Thordies Hanisch
Erneuerbare Energien, Netze und Speicher ausbauen statt blockieren - Reiche gefährdet Milliarden-Investitionen
Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin gar nicht mehr sicher, wo ich anfangen soll. Eigentlich wollte ich mich um Frau Reiche kümmern, aber es scheint notwendig zu sein, zunächst auf den Beitrag von Herrn Schledde einzugehen. Ich frage mich immer, wie Sie eigentlich Ihren Wählern verkaufen wollen, dass ein AKW bei ihnen landen könnte. Ich möchte, dass Sie sich da, wo Sie wohnen, zu der Frage positionieren, wo es hinkommen soll. Wo wollen Sie da die AKWs hinsetzen, und wo wollen Sie den Atommüll unterbringen? Diese Fragen gehören dazu. - Ich hätte eine Zwischenfrage stellen sollen? Die lassen Sie ja nie zu. Das Spiel kennen wir schon von Ihnen. Wer im Jahr 2026 angesichts der Konflikte im Nahen Osten ernsthaft über die fossile Rolle rückwärts nachdenkt, der ist nicht nur wirtschaftspolitisch desorientiert, der handelt nicht nur geopolitisch fahrlässig, sondern der schert sich auch nicht die Bohne um die Leute in unserem Land. Wollen wir uns weiterhin von den Launen anderer Staatschefs kontrollieren lassen? Frau Bundesministerin Reiche betreibt hier kein Netzpaket. Sie gefährdet die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft und auch unserer Gesellschaft, weil so etwas eben nicht zu günstigen Strompreisen oder weniger Staatsausgaben führt. Die Bundesministerin meint, sie müsse Kosten im Haushalt sparen. Aber wer heute bei Speichern und Netzen spart, schickt die Rechnung an jeden einzelnen Haushalt in Niedersachsen. Reden wir über die nackten Zahlen! 80 Milliarden Euro überweisen wir ins Ausland. Jedes Jahr zahlen wir 80 Milliarden Euro für Importe fossiler Energie. Das Geld ist weg! Es landet nicht in unserer Wirtschaft, in unserem Steuersäckel oder in unseren Lohntüten. Es landet in Taschen von Menschen, die kein Interesse an unserem Land haben. 3 Milliarden Euro geben wir in Deutschland für Redispatchkosten aus. Nur ein Fünftel davon ‑ 600 Millionen Euro landet bei den abgeschalteten erneuerbaren Energien. 80 Milliarden Euro stehen 600 Millionen Euro gegenüber. Worüber reden wir hier eigentlich? Sollen wir auch noch durchrechnen, was uns die von der Ministerin angedachten Gaskraftwerke kosten werden? Wer zahlt denn diese Rechnung? Wer schreibt uns die Rechnung für das Gas? Wer profitiert denn davon? Die Kosten für eine Kilowattstunde Strom aus Sonne und Wind liegen bei der Hälfte der Kosten für Strom aus Gaskraftwerken. Ich sage es Ihnen noch einmal: Strom aus Erneuerbaren ist günstiger als Strom aus Gaskraftwerken. Gucken Sie sich das bitte gerne wieder an, damit das hier klar ist! Für wen arbeitet Frau Ministerin Reiche? Wir sind ja alle Volksvertreter. Vielleicht ist das Problem: Die Ministerin wurde nicht gewählt. Wenn sie nur schaut, wie Kosten für den Staat zu senken sind, und nicht schaut, ob das Sinn macht und was sie damit den Stromkunden aufbürdet, dann steht für mich fest: Sie arbeitet auch nicht als Volksvertreterin. Wir erleben hier gerade die Altmaier-Delle 2.0. Was hat uns das gekostet? 100 000 Arbeitsplätze, unschätzbares Know-how, alles abgewandert! Die Kosten für die abwandernde Wirtschaft, die Wirtschaft, die auf sichere und bezahlbare Energie angewiesen ist, die Planer, Installateure und Entwickler, die Sonnen- und Windkraft bei uns ausbauen, die wir nach der Altmaier-Delle in einer großen Kraftanstrengung wieder aufgebaut haben: Wo sind die Kosten in der Rechnung von Frau Re iche? Die Wirtschaft braucht einen Fahrplan, der auch in den nächsten Jahren trägt und Sicherheit bietet, und keinen Schlingerkurs à la Reiche. Das Schlimmste ist: Das böse Erwachen ist hier vorprogrammiert. Und dann kommt die alte Leier der Technologieoffenheit oder der freien Marktwirtschaft, während China und andere sich auf die Überholspur bei den Erneuerbaren begeben, weil Unabhängigkeit und Bezahlbarkeit Sinn machen. Wenn wir hier auf endliche Ressourcen, Öl und Gas Einen Moment, Frau Hanisch! - Herr Hilbers, Herr Frölich oder auch Herr Dr. Mohrmann, Sie sind herzlich eingeladen, eine Zwischenfrage zu stellen. - Lassen Sie eine Zwischenfrage von Herrn Dr. Mohrmann zu, Frau Hanisch? Bitte! Herr Mohrmann, bitte! - Geht doch!
