Karin Logemann
Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen, Senioreneinrichtungen und Kantinen stärken - DGE-Standards verbindlich umsetzen
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ein Konvektomat, was ist das? Das ist ein Umluftbackofen. Konvektomaten kommen häufig in der Essensverpflegung zum Einsatz. Die Menüs werden tiefgekühlt geliefert, gelagert und bei Bedarf gegart - eine gängige Variante beim Essen in Kitas und Schulen. Was wäre, wenn wir es schaffen könnten, in unseren Schulmensen frisch zu kochen und dabei so ganz nebenbei Ernährungsbildung zu betreiben? Liebe Kolleginnen und Kollegen, ob Gesundheit, Bildung, Umwelt oder Landwirtschaft Ernährung ist Teil davon. Im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat das ZEHN das Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen eine Ernährungsstrategie entwickelt. Darin heißt es: „Das Leitbild von,Niedersachsens Ernährungsstrategie' orientiert sich an den vier Dimensionen einer nachhaltigeren Ernährung " ‑ den sogenannten Big Four „Gesundheit, Soziales, Umwelt und Tierwohl." Wir wissen: Eine gute und gesunde Ernährung ist die Grundlage für ein gesundes Leben. Was Fast Food, Süßigkeiten und Snacks sowie einseitige bzw. mangelhafte Ernährung anrichten, schreiben uns alarmierende Untersuchungsergebnisse mit Ausrufezeichen ins Buch. So sind etwa 15 % der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren in Deutschland übergewichtig; knapp 6 % davon leiden an Adipositas. Krankheiten wie Typ‑2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden durch die Ernährung mit verursacht bzw. beeinflusst. Ob Menschen in Kitas und Schulen, Betriebskantinen oder das Essensangebot in Krankenhäusern die Gemeinschaftsverpflegung eines von fünf Handlungsfeldern unserer Ernährungsstrategie ist ein Ort, an dem viele Menschen mit Essen und Trinken versorgt werden. Umso wichtiger ist es, in diesen verschiedenen Lebenswelten ein gesundheitsförderndes und nachhaltiges Angebot für alle sicherzustellen. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, das Thema Ernährung hat sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot-Thema entwickelt. Neue Ernährungstrends, individuelle Ernährung, Sporternährung, Allergien, Unverträglichkeiten, Protein-Einsatzprodukte, ethische und moralische Fragestellungen in Bezug auf die Ernährung sowie Fragen im Kontext der Nachhaltigkeit, des Klimaschutzes, des Tierwohls als auch zu sozialen Aspekten stehen gesellschaftlich im Fokus. Dabei hat die Gemeinschaftsverpflegung nicht nur das Potenzial, dass gesunde Ernährung auch schmecken sollte, sondern sie kann auch Lernort werden und Wissen und Fähigkeiten vermitteln, die Kindern, Erwachsenen und Senioren im Alltag helfen, sich gesund zu ernähren und Multiplikatoren auszubilden, die auch ihr Umfeld für eine ausgewogene Ernährung begeistern. Besonders ab 2026, wenn noch mehr Schulen als jetzt schon Ganztagsunterricht anbieten, werden junge Menschen zunehmend auf Schulverpflegung angewiesen sein. Dann ist es umso wichtiger, Schülerinnen und Schülern unabhängig von ihrem sozialen und ökonomischen Hintergrund Zugang zu gesundem, leckerem, vollwertigem und möglichst regionalem Essen zu ermöglichen. Vielleicht kann die Mensa auch gleich entsprechende Angebote oder Projekte anbieten, bei denen zum Beispiel selbst gekocht, das Essen geplant, die erforderlichen Zutaten ausgesucht und besorgt werden können. Entsprechende Modellprojekte, Piloten, wollen wir fördern, um Schulmensen weiterzuentwickeln. Was brauchen wir? - Die Unterstützung der Anwendung von Qualitätsstandards für eine ausgewogene, altersgemäße, vollwertige und gesundheitsfördernde Ernährung bei der Vergabe von Verpflegungsaufträgen in Kitas und Schulen sollten sich an den Empfehlungen der DGE, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, orientieren. Kantinen und Gemeinschaftsverpflegung in landeseigenen Einrichtungen müssen mit gutem Beispiel vorangehen und schrittweise auf Gerichte aus Biolebensmitteln sowie aus regionalen Erzeugnissen umstellen. Wir brauchen einen Stufenplan, um durch Anreize, Beratung und Förderung auch für Kantinen in privater Trägerschaft den Regional- und Bioanteil deutlich zu erhöhen. Wir brauchen eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Einbindung der kommunalen Spitzenverbände sowie weiterer AkteurInnen, wie zum Beispiel unseres ZEHN, unserer Kita-Schul-Senioren-Vernetzungsstellen, der Landfrauen, der Verbraucherzentrale, Ernährungsräte sowie weiterer Multiplikatoren. Wir brauchen eine Projektgruppe aus Betroffenen und Experten, die gemeinsam mit dem ZEHN ein Konzept und eine Bewerbungsprozedur für Modellmensen erarbeitet sowie die Modellprojekte begleitet. Wir haben in den vergangenen Monaten mit vielen Expertinnen und Experten zum Thema Gemeinschaftsverpflegung gesprochen. Im Juni gab es auf Einladung von SPD und Bündnis 90/Die Grünen einen gemeinsamen Austausch zu dem Thema, der uns viele Einblicke und wichtige Punkte mitgegeben hat. Dabei ging es vor allem um mögliche Qualitätsstandards für Ernährung und darum, wie diese bei der Verpflegung in Schulen, Kitas, Seniorenheimen und weiteren Einrichtungen berücksichtigt werden können. Einige Vertreterinnen, die genau an diesem Themenkomplex mit uns gemeinsam zielorientiert gearbeitet haben, sind heute hier. Darüber freue ich mich sehr. Ein herzliches Willkommen deshalb an Dörthe Hennemann von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, Sektion Niedersachsen, sowie ihre beiden Mitarbeiterinnen Céline Düzdag und Nicole Eckelmann, an Elisabeth Brunkhorst, liebe Lizzy, Präsidentin des Niedersächsischen Landfrauenverbandes, an Anja Köchermann, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Hauswirtschaft Niedersachsen, sowie an Peter Wogenstein vom Ernährungsrat Niedersachsen. Herzlich willkommen hier bei uns! Eines wurde bei unseren Diskussionen deutlich, nämlich dass sich eine Einführung von Standards auch zum Beispiel auf die Direktvermarktung positiv auswirken könnte - ein wunderbarer Nebeneffekt, also eine Win-win-win-Situation. Es ist an der Zeit. Wir müssen und wir wollen loslegen. Wie heißt es so schön? Einfach mal machen! Ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss.
