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Sophie Ramdor

CDU 05.03.2026 8:32 min Tagungsabschnitte 19/32

Reform der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe stoppen - politische Bildung stärken - Allgemeinbildung sichern!

Ich bitte darum, die Gespräche einzustellen. - Bitteschön, Frau Kollegin! Vielen Dank. - Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit dem Bestehen des Abiturs, des höchsten Schulabschlusses in Deutschland, erlangt man die allgemeine Hochschulreife. Durch das Erlangen des Abiturs beweist man nicht nur Fachwissen, sondern auch Durchhaltevermögen und Leistungsbereitschaft. Es bescheinigt vertieftes Allgemeinwissen, analytisches Denken und die Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten. Dies sind zwingende Voraussetzungen, um später an einer Universität bestehen zu können. Dort muss man selbstständig lernen können, um jedes Semester in kürzester Zeit eine Vielzahl von Klausuren und Seminararbeiten bewältigen zu können, und das in einer Umgebung, wo einen niemand an die Hand nimmt und wo man die Prüfungen dann schreiben muss, wann sie auf dem Plan stehen. Die Oberstufe soll nun reformiert werden. Das Kultusministerium verspricht weniger Klausuren und mehr Freiheiten. Aber ist das wirklich so? Wird am Ende wirklich jeder Schüler und jede Schülerin die Freiheiten haben, seine oder ihre Wunschfächer zu wählen, die zu seiner oder ihrer individuellen Begabung passen? Auf dem Papier ja. Aber wie sieht denn die Realität aus? Die Freiheit der Wahl kann es nur geben, wenn die Oberstufe mehr Lehrkräftestunden erhalten würde, damit alle individuellen Kurse stattfinden können. Das passiert aber nicht. Und dafür gibt es aktuell auch nicht genügend Lehrkräfte im System. Wenn eine Schülerin gerne Musik, Kunst oder Latein belegen möchte, dann wird dieser Kurs an kleineren Gymnasien oder an schlechter versorgten Gymnasien nur zustande kommen, wenn zufälligerweise die Mehrheit des Jahrgangs dies auch belegen möchte. Sie versprechen der Schülerschaft Wahlfreiheit. In Wirklichkeit bekommen sie eine Mehrheitsentscheidung, die mit Individualität vor Ort nichts zu tun hat. Das bedeutet auch: Ob die individuelle Begabung gewählt werden kann, hängt vom Wohnort und von der Stimmung im jeweiligen Jahrgang ab. Leidtragende werden die Schulleitung und die Lehrkräfte vor Ort sein, die den Schülerinnen und Schülern und den Eltern erklären müssen, warum die Versprechungen der Landesregierung nicht eingehalten werden konnten, weil bestimmte Kurse in einem Jahrgang nicht zustande gekommen sind - und das, obwohl im vorherigen Jahrgang der Kurs angeboten wurde, jetzt aber nicht mehr zustande kommt, weil es halt keine Mehrheitsentscheidung dafür gab. Das Abitur, der höchste Schulabschluss in Deutschland, wird somit in Niedersachsen zu einer standortabhängigen Zufallsentscheidung, und das kann es nicht sein. Die allgemeine Hochschulreife ich sprach es an war das Zertifikat dafür, dass wissenschaftlich gearbeitet werden kann, dass sich mit einem Thema schriftlich in der Tiefe auseinandergesetzt wurde, dass man in der Lage war, präzise Literaturrecherchen zu betreiben, kritisches Denken zu zeigen oder eine fachsprachliche Ausdrucksweise beherrscht. Weil immer mehr Schülerinnen und Schüler künstliche Intelligenz zur Erstellung von Facharbeiten benutzen und somit bei der Arbeit betrügen, beugen wir uns jetzt den Jugendlichen. Und nein, das Erstellen eines Podcasts oder die Teilnahme an oder Erarbeitung einer Podiumsdiskussion deckt nicht dieselben Fähigkeiten wie das Erstellen einer wissenschaftlichen Arbeit ab. Nur, weil ein Schüler sich vor einer Kamera gut verkaufen kann, heißt das nicht, dass er Fachtexte durchdringen kann. Gerade in Zeiten von KI wird es für unseren Wirtschaftsstandort entscheidend sein, dass Forschung und Innovation weiterhin gelehrt werden kann und dass Schülerinnen und Schüler aus den Schulen entlassen werden, die wissenschaftlich arbeiten können. Anstatt den Jugendlichen entgegenzukommen, die ihre Arbeit mit fremder Hilfe erstellen, hätte man einfach die Bewertung anpassen können. Das Erstellen der schriftlichen Arbeit wäre nur noch ein Bruchteil der Note gewesen, den Hauptteil hätte die mündliche Verteidigung der Arbeit übernommen, die es aktuell schon gibt. Mit konkreten Nachfragen hätte man sehr schnell herausfinden können, ob die Arbeit selbst geschrieben, das Thema durchdrungen wurde oder ob jemand die Arbeit hat schreiben lassen. Möglich wäre dies gewesen. Sie haben sich für den einfachen Weg entschieden, der die Fähigkeiten des wissenschaftlichen Denkens weiter abwertet und damit die Jugendlichen dieser Fähigkeit beraubt. Sie behaupten zudem, dass es weniger schriftliche Leistungen für alle gibt. Auch diese Aussage hält einer genauen Prüfung nicht stand und hängt davon ab, welche Fächer als P1 bis P3 gewählt werden. Wer hier alle Kernfächer wählt, schreibt in allen Nichtprüfungsfächern keine Arbeiten mehr. Wer dies nicht tut, schreibt in den Kernfächern auf einfachem Niveau weiterhin welche. Die Schülerinnen und Schüler werden in Ihrem Modell somit eine unterschiedliche Anzahl von Prüfungen schreiben, je nachdem, was sie an Fächerkombinationen gewählt haben. Und das halten Sie für gerecht! Kaum ein Thema wurde im Kultusbereich von Rot-Grün so häufig angesprochen wie die Stärkung der Demokratie an Schulen. Erst gestern haben Sie in Ihrem Antrag betont, wie zentral die Rolle der Schulen bei der Demokratiebildung und für die Stärkung der demokratischen Prozesse ist. Um ein demokratisch mündiger Bürger in diesem Land zu werden, muss man die politischen Abläufe und Systeme verstehen. Sie planen mit Ihrem gestrigen Antrag wieder eine Entwicklung neuer Formate, um ein demokratisches Grundverständnis zu fördern. Wir brauchen dafür aber keine neuen Formate. Es gibt ein Fach, in dem die Jugendlichen all das lernen. Das Fach heißt Politik-Wirtschaft. Und genau das wollen Sie in der aktuellen Zeit nicht mehr verpflichtend unterrichten lassen. Sie setzen damit in der Oberstufenreform die Inhalte des Fachs Politik-Wirtschaft der Beliebigkeit aus. Was senden wir für ein Zeichen in der heutigen Zeit, wenn man Demokratiebildung abwählen kann? Und da helfen Ihnen dann auch keine Klassenräte in der ersten Klasse mehr. Ein wichtiger Aspekt der Allgemeinbildung ist das Erlernen von Fremdsprachen. Hierbei ist es notwendig, zu verstehen, dass jede Sprache ein eigenes System hat, was erst durch das Erlernen mehrerer Fremdsprachen erschlossen wird. Hierbei geht es um mehr als das reine Sprechen. Gerade in der Oberstufe wird sich durch den fremdsprachlichen Literaturunterricht mit der Kultur der Länder intensiv auseinandergesetzt, und er bietet kulturelle Orientierung. Gerade diese intensive kulturelle Auseinandersetzung ist ein wichtiger Aspekt, um die Gemeinsamkeiten innerhalb der Europäischen Union zu verstehen. Ein Aspekt, der ein wichtiges Werkzeug ist, um an den Universitäten eine Fremdsprache zu studieren oder in den Ländern studieren oder arbeiten zu können. Dieser Bereich geht verloren, wenn wir in der Oberstufe keine zweite Fremdsprache mehr verpflichtend wählen müssen. Und gerade im sprachlichen Bereich besteht eine große Gefahr, dass im kleinen oder ländlichen Gymnasium einige Sprachen durch den Wegfall der Verpflichtungen nicht mehr zustande kommen können. Ich sprach es an, da muss sich dann die Mehrheit der Schülerschaft dafür entscheiden. Es geht zudem nicht nur um die Anzahl der Jahre, die die Jugendlichen in einem Fach sprachlich unterrichtet werden, sondern es geht um das Abschlussniveau, was am Ende der Schullaufbahn erworben wird. Und das Kerncurriculum in den höheren Jahrgängen ist etwas anderes, als wenn ich die Sprache vorher unterrichtet habe. Es unterscheidet sich ich sprach es gerade an, je nachdem, in welchem Jahrgang man Sprachbildung erhält, und somit, welche Auswirkungen das auf die spätere berufliche Laufbahn haben wird, also ob ich noch in der Lage bin, die Zertifikate zu erhalten, die ich für mein Studium brauche. Die Schülerinnen und Schüler in diesem Land müssen weiterhin rechtsverbindliche Möglichkeiten erhalten, ein allgemeinbildendes Abitur mit all seinen Facetten zu machen. Sie sehen, es geht uns in diesem Antrag nicht um generelle Kritik und darum, generell dagegen zu sein, sondern um berechtigte inhaltliche Kritik und Probleme. Damit sind wir als CDU auch nicht alleine. Am Dienstag wurden Staatssekretär Stephan Ertner über 10 000 Unterschriften von Bürgerinnen und Bürgern und das ist entscheidend auch von Fachlehrkräften übergeben, die konkrete Kritikpunkte an der Oberstufenreform haben. Lassen Sie uns im Ausschuss die Kritikpunkte ernsthaft miteinander beraten, damit am Ende wirklich eine Wahlfreiheit für alle Schülerinnen und Schüler steht und keine Mehrheitsentscheidung auf dem Rücken einzelner Schülerinnen und Schüler. Vielen Dank.

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