Sophie Ramdor
Das Ende der schriftlichen Division in der Grundschule
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Vorab: Es war schon bezeichnend, wie sehr sich Rot-Grün heute Morgen darüber gefreut hat, dass ein Abgeordneter hier Mathematik der Grundschulklasse kann. Das ließ wirklich tief blicken. Vielen Dank dafür! Die schriftliche Division ist normalerweise kein Thema, das es bundesweit in die Presse schafft. Doch es ist geschehen. Woran liegt das denn? Es liegt daran, weil die Menschen in diesem Land das Gefühl haben, dass das Bildungsniveau immer weiter sinkt und die Leistungsbereitschaft abnimmt. Und diese Menschen werden bestätigt. Sie werden dadurch bestätigt, dass der IQB-Bildungstrend zum Beispiel in den Naturwissenschaften gezeigt hat, dass Niedersachsen weiter abgerutscht ist. Sie werden dadurch bestätigt, dass Noten abgeschafft werden, Prüfungen nur noch an den Tagen geschrieben werden sollen, an denen man sich gerade dafür bereit fühlt, wissenschaftliches Denken zum Beispiel durch das Erstellen von Podcasts ersetzt werden kann oder die wichtige Kompetenz im Sportunterricht, mit Misserfolg und Erfolg umgehen zu können, zunichtegemacht wird, wenn jeder einfach nur noch ein Gewinner ist. Es ist nicht die Division, um die es hier heute geht. Es ist die generelle Abkehr von der Leistungsgesellschaft in diesem Land und das vor allem im Bildungssystem, die die Menschen umtreibt und bewegt. Um dividieren zu können, wird ein Zahlenverständnis benötigt. Wenn man im Mathematikunterricht etwas hätte anfassen wollen, dann wäre es sinnvoller gewesen, das Zahlenverständnis in der ersten Klasse zu vertiefen, denn darauf muss ein Fokus gesetzt werden. Wer hier zu schnell arbeitet, kommt nicht mehr dazu, dass die Kinder in der vierten Klasse die Grundlage zum Dividieren haben. Deshalb haben einige Kinder auch Schwierigkeiten, weil in der ersten Klasse das Zahlenverständnis, wie gesagt, etwas zu schnell bearbeitet wird. Wenn man die Kinder in der vierten Klasse verloren hat, dann ist es eigentlich auch egal, wie man dividiert. Wenn man sich mit dem Thema Division und den verschiedenen Meinungen auseinandersetzt, merkt man schnell, dass es nicht die eine Meinung dazu gibt. Das ist auch richtig, denn es gibt nicht den einen Schüler, auf den der eine Weg passt. Vonseiten des Kultusministeriums hören wir oft den Begriff „Freiräume". Wieso trauen wir den Lehrkräften eigentlich zu, sich neue Schulkonzepte auszudenken oder Unterrichtsfächer zusammenzulegen, aber nicht die Lehrmethode auszuwählen, die für die Schülerschaft vor Ort am besten geeignet ist? Wieso wird in anderen Fällen von Individualisierung gesprochen, während hier alle den gleichen Weg gehen müssen? Die halbschriftliche Division unterstützt die Schülerinnen und Schüler dabei, den Algorithmus zu durchdringen. Für den gesamten mathematischen Prozess ist die schriftliche Division entscheidend. Große Teile der Lehrwerke haben jetzt schon beide Wege aufgezeigt. Einige Schulen haben zum Beispiel auch jetzt schon das halbschriftliche Dividieren angewendet, weil es für ihre Schülerschaft vor Ort besser ist. Andere Schulen wollen an der schriftlichen Division festhalten. Wieso wird der Kerngedanke des Forderns und Förderns aus den Augen verloren? Lassen wir doch die Pädagogen vor Ort entscheiden! Geben wir ihnen doch in ihrem fachlichen Wissen die Freiheit, die sie brauchen! Wenn das Ministerium weiter eine Welt für die Kinder erschafft, in der ihnen nichts mehr zugetraut wird, in der nicht zugelassen wird, dass sie sich anstrengen und über sich selbst hinauswachsen können, dann wird es in Zukunft keine Spitzensportler und keine Innovationen mehr aus diesem Land geben. Denn dafür braucht man Leistungsbereitschaft, und man braucht Ausdauerbereitschaft. Wenn das Ministerium den bisherigen Weg der Politik weitergeht, werden die Kinder dieser Fähigkeit beraubt. Das treibt die Menschen in diesem Land zu Recht um. Vielen Dank.
