Jessica Miriam Schülke
Errichtung einer zentralen Schlösserverwaltung für Niedersachsen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen Abgeordnete! 2025 war für die Schlösserverwaltung ein Jahr der Superlative: Unsere Märchenschlösser wurden zum UNESCO-Welterbe ernannt. Über 5 Millionen Besucher haben 2025 die Sehenswürdigkeiten unserer Schlösserverwaltung besichtigt. Sehr geehrte Damen und Herren, diese stolze Bilanz, aus der ich eben zitiert habe, stammt aus Bayern. Aber wie verhält es sich für Niedersachsen? Hier gibt es nicht einmal Zahlen, aber eben auch keine Schlösserverwaltung. Andere Bundesländer setzen hingegen Maßstäbe. In Mecklenburg-Vorpommern ist gerade Schloss Ludwigslust in neuem Glanz wiedereröffnet worden. Gut, dass es dort eine Schlösserverwaltung gibt! Im Potsdamer Neuen Palais wird der Dachstuhl saniert. Dies geschieht, anders als bei der niedersächsischen Marienburg, sogar bei laufendem Museumsbetrieb. Auch dort existiert eine zentrale Schlösserverwaltung. In Hessen bietet dieser Tage das frühere Fürstenhaus seine hauseigene Kulturstiftung dem Land an. Sie ahnen es - auch Hessen verfügt über eine Schlösserverwaltung. Diesen guten Beispielen sollte Niedersachsen aufgrund seiner reichen Kulturgeschichte unbedingt folgen. Denn wer mit offenen Augen durch unser Bundesland geht, sieht das reiche Erbe unserer Vorfahren: die Spuren der Ottonen und Welfen, die Residenzen der Herzogtümer Braunschweig und Oldenburg, der Fürstentümer Schaumburg-Lippe und Pyrmont. Über 110 Schlösser sind in unserem Denkmalatlas verzeichnet. Doch dieses Erbe zerfällt. Denn bis 2030 wird es einen dringenden Sanierungsbedarf bei vielen dieser historischen Gebäude geben, so zum Beispiel beim Schloss Bad Pyrmont, beim Leineschloss oder beim Schloss Celle. Laut Ministerium sind für die wichtigsten Liegenschaften im Landesbesitz in den nächsten Jahren rund 75 Millionen Euro Sanierungsmittel nötig. Rechnet man die Marienburg hinzu, kommt man auf 100 Millionen Euro. Andere Bundesländer investieren dank ihrer zentralen Verwaltungen groß angelegt und strukturiert. Thüringen und Sachsen-Anhalt zum Beispiel wenden zusammen mit dem Bund jeweils 200 Millionen Euro für den Erhalt ihres kulturellen Erbes auf. Berlin und Brandenburg stecken gemeinsam mit dem Bund 400 Millionen Euro in die Objekte der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Niedersachsen hingegen verliert sich derweil in vielen unüberschaubaren Einzelmaßnahmen. Dabei liegt die Idee einer zentralen Kulturerbeverwaltung geradezu Frau Schülke, entschuldigen Sie bitte kurz! - Ich darf die erste Reihe der CDU-Fraktion inklusive Herrn Bajus bitten, das Gespräch nach draußen zu verlegen. - Danke. Vielen Dank, Frau Präsidentin. Niedersachsen hingegen verliert sich derweil in vielen unüberschaubaren Einzelmaßnahmen. Dabei liegt die Idee einer zentralen Kulturerbeverwaltung geradezu auf der Hand. Denn im Rahmen der Unterrichtung zu unserem Antrag im Ausschuss haben wir seitens des Ministeriums durchaus entsprechende Signale erhalten. Ich zitiere: „Aus denkmalfachlicher und kulturpolitischer Sicht wäre grundsätzlich zu begrüßen, wenn es zur Einrichtung einer zentralen Kulturerbeverwaltung mit allen damit verbundenen Vorteilen kommen würde." Aha! Das ist klar und deutlich. Und unser Antrag sieht genau dies vor: die Einrichtung einer zentralen Verwaltung für unser kulturelles Erbe. Dabei fordern wir keine teuren Doppelstrukturen oder neuen Bürokratieberge, sondern die Zusammenführung und Effizienzsteigerung des bereits vorhandenen Personals und der Budgets des Staatlichen Baumanagements, des Landesamts für Denkmalpflege und des Landesliegenschaftsfonds. Dass Niedersachsen eine solche Trägerstruktur meisterhaft führen kann, beweist im Übrigen die Klosterkammer Hannover. Es fehlt uns also weder an Expertise noch an historischen Vorbildern. Was einzig fehlt, ist der politische Wille. Wie hat es ein Vertreter der SPD im Ausschuss ausgedrückt: Man habe andere Prioritäten. Traurig, dass gerade Parteien in Regierungsverantwortung keine Prioritäten im Erhalt unseres bedeutenden und identitätsstiftenden Kulturerbes sehen. Sehr geehrte Damen und Herren, die Ablehnung unseres Antrags wäre ein verheerendes Signal an die Bürger Niedersachsens und an die Kommunen, die oft mit dem Erhalt so wichtiger Baudenkmale alleingelassen werden. Deshalb stimmen Sie bitte für unseren Antrag! Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Für die Fraktion der CDU hat sich Frau Machulla zu Wort gemeldet. Bitteschön! Sehr geehrte Frau Präsidentin!
