Julia Willie Hamburg
Die Europäische Idee an Schulen, Hochschulen und Ausbildungsstätten nachhaltig stärken
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Europa und die Europäische Union sind für uns wichtig. Sie tangieren alle Lebensbereiche. Das ist in der Debatte schon deutlich geworden. Und wir alle sind Europäerinnen und Europäer. Vor dem Hintergrund gehört das Thema natürlich auch ganz maßgeblich mit in die Schulen, nicht zuletzt auch, weil wir der Europäischen Union und auch dem vereinten Europa eine Menge an Errungenschaften verdanken. Ohne die Europäische Union wären sie nicht möglich gewesen. Vor dem Hintergrund bin ich auch dankbar, dass das Thema hier nicht in einem großen Streit oder einer großen Debatte miteinander bearbeitet wird, sondern dass sich zumindest der Großteil der Fraktionen ‑ nämlich die große Oppositionsfraktion und die beiden regierungstragenden Fraktionen ‑ zusammengesetzt und gemeinsam gesagt haben: Das Thema ist so übergeordnet wichtig, dass wir hier eine gemeinsame Linie miteinander diskutieren, Grenzen überwinden und zu einer gemeinsamen Beschlussfassung kommen. Europa ist für viele junge Menschen ein großartiger Ermöglichungsraum. Junge Menschen können heute in der Europäischen Union, in Europa eine Menge erleben und auch viel voneinander lernen. Das ist ein Privileg, das ‑ wenn wir uns mehrere Jahre zurückerinnern ‑ so nicht immer vorgeherrscht hat. Auf der einen Seite ist natürlich klar: Die Schule erreicht jeden jungen Menschen. Allein deshalb spielt das in Schule eine Rolle. Aber die Europäische Union und Europa bieten auch viele Möglichkeiten für attraktive Unterrichtsgestaltung und eine spannende Auseinandersetzung. Hier können wir viele spannende pädagogische Ansätze in den Schulen sehen. Das zeigen insbesondere die vielen Europaschulen, die wir in Niedersachsen haben, aber auch die vielen Schulen, die sich aktiv in den Erasmus+ -Programmen engagieren und hiervon auch profitieren. Wenn Sie sich diese Schulen anschauen, wird deutlich, dass hier bereits viele großartige Initiativen entstanden sind und auch immer noch entstehen, und zwar bis in die berufliche Bildung hinein. Viele wissen gar nicht, dass es auch eine großartige Möglichkeit sein kann, in der Ausbildung über den Tellerrand hinauszuschauen und sich einmal anzuschauen, wie beispielsweise eine Polizeiausbildung in anderen Ländern vollzogen wird - nämlich durchaus anders. Das ist natürlich auch eine spannende Frage für das eigene Rollenverständnis und für das Verständnis, dass viele Wege zu guten Ergebnissen führen können. Augenfällig ist allerdings ‑ das machen Sie in Ihrem Antrag auch deutlich ‑, dass die Schulformen sehr unterschiedlich von den verschiedenen Möglichkeiten, zum Beispiel an Erasmus teilnehmen zu können, Gebrauch machen und dass somit auch bestimmte Schülerinnen und Schüler viel weniger erreicht werden als andere Schülerinnen und Schüler. Vor dem Hintergrund engagieren sich das Kultusministerium und auch die Regionalen Landesämter sehr intensiv, sogenannte Konsortien zu bilden und hiermit quasi viele Schulen zu erreichen, die einen Verbund miteinander bilden. Denn gerade die Erasmus+ -Teilnahme bringt umfassende Antrags- und Zertifizierungsverfahren mit sich, die manche Schule alleine gar nicht schafft. Vor dem Hintergrund setzen wir hier stark auf Konsortien, beispielsweise auch im Bereich der Grundschulen, weil wir hier dann mit einem Verfahren mehreren Grundschulen die Möglichkeit bieten können, eine solche europäische Erfahrung zu machen. Insofern ist das ein guter Weg, mehr Schulen zu erreichen. Herr Rykena, Sie haben gefragt, warum Mehrsprachigkeit in diesem Antrag vorkommt. Europa ist ein Land der vielen Sprachen, und gerade wenn wir uns in der Europäischen Union bewegen wollen, brauchen wir die Förderung von Mehrsprachigkeit. Insofern ist die Frage, ob man viele Sprachen sprechen kann, allein dafür relevant. Aber sie ist auch relevant, weil wir wissen, dass Menschen die deutsche Sprache viel besser lernen, wenn sie ihre Familiensprache gut sprechen können und ein Verständnis für Grammatik, auch der eigenen gelernten Sprache, haben. Insofern lohnt sich die Förderung von Mehrsprachigkeit hier an vielen verschiedenen Stellen. Deswegen bin ich dankbar, dass auch dieser Punkt hier Erwähnung findet. Ich möchte Ihnen herzlich für diesen Antrag danken, weil er zusätzliche Impulse und Schwerpunkte setzt, die wir bei der Frage, wie wir Europabildung weiterentwickeln, gerne berücksichtigen, und freue mich darauf, dass eine breite Zustimmung hier im Landtag zu erwarten ist.
