landtag-niedersachsen.de ↗

Lukas Reinken

CDU 26.02.2025 5:20 min Tagungsabschnitte 19/23

Die Fachkräfte von morgen brauchen jetzt unsere bestmögliche Unterstützung - berufliche Orientierung an niedersächsischen Schulen ausbauen und weiterentwickeln!

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Wiederholung ist ein wichtiges didaktisches und pädagogisches Mittel. Deswegen sprechen wir heute erneut über das Thema Berufsorientierung, dieses Mal über den Antrag von Rot-Grün. Ich glaube, das kann uns alle freuen. Meine Damen und Herren, Sie haben diesen Antrag Herr Me yn hat es schon ausgeführt im letzten Plenum eingebracht. Wir wären auch damals schon abstimmungsbereit gewesen. Sie wollten gerne den Weg über die Ausschussberatung gehen. Im Ausschuss selbst waren wir gespannt, was Sie noch haben wollen: Nicht mal eine Unterrichtung. Sie haben dort sofort abgestimmt. Das ist irgendwie schon ein sehr skurriler Verfahrensgang und hat uns am Ende einen Monat gekostet. Meine Damen und Herren, auf einen Punkt von Herrn Meyn will ich doch noch einmal sehr deutlich eingehen. Herr Meyn hat uns vorgeworfen, wir hätten in unserem Antrag es ist übrigens auch spannend, wie Sie sich heute an unserem alten Antrag abgearbeitet haben, anstatt über Ihren eigenen zu sprechen eine Zwangskooperation gefordert. Das müssen Sie mir einmal zeigen. Herr Meyn, Sie sollten aufhören, hier die Unwahrheit zu erzählen. Das steht nicht in unserem Antrag. In unserem Antrag stand, dass wir regionale Kooperationen und Netzwerke fördern und bestehende Hürden für diese Netzwerke und Kooperationen abbauen wollen; denn eine gute Berufsorientierung funktioniert eben nur auf regionaler Ebene mit entsprechenden Kooperationen. Sie sollten aufhören, hier das Gegenteil dessen behaupten, was in unserem Antrag steht. Herr Reinken, lassen Sie eine Zwischenfrage von Herrn Meyn zu? Nein. Meine Damen und Herren, man kann beim Lesen Ihres Antrags nur feststellen: Sie bleiben in nahezu allen Punkten unkonkret. Es ist einfach ein mutloser Antrag, den Sie hier vorgelegt haben. Ihr Antrag enthält 14 Forderungen. 5 davon sind nur Prüfaufträge, als ob wir nicht schon in allen Reden in den letzten Monaten festgestellt hätten, dass wir kein Erkenntnisproblem bei der Berufsorientierung haben, sondern in die Umsetzung kommen wollen. Was wollen Sie denn bitte noch prüfen? Alles liegt längst auf dem Tisch. Es geht jetzt um die Umsetzung, meine Damen und Herren. Sie bleiben gerade bei den ganz entscheidenden Themenfeldern maximal unkonkret. Sie wollen, so schreiben Sie, schulische Betriebspraktika und Praxistage ausbauen und flexibilisieren. Wie Sie das machen wollen? Keine Antwort. Sie wollen die Zusammenarbeit zwischen allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen intensivieren und Kooperation stärken. Wie Sie das machen wollen? Keine Antwort. Sie wollen die Einführung einer Schüler-ID voranbringen. Wie Sie das machen wollen? Keine Antwort. Sie trauen sich einfach nicht, konkret zu werden, weil das hieße, dass Sie Verantwortung für Ihre Politik übernehmen müssten. Sie sind lieber ambitionslos als mutig, meine Damen und Herren. Vor allem aber ignorieren Herr ‑ Sie gesellschaftliche Trends. Ihr Antrag ist Berufsorientierung von gestern. Sie haben darüber haben wir gerade schon gesprochen die nötigen Netzwerke und Kooperationen mit Kammern, mit Unternehmen und mit Herr - gesellschaftlichen Akteuren vergessen, die es für eine regional wirkungsvolle Berufsorientierung braucht. Ich lasse keine Zwischenfrage zu. Wir haben im Ausschuss lange genug über dieses Thema gesprochen. Meine Damen und Herren, Sie wollen auch die Lehrkräfte nicht wirklich unterstützen. Wie sollen denn die BO-Beauftragten an den Schulen eigentlich alle Konzepte und Aufgaben schaffen, die Sie da vorschlagen? Sie bauen eine Vision von Berufsorientierung auf, die in der Praxis keiner umsetzen können wird. Wenigstens die Anrechnungsstunden für die BO-Beauftragten hätten Sie wieder einführen können. zumindest hätten Sie in Ihrem Antrag einen Satz darüber verlieren können, wie das an den Schulen in der Praxis umgesetzt werden soll, auch als Minimalzeichen der Wertschätzung für die Arbeit derjenigen, die es in der Schule am Ende leisten sollen. Meine Damen und Herren, welches Konzept haben Sie eigentlich für die Schülerinnen und Schüler, die ohne Perspektive aus der Schule gehen? Das sind doch gerade die ehemaligen Schülerinnen und Schüler, die wir am meisten in den Blick nehmen müssen, um Perspektiven zu schaffen. Was Sie für diese wachsende Gruppe an jungen Menschen machen wollen, geht aus Ihrem Antrag nicht hervor. Es ist mir schleierhaft, wie Sie das einfach so außen vor lassen wollen. Das ist Ihnen offenbar überhaupt nicht wichtig. Meine Damen und Herren, wir diskutieren nach der Mittagspause noch Ihren Antrag und unseren Antrag zum Thema Schuldigitalisierung. Ich hätte mich gefreut, wenn Sie zumindest mal in diesen Antrag reingeschaut hätten, wenn Sie über das Thema Berufsorientierung sprechen. Wie ernst Sie das Thema Schuldigitalisierung nehmen, sehen wir an diesem Antrag zum Thema Berufsorientierung. Digitale BO-Angebote? Fehlanzeige. Einsatz von künstlicher Intelligenz? Fehlanzeige. Apps oder Online-Tools, um das Matching zwischen Schüler und Beruf zu verbessern? Fehlanzeige. Mit Ihnen dürfen die Schülerinnen und Schüler weiterhin Berufsorientierung mit Stift, Lineal und Papier machen. Sie trauen den Schulen keine einzige Maßnahme der digitalen Berufsorientierung zu. Das ist schade, und das ist ziemlich peinlich, meine Damen und Herren. Wir werden auch den hoffentlich bald öffentlich erscheinenden Berufsorientierungserlass kritisch begleiten und dann überprüfen, ob zumindest darin die Punkte stehen, die von mir angesprochen worden sind. Sie jedenfalls bleiben maximal unkonkret. Sie bleiben wenig zielführend und blenden wichtige Zukunftsthemen aus. Deswegen werden wir diesen Antrag selbstverständlich ablehnen; denn er bringt uns kein Stück voran. Herzlichen Dank.

Alle Reden von Lukas Reinken Rede ansehen ↗