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Jörn Domeier

SPD 22.05.2025 4:03 min Tagungsabschnitte 19/25

Vielfalt säen, Sorten sichern - regionale Saatgutzucht stärken

Bitteschön! Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass Äpfel nach dem Anschneiden oft nicht mehr so schnell braun werden und dass sich der Geschmack zu immer süßeren Äpfeln entwickelt und solchen, die auch nach dem Aufschneiden ihre Farbe und ihren Geschmack behalten. Bestimmte Sorten werden immer häufiger gekreuzt oder mittels genetischer Modifikationen verändert. Bei der Marke Pink Lady handelt es sich um eine solche süße Kreuzung aus Golden Delicious und Lady Williams. Im Vergleich zu alten Sorten haben sie nur noch wenige Polyphenole. Dieser Pflanzenstoff ist aber von der Natur gerade nicht bösartig gewählt, und der Eingriff des Menschen in die Natur hat immer auch Folgen. Polyphenole machen Äpfel nämlich verträglicher, da sie die Allergenität der Apfeleiweiße verringern. Neue, moderne Sorten werden daher von immer weniger Menschen gut vertragen, werden dafür aber eben nicht braun und sind süßer - übrigens so süß, dass für Apfelsaft oft Zitronensäure beigemengt wird, damit er nicht zu süß schmeckt. Achten Sie bei der nächsten Apfelsaftschorle einmal selbst darauf, was bei den Inhaltsstoffen steht. Freiheit für die Vielfalt - das ist die Devise großer Gruppen, die gerade vor der Zentralisierung und vor manchen Züchtungen Angst haben. Und fairerweise ist da auch etwas dran. Die Züchtung wird immer aufwendiger, sie wird schneller, kostenintensiver und komplexer. Daher konzentriert sich die gewerbliche Züchtung auf spezialisierte Unternehmen. Aber das Know-how des Branchenriesen KWS aus dem Wahlkreis von René Kopka oder von Saatzucht Strube aus meiner Heimat ist unglaublich wichtig. Der Erfahrungsschatz und das Wissen um die Vermehrung von Saatgut sind mittlerweile unbezahlbar; denn es geht nicht nur um den Erhalt von alten Sorten, es geht in der Landwirtschaft auch immer um die Ernährung der Bevölkerung und um die Verbesserung beim Ertrag, weil der Landwirtschaft jeden Tag Flächen zum Anbau genommen werden. Es geht um neue Sorten, die an den Klimawandel angepasst sind. Es geht bei der Forschung unserer heimischen Branchenriesen darum, dass weniger Pflanzenschutzmittel auf dem Feld eingesetzt werden müssen. Als Gesetzgeber muss uns der Spagat gelingen, dass diese notwendige und nebenbei auch sehr teure Forschung „made in Niedersachsen" auch morgen noch möglich und rentabel ist. Ganz direkt sind mehrere tausend Beschäftigte in der Branche zu Hause, und indirekt ist für jeden unserer Landwirte und jeden Verbraucher die Arbeit der Saatguthersteller wichtig. Es darf aber nicht so weit gehen, dass Landwirte bestraft werden, weil sich patentierte Pflanzen auf ihren Äckern selbst ausgesät haben. Ich bin ein Freund von bäuerlichem Saatgut, also von vom Landwirt selbst gezüchtetem und selbst vermehrtem Saatgut. Regionale Vielfalt ist ein Gewinn. Das Lizenzgeschäft darf nicht so weit führen, dass rechtliche Unsicherheiten für Landwirte auftreten. „Freiheit für die Vielfalt" setzt sich auch für alte Sorten ein, die beinahe vergessen sind. Einige wenige Personen haben echte Schätze in ihren Gewächshäusern. Diese Saatgutvermehrer gilt es, wenn sie nicht kommerziell agieren, sondern aus Liebe zur Sache handeln, zu unterstützen und nicht zu kriminalisieren. Wir alle haben es als Verbraucher wie immer selbst in der Hand: Achten Sie beim Kauf einer dieser kleinen Saatguttüten darauf, dass es samenfeste Sorten sind! Dann haben Sie auch im nächsten Jahr etwas davon. Vielen Dank. Vielen Dank, Herr Kollege Domeier. -

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