und der gehört auch nicht ins Stadion. Als Reaktion auf die zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen Fans und Polizei in den Stadien hat der Deutsche Fußball-Bund beide Seiten, also Randalierer und Polizei, zu einem respektvollen Umgang miteinander aufgerufen. Das irritiert mich. Das, lieber DFB, setzt Täter und Staat auf eine Stufe. Das diskreditiert unsere Einsatzkräfte und ist in keiner Weise hilfreich. Ein Stadion ist nämlich kein rechtsfreier Raum, und es bräuchte dort auch gar keine Polizei, wenn die Veranstalter selbst für ausreichend Sicherheit sorgen würden. Anderthalb Millionen Arbeitsstunden bei der Polizei im Zusammenhang mit den Profiligen ‑ übrigens auf Kosten des Steuerzahlers ‑, während die Deutsche Fußball-Liga zuletzt 4,48 Milliarden Euro Jahresumsatz feierte! In Richtung Profifußball kann ich daher nur sagen: Kommt selber mal eurer Verantwortung nach! Es ist eure Aufgabe, für die Sicherheit in den Stadien zu sorgen. Wenn derartige Wirtschaftsunternehmen nicht selbst ausreichend für die Sicherheit ihrer Veranstaltungen sorgen, dann müssen wir zukünftig auch über die Kosten der Polizeieinsätze reden. Unsere Polizeikräfte sind nämlich keine Dienstleister für kommerzielle Veranstaltungen. Und das verstehen Sie bitte nicht als Strafe, sondern als Ansporn! Die Deutsche Fußball-Liga und ihre Vereine müssen die notwendigen Vorkehrungen treffen, damit Fußballspiele wieder zu sicheren und freudigen Veranstaltungen für alle werden. Meine Damen und Herren, wir müssen die Täter aus der Anonymität herausholen und ihnen den Zugang zu den Stadien konsequent verwehren. Die Deutsche Fußball-Liga und die Vereine als Veranstalter müssen hier endlich Verantwortung übernehmen. Wie das funktioniert, hat man in England vor einigen Jahren schon gezeigt. Auch dort gab es massive Probleme mit Hooligangewalt. Die Vereine haben mit einer ganz klaren Nulltoleranzstrategie reagiert und dafür gesorgt, dass Fußballfans wieder friedlich und ohne Ängste und Sorgen ihre Kinder mit zum Fußballspiel nehmen können. Zäune zwischen Zuschauern und Spielern gibt es dort nicht mehr. Sie haben die Täter aus der Anonymität geholt, indem ‑ ich weiß, das ist eine nicht gerade populäre Forderung; aber es wirkt ‑ jede Eintrittskarte personalisiert wird. Jeder Käufer wird registriert. Dadurch ist jedem Klub bekannt, wer sein Stadion besucht. Wer sich weigert, seine Identität offenzulegen, der kann eben kein Ticket mehr kaufen. Wer Tickets weitergibt, der riskiert, dass er lebenslang für die Stadien gesperrt wird. In den Stadien herrscht vollständige Videoüberwachung. Jeder einzelne Sitzplatz wird überwacht. Zahlreiches, geschultes Sicherheitspersonal setzt die Ordnungsregeln in den Stadien konsequent durch. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird umgehend aus dem Stadion verwiesen. Auch dann droht ein Stadionverbot. Stehplätze hat man limitiert. Stehplätze dürfen nämlich nur noch Klubs anbieten, die ganz strenge Sicherheitsvorkehrungen erfüllen. Selbst Alkohol war in den Stadien in England über mehrere Jahre untersagt. Das Gewaltproblem haben die Vereine der Premier League selbst gelöst. Sie sind ganz konsequent vorgegangen und haben zahlreiche Stadionverbote ausgesprochen. Das hat gewirkt. Meine Damen und Herren, die Entwicklungen in den letzten Wochen sind ein Alarmzeichen. Wir können nicht tatenlos zusehen, wie der Fußballplatz zum Schauplatz für Gewalt wird. Den von Innenministerin Behrens eingeleiteten Dialog mit den niedersächsischen Fußballvereinen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig begrüße ich. Aber ich glaube, wir haben hier eine Problematik, die auf höherer Ebene gelöst werden muss. Das ist kein niedersächsisches Problem, das ist ein bundesweites Problem. Hier ist die Deutsche Fußball-Liga in der Verantwortung. In Fußballstadien darf es keinen Platz für Randalierer geben. Vielen Dank.

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