Jörn Domeier
Gentechnisch veränderte Lebensmittel weiterhin konsequent kennzeichnen - Wahlfreiheit für Verbraucher*innen erhalten
Herr Domeier, bitte! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir haben es gehört: Gestern tagte das EU-Parlament und behandelte eine Verordnung zu Pflanzen und neuen genomischen Techniken. Das klingt völlig unspektakulär, zugegebenermaßen aber sehr, sehr technisch. Aber so ganz neu ist das Thema nun wirklich nicht. Die Selektionszüchtung ist ungefähr 10 000 Jahre alt. Unsere klassische Gerste würden wir so nicht kennen, wenn Menschen nicht irgendwann erkannt hätten, dass man durch Auswahl etwas erreichen kann und dass der Nutzen aus dem Anbau dieser Pflanzen steigt. Das Gute aus der Natur zu nutzen, ist etwas vollkommen Normales. Die Kreuzzüchtung war ganz besonders um 1900 aufgekommen. Wir kennen unsere Apfelsorte eigentlich genau seit jener Zeit. Um noch ein bisschen weiterzugehen: Seit 1930 wird die Mutationszüchtung eingesetzt; sie wird auch noch heute genutzt. Gerade diese Züchtungsform ist auch nicht ganz ohne, wenn wir die Debatte mal wirklich völlig wertfrei nehmen. Wir haben es gehört: Die Verbraucherinnen und Verbraucher wollen keine Gentechnik. Eine hohe Verbraucherschutztransparenz ist ihnen ganz wichtig. Aber gerade zu der Mutationszüchtung müssen wir einfach wissen, dass auch dort oft Röntgen- oder Neutronenstrahlung genutzt werden, dass mit Kälte- und Wärmeschocks gearbeitet wird und dass chemische Prozesse ausgelöst werden. In der Mutant Database ‑ sie heißt wirklich so ‑ der Internationalen Atomenergiebehörde sind weit über 3000 Pflanzensorten eingetragen ‑ querbeet: Obst, Gemüse und übrigens auch alles, was wir für tolle Pasta brauchen ‑, die mit diesen Mitteln gezüchtet wurden. Die Technik ging weiter; wir haben es gehört. In den 80er-Jahren kam die Gentechnik hinzu, mit der isolierte Gene direkt in das Erbgut der Pflanze eingesetzt werden. Was mich immer stört: Es gibt manche, die per se sagen: Das ist prima. - Und andere sagen: Davor haben wir Angst, das birgt zu viele Risiken. - Gerade der Wandel der Technik ist völlig normal. Ich möchte heute in dieser Aktuellen Stunde gar nicht bewerten, was wichtig, was besser oder was richtig ist. Nein, mir fehlt die offene Debatte dazu, die dadurch völlig lobbygetrieben ist. Deswegen finde ich es gut, dass wir einen Schwerpunkt auf Verbraucherschutz und Kennzeichnung legen. Aber gerade bei der Kennzeichnung würde ich mir wünschen, wenn auch die klassischen Methoden aus den eben von mir genannten Gründen ebenfalls in den Fokus gerückt würden. Die neue grüne Gentechnik bedroht keinesfalls unbedingt die Biodiversität, zumindest nicht automatisch. Ganz im Gegenteil! Wenn wir neue Sorten haben, die weniger Pestizide benötigen, wenn wir neue Sorten haben, die viel hitzeresistenter sind, die weniger Fläche benötigen, dann können sie auch ein guter Baustein für mehr Biodiversität sein. Aber neue Regeln und neue Techniken funktionieren nicht mit altem Markenschutz und altem Patentrecht. Es freut mich, dass wir uns hierzu scheinbar einig sind. Rechtssicherheit ‑ das haben wir auf allen Demonstrationen der letzten Zeit gehört ‑ ist unseren Landwirtinnen und Landwirten ganz besonders wichtig. In Niedersachsen gibt es 24 Saatzuchtunternehmen. Auch insofern halte ich es für äußerst wichtig, dass wir gute, gemeinsame Regelungen erreichen und nicht zu unterschiedlich werden. Von daher freue ich mich sehr über die Debatte. Wir sind noch ein Stück weit auseinander, aber wir gehen ja irgendwann gemeinsam los. Vielen Dank.
