Laura Hopmann
Schutz für Kinder in den sozialen Medien stärken - Gefahren des Influencer-Marketings entschlossen begegnen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach dieser Debatte muss ich erst einmal tief durchatmen. Der Antrag, über den wir heute abstimmen, richtet sich vor allem an kommerzielle Familieninfluencer, Kinderinfluencer auch Mama- und Papa-Blogger genannt, die aus ihrem Alltag mit Kindern berichten und über Werbeeinnahmen Geld verdienen. In dem Antrag wird beispielsweise vorgeschlagen, dass Unternehmen und Agenturen bei Kooperationen mit diesen kommerziellen Influencern gesetzlich verpflichtet werden, Ausnahmegenehmigungen nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz einzuholen, dass Eltern analog zu Regelungen in Frankreich für die Tätigkeit als Familieninfluencer eine behördliche Erlaubnis brauchen und dass ein Teil der Einnahmen auf ein Konto für das Kind hinterlegt werden muss. Es sind sicherlich keine ganz unwichtigen Aspekte, die Sie hier ansprechen. Kinder sollten keineswegs als Eigentum oder als Accessoire betrachtet und als Content-Objekte ausgenutzt werden. Das ist nach meinem Eindruck aber leider fast überall auf der Welt gelebte Praxis und vor allem unabhängig davon, ob damit Geld verdient wird oder nicht. Demgegenüber kann man sich auch fast ein bisschen ohnmächtig fühlen. Das sollten wir aber besser nicht tun, denn die derzeitige gelebte Praxis schafft auch zahlreiche Tatgelegenheiten für Pädokriminelle, Stichwort Kinderpornografie usw. Deshalb wundert es mich auch total, wie sich die Kollegin von der AfD hier eingelassen hat. Das passt für mich überhaupt nicht. Aber selbst dann, wenn das Internet absolut sicher vor Missbrauch und Zweckentfremdung wäre, müssten sich Eltern meiner Meinung nach in einem viel größeren Maßstab selbstkritisch fragen, ob es eigentlich okay sein kann, Bilder zu veröffentlichen, die vermutlich für immer im Äther des World Wide Web zu finden sein werden. Es sind Bilder von kleinen Menschen, von Kindern, die ihre Persönlichkeitsrechte das hat Herr Siebels vorhin auch dazwischengerufen noch nicht selber schützen können und für die ich als Mutter oder Vater natürlich verantwortlich bin. Es kann sich schon massiv und vielfältig auf die kindliche Entwicklung auswirken, wenn diese Entwicklung nicht unbeobachtet und geschützt geschehen kann, sondern von vielen gesehen, aber auch kommentiert und bewertet wird, und zwar sowohl im digitalen Raum als auch im analogen Raum. Das gilt unabhängig von Bezahlung und von Kommerz. Ich glaube deshalb, dass es nicht reicht, kommerzielle Influencer zu adressieren. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass wir das Phänomen in einigen Jahren in der Forschung sehen werden. Schließlich macht es doch auch was mit mir als Kind, wenn ich aufgrund des WhatsApp-Status von Oma, Opa, Mama, Papa immer wieder von Verwandten und Freunden der Familie auf Ereignisse angesprochen werde, bei denen diese gar nicht dabei waren. Das macht doch was mit mir, weil ich merke, dass ich irgendwie beobachtet werde, aber gar nicht weiß, in welchen Momenten das geschieht und in welchen Momenten das nicht geschieht. Ich glaube, wir werden im Nachhinein sagen: Warum waren wir eigentlich nicht strenger? Wir müssen alle auf Social Media aktiven Eltern und auch die Großeltern sehr breit aufklären. Das gilt ja nicht nur für Influencer und auch nicht nur für Kommerz, sondern das gilt auch für die Großelterngeneration, die stolz die Bilder vom Enkelkind im WhatsApp-Status teilt, aber da eben nicht hundertprozentig informiert ist. Ich will das nicht allen unterstellen, aber als Mutter bin ich ja auch betroffen. Und ich weiß, wie groß die Bandbreite da ist. Ich bin überzeugt, dass wir gerade das Thema Social Media für Kinder und Jugendliche mit all seinen Aspekten, die es da zu beachten gibt, ganzheitlich angehen müssen - weil es so viele Widerstände dagegen gibt, weil es ja auch Spaß macht und schön sein kann. Deshalb sollten wir meines Erachtens versuchen, weniger Teilbereiche aufzumachen - weil hier viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit nötig ist. Das schätze ich anders ein als Claudia Schüßler, die im Gesundheitsausschuss gesagt hat, es wäre gut, wenn das jetzt ganz oft zum Thema gemacht werden würde. Ich bin anderer Meinung. Ich glaube, eine kohärent ausgearbeitete Gesamtstrategie wäre hier überzeugender und wirkungsvoller. Frau Hopmann, lassen Sie eine Zwischenfrage der Abgeordneten Schendel zu? Ja. Bitte! Vielen Dank, Frau Hopmann, für das Zulassen der
