Jessica Miriam Schülke
Einführung eines eigenständigen Promotionsrechts für Fachhochschulen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Herren und Damen! In dem Antrag von SPD und Grünen wird die Landesregierung ersucht, ein eigenes Promotionsrecht für Fachhochschulen und Hochschulen für Angewandte Wissenschaft zu etablieren. Die Begründung Ihres Antrags lässt viel Raum für Interpretationen, weist sinnhafte Lücken auf und berücksichtigt nicht, dass das geplante Promotionsrecht für diese Hochschulformen schon in der Vergangenheit für viel Streit und Ärger gesorgt hat. So wehren sich die Universitäten beispielsweise mit dem Argument, das eigenständige Promotionsrecht käme einer Entwertung des Doktortitels gleich. Außerdem könne der Wissenschaftsstandort Schaden nehmen. Weiterhin gebe es dann auch keinen Grund mehr, den Industrieunternehmen Promotionen zu untersagen, denn diese forschten schließlich auch. Ferner wird die bestehende Tendenz zur Überakademisierung noch einmal verstärkt. Aktuell gibt es bereits mehrere Möglichkeiten, im Anschluss an ein Studium an einer FH oder einer HAW zu promovieren. Diese bereits bestehenden Möglichkeiten attraktiver auszugestalten und zu erweitern, wäre durchaus eine kostengünstige, umsetzbare und sinnvolle Alternative. Das kommt in Ihrem Antrag aber gar nicht erst zur Sprache. Letztendlich geht es ums Geld. Forschungsgelder sind knapp, und sie werden in Zukunft immer begrenzter. Wenn die FHs und HAWs auch noch ihren Teil vom Kuchen abhaben wollen, wird es für die Universitäten eng. Auch das Land Niedersachsen muss sich genau überlegen: Wenn Fachhochschulen zu wissenschaftlichen Forschungsstätten ausgebaut werden sollen, dann müssen diese auch entsprechend ausgestattet werden. Eine Herausforderung angesichts knapper Landeskassen! Dazu kommt, dass in den vergangenen Jahren nur 1 % aller Doktoranden in Deutschland die Möglichkeit einer Promotion unter Beteiligung einer HAW oder FH nutzten. 1 %! Eine magere Bilanz für ein solch umfangreiches Vorhaben. Alles in allem stellt sich für mich die Frage, ob dieser Antrag nicht schon wieder ein kostenintensives, rot-grünes Prestigeprojekt ist - natürlich finanziert vom Geld der Steuerzahler. Ihre Begründung, Sie wollen mit diesem Antrag dem Fachkräftemangel entgegentreten, ist reines Wunschdenken. Dem Fachkräftemangel wirkt man entgegen, indem man sicherstellt, dass es genügend gut ausgebildete und vor allem gute bezahlte Fachkräfte zum Beispiel in der Pflege und im Gesundheitswesen gibt ‑ die müssen nicht alle studieren ‑, und vor allem, indem man ein wettbewerbsfähiges Steuersystem schafft und nicht den Steuerzahler für rot-grüne Träume schröpft. Für die AfD gilt, dass wir uns noch nicht von Realitätssinn und rationalem Denken verabschiedet haben. Außerdem ist uns klar, dass die deutsche Schul-, Hochschul- und Universitätslandschaft im internationalen Kontext leider längst nicht mehr als richtungsweisend wahrgenommen wird. Werte Kollegen, ich bin sehr gespannt und freue mich auf die weiteren Beratungen im Ausschuss. Vielen Dank. Die nächste Wortmeldung, die mir vorliegt, kommt
