Björn Meyer
Gesund im öffentlichen Dienst: Betriebliche Fitness für Bedienstete des Landes als attraktiver Arbeitgeber
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Es ist jetzt fast 17.30 Uhr. Wir haben um 9 Uhr angefangen. Von der Zeit her passt das also: Wir haben relativ genau die durchschnittliche Arbeitszeit einer Vollzeitkraft in der Landesverwaltung hinter uns. Das heißt, Sie können sich relativ gut vorstellen, wie sich jemand in der Landesverwaltung nach einem Arbeitstag ‑ zumindest mit einer sitzenden Tätigkeit ‑ aktuell fühlt. - Sie fühlen sich gut. Das ist schon mal sehr schön. Aber, sehr geehrte Kollegen, sehr geehrte Kolleginnen, sehr geehrter Herr Präsident, Sie spüren es doch in Wirklichkeit auch, oder? Die Jüngeren unter uns vielleicht ein bisschen weniger, die Älteren vielleicht ein bisschen mehr. - Ob sich jemand alt fühlt, muss jeder selbst entscheiden. Ich rede natürlich nur vom gefühlten Alter, Herr Thiele. Die Sportlichen von uns spüren es wahrscheinlich am wenigsten. Gut für den Bewegungsapparat und gut für das Herz-Kreislauf-System ist das natürlich nicht. Jeder Arbeitsmediziner würde Ihnen deshalb natürlich einen gewissen Anteil an Sport und Bewegung empfehlen. Also gehe ich jetzt heute hier mal mit gutem Beispiel voran. Ich würde sagen, wer mitmachen will, kann gerne mitmachen und seine Muskulatur mal ein bisschen mobilisieren, mal ein bisschen hin und her schwingen, sich einfach ein bisschen bewegen. - Frau Tippelt macht mit. Wunderbar. Vielleicht tun wir mal so, als ob wir Äpfel pflücken. - Jawohl, das sieht gut aus. Dann vielleicht noch mal ein bisschen die Hals- und Nackenmuskulatur dehnen. - Das sieht sehr gut aus. Ich glaube, jetzt geht es schon ein bisschen besser. Wir sind ein bisschen fitter und können die nächsten Minuten ‑ da wir jetzt ja langsam schon über die durchschnittliche Arbeitszeit hinauskommen ‑ vielleicht ein bisschen entspannter angehen. Aber mal ehrlich: So richtig kommt Bewegung in dieses Plenum eher nur rhetorisch, am ehesten noch auf dem Weg zum nächsten Plenarrandtermin. Aber um uns geht es hier ja auch eigentlich gar nicht, sondern um die Beschäftigten des Landes. Denen wird es nach so einem Arbeitstag ganz ähnlich gehen. Tag für Tag leisten sie unermüdlich ihren Beitrag, um das Land am Laufen zu halten und um die Bedürfnisse unserer Bürgerinnen und Bürger zu erfüllen. Die meisten tun das eben im Sitzen. Ihre Arbeit ist von unschätzbarem Wert für den Zusammenhalt unseres Landes. Zeit für Bewegung fehlt da oft. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass dieser Einsatz nicht nur gewürdigt, sondern auch bestmöglich unterstützt wird. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Gesundheit sollte bei diesem Thema eine wichtige Rolle spielen. Das tut sie auch schon bei uns in der Landesverwaltung. Gesundheitsmanagement, betriebliche Gesundheitsförderung, CARE ‑ kurz für „Chance auf Rückkehr ermöglichen“ ‑, betriebliche Suchtprävention oder betriebliches Eingliederungsmanagement sind nur einige Punkte, in denen sich in den letzten Jahren tatsächlich viel getan hat. Aber, meine Kolleginnen und Kollegen, der Polizist, die Richterin, der Finanzbeamte, die Straßenwärterin, der Lehrer, die Vollzugsbeamtin oder der Sachbearbeiter - sie sind das Rückgrat unseres Bundeslandes. Apropos Rückgrat: Nach einem Bandscheibenvorfall ist man schnell mal mehrere Monate außer Gefecht gesetzt. Das ist eines von vielen Beispielen, wo Vorsorge mehr Wert ist als Nachsorge, und eines von vielen Beispielen für die Auswirkung der meist sitzenden Tätigkeit, die eine erhebliche Belastung für die Gesundheit unserer ca. 220 000 Beschäftigten darstellt. Die Auswirkungen auf den Bewegungsapparat, insbesondere auf den Rücken, oder das Herz-Kreislauf-System sind nicht zu unterschätzen und erfordern unsere Aufmerksamkeit und Handlungsbereitschaft. Die Zahlen sprechen für sich. Jährlich gibt das Land laut Bertelsmann-Stiftung weit über 600 Millionen Euro für die Beihilfe aus. Im Jahr 2022 waren die Beschäftigten des Landes im Durchschnitt 16,7 Tage erkrankt, was einen Krankenstand von ungefähr 6,6 % ausmacht. Dass viele Tätigkeiten für das Land Niedersachsen eher von wenig Bewegung geprägt sind, schadet also nicht nur unseren Beschäftigten, sondern am Ende auch unserem Haushalt. Deswegen möchten wir jetzt die sportliche Betätigung in der Freizeit fördern und unterstützen. Sportliche Aktivitäten können dazu beitragen, die negativen gesundheitlichen Auswirkungen sitzender Arbeit abzumildern und auszugleichen. Durch die Stärkung des Bewegungsapparates und die Anregung des Stoffwechsels lassen sich die meisten mit sitzenden Tätigkeiten verbundenen Erkrankungen wirksam behandeln. Zudem wirkt sich regelmäßige sportliche Betätigung positiv auf das Wohlbefinden und auf den Abbau von Stress aus. Als Land Niedersachsen tragen wir eine Verantwortung für das Wohlergehen unserer Bediensteten. Daher ist es an der Zeit, dass wir als Arbeitgeber und Dienstherr hier noch aktiver werden. Wir fordern die Landesregierung daher auf, allen Bediensteten des Landes ein flexibles, wohnortnahes und individuell nutzbares Sportprogramm zu attraktiven Konditionen zur Verfügung zu stellen. Dabei ist wichtig, dass die Vielfalt der Sportangebote sichergestellt wird, um eine hohe Akzeptanz bei den Beschäftigten zu erzeugen. Mit dieser Förderung ergeben sich für das Land, wie gesagt, einige Vorteile: weniger Krankheitstage, die Verwaltung wird effektiver, und ‑ wie vorhin erwähnt ‑ wir sparen Beihilfekosten. Es gibt aber noch einen weiteren wichtigen Punkt; Herr Kopka hat es gerade schon angesprochen. Wir müssen auch über die Attraktivität als Arbeitgeber sprechen. Das Land Niedersachsen ist in Konkurrenz mit privaten Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern. Die Landesverwaltung ist natürlich schon in den letzten Jahren attraktiver geworden. Da gibt es einige Punkte: Arbeitszeiten sind wesentlich flexibler geworden, zumindest in vielen Bereichen. Bei der Schichtarbeit von zum Beispiel Polizistinnen und Polizisten geht es natürlich nicht. Aber in vielen Verwaltungsteilen ist das mittlerweile der Fall. Homeoffice ist in großen Teilen der Landesverwaltung selbstverständlich. Und vor Kurzem haben wir das Thema Dienstradleasing auf den Weg gebracht, also auch ein Baustein, der zu einer attraktiveren Landesverwaltung führt. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, weitere Anstrengungen für die Attraktivität als Arbeitgeber zu ergreifen. Zahlreiche private Unternehmen, aber teilweise auch öffentliche Arbeitgeber haben jetzt schon betriebliche Fitnessangebote im Programm. Um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben, müssen wir hier nachziehen. Und ich finde, das hat einen wesentlich größeren Wert, als eine Steuerakademie zu verlegen. - Danke schön. Es liegt in unserer Verantwortung, die Gesundheit unserer Bediensteten zu schätzen und gleichzeitig die Attraktivität des Landes als Arbeitgeber zu steigern. Nachdem wir das Jobbike-Angebot vor Kurzem beschlossen haben, wird dieser Baustein vor allem auch zu mehr Wertschätzung für unsere Beschäftigten führen. Ich fordere Sie also auf, gerne ein bisschen mehr Sport zu machen, und danke für Ihre Aufmerksamkeit. Viele Dank, Herr Kollege Meyer. - Als Nächstes hat sich zu Wort
