Philipp Meyn
Zukunftssichere Lehrkräfteausbildung gestalten - den Vorbereitungsdienst stärker auf schulpraktische Anforderungen der inklusiven Schule ausrichten!
Vielen Dank. - Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Tag im Vorbereitungsdienst. Unweit des Landtags bin ich gelandet: Linden-Süd, Humboldtschule. Plötzlich sitzt man nicht mehr hinten im Seminarraum, sondern steht vorne, vor der Klasse - eigenverantwortlich und auch mit dem Anspruch, allen gerecht zu werden. Das ist großartig: Man wird Teil eines Kollegiums, übernimmt Verantwortung für junge Menschen und gestaltet Unterricht. Ich erinnere mich aber auch an andere Momente: Stress, Unsicherheit und nicht selten das Gefühl, dass Anforderungen und Vorbereitung nicht zusammenpassen. Der sogenannte Praxisschock ist kein theoretisches Konstrukt, er ist für viele bittere Realität. Eines ist mir wichtig, zu sagen nicht nur aus Selbstschutz: Das ist kein Problem einzelner Referendarinnen und Referendare, sondern das ist ein strukturelles Problem unserer Ausbildung. Und genau deshalb darf ich heute diesen Antrag einbringen, der einen zentralen Punkt unserer Bildungspolitik angeht: die Qualität und Zukunftsfähigkeit der Lehrkräfteausbildung in Niedersachsen. Wer gute Schulen will, muss über gute Ausbildung sprechen, und zwar entlang der gesamten Ausbildungskette. Für uns als SPD ist dabei klar: Es geht nicht darum, Anforderungen zu senken, es geht darum, Strukturen zu verbessern, Unterstützung zu stärken und die Ausbildungsphasen besser zu verzahnen. Lehrkräftebildung muss als das verstanden werden, was es ist: ein zusammenhängender Professionalisierungsprozess vom Studium über den Vorbereitungsdienst bis in die dritte Phase, die der ersten Berufsjahre. Heute erleben viele angehende Lehrkräfte aber noch zu oft Brüche statt Übergänge, zu wenig Abstimmung, zu wenig Kontinuität, zu wenig Orientierung - und genau da setzen wir jetzt an. Die Phasen müssen besser verzahnt werden: Hochschulen, Studienseminare und Ausbildungsschulen dürfen nicht nebeneinander arbeiten, sondern müssen verbindlich zusammenwirken. Wer im Studium Kompetenzen erwirbt, muss diese im Vorbereitungsdienst auch wiederfinden, vertiefen und weiterentwickeln können. Einige werden sich erinnern oder schon mal gehört haben, dass die Referendare ins Referendariat gehen und an der Schule oder im Seminar hören: „Nun vergesst mal schnell, was ihr an der Uni gelernt habt! Ich bereite euch jetzt auf den richtigen Schulalltag vor." Das meine ich, wenn ich darüber spreche, dass die Verzahnung oft nicht passt. Ferner richten wir den Vorbereitungsdienst konsequent an der schulischen Realität aus. Schule heute bedeutet eben nicht Unterricht im 45-Minuten-Takt. Schule heißt: inklusive Bildung, individuelle Förderung, Teamarbeit, multiprofessionelle Zusammenarbeit, Digitalität, Arbeit mit KI und gesellschaftliche Verantwortung. Darauf muss der Vorbereitungsdienst vorbereiten. Der Vorbereitungsdienst muss somit stärker eine Lernphase sein und nicht nur eine Prüfungsphase. Zudem nehmen wir die Seminardidaktik in den Blick. Studienseminare leisten engagierte und wichtige Arbeit. Das ist also keine Abrechnung mit den Studienseminaren, sondern es geht darum, produktiver und enger zusammenzuarbeiten. Aber sie müssen noch stärker Orte professionellen Lernens sein, nicht nur der Bewertung. Deshalb stärken wir Formate wie Teamteaching, Videofeedback und Hospitation. Wir wollen, dass angehende Lehrkräfte aktiv lernen, reflektieren und sich weiterentwickeln können - nicht nur für die nächste Stunde, sondern für ihren gesamten Berufsweg. Zur Modernisierung der Prüfungsformate sage ich ganz deutlich: Eine schriftliche Arbeit, die oft losgelöst vom Schulalltag ist, braucht es nicht mehr und ist nicht mehr zeitgemäß. Sie gilt es, abzuschaffen. Stattdessen brauchen wir Prüfungen, die zeigen, wie gut jemand Unterricht gestalten kann, auch in inklusiven und differenzierten Lernsettings. Gleichzeitig sorgen wir für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit: einheitliche Standards bei Unterrichtsbesuchen. Nachvollziehbare Bewertungen sind keine Bürokratie, sie sind eine Frage der Fairness. Meine Damen und Herren, eine weitere Herausforderung ist der Quereinstieg. Wir wissen, dass wir Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger für eine bessere Unterrichtsversorgung brauchen. Es ist aber derzeit noch so, dass die, die eigentlich besonders Unterstützung benötigen, diese in den Studienseminaren noch nicht erhalten. Hier muss es auch noch zusätzliche Unterstützung geben und dann auch, wenn sie in der Schule sind. Das muss dann professionell begleitet werden. Deshalb sagen wir: Diese Aufgaben brauchen systematische Qualifizierung und kontinuierliche Weiterbildung, denn die Ausbildung ist keine Nebenaufgabe, sie ist eine hoch professionelle Tätigkeit. Dazu gehört auch, dass Fachleitungen ihren eigenen Unterricht öffnen und damit Lernen auf Augenhöhe ermöglichen. Ich zumindest habe mir das als Referendar immer gewünscht. Schließlich richten wir den Blick auf die Zeit nach dem Vorbereitungsdienst: die Berufseinstiegsphase. Gerade hier entscheidet sich, ob junge Lehrkräfte mit Freude im Beruf bleiben, ihn wieder verlassen oder die Stunden absenken und dann nur noch mit 50 % unterrichten. Deshalb wollen wir diese Phase mit Fortbildungsangeboten und strukturierten Austauschformaten verbindlich stärken. Denn wir dürfen all die Anforderungen, die ich eben genannt habe, nicht in die anderthalb Jahre Referendariat quetschen; das wird nicht funktionieren. Die Ausbildung muss vielmehr klug aufeinander aufgebaut sein, und die Übergänge müssen gut gestaltet werden. Meine Damen und Herren, nicht die angehenden Lehrkräfte müssen besser werden, die Ausbildung muss besser werden. Wir verfolgen mit diesem Antrag genau diesen Ansatz - praxisnah, besser aufeinander abgestimmt und zukunftsorientiert. Unser Ziel ist klar: eine Lehrkräfteausbildung, die den Anforderungen einer digitalen, inklusiven und vielfältigen Gesellschaft gerecht wird, eine Ausbildung, die fordert, aber nicht überfordert, die nicht abschreckt, sondern motiviert, diesen wunderschönen Beruf zu ergreifen und auch mit einer möglichst hohen Stundenverpflichtung anzugehen, denn dann haben wir auch nicht diese Probleme mit der Unterrichtsversorgung. Insofern freue ich mich, diesen Antrag gemeinsam mit Ihnen im Ausschuss weiter zu diskutieren. Ich bin der Meinung, mit ihm haben wir eine wichtige Stellschraube. Herzlichen Dank. Vielen Dank für Ihre Einbringung. - Als Nächstes hat das Wort: aus der Fraktion der CDU der Kollege Fühner. Bitteschön!
