Martina Machulla
Kulturelle Bildung und Teilhabe fördern - jungen Menschen kostenfreien Zugang zu den staatlichen Museen gewähren!
Etwas dass wir den Antrag gestellt haben und nicht Sie auf die Idee gekommen sind? Im Ausschuss hat uns die Landesregierung erläutert, dass die Eintrittspreise für Kinder und Jugendliche häufig nur zwischen 1,50 Euro und 4,00 Euro lägen und daher bezahlbar seien. Das klingt zunächst tatsächlich nach sehr wenig, berücksichtigt aber nicht, dass Familien auch mehr als ein Kind haben können. Es berücksichtigt insbesondere auch nicht, dass viele Familien eher bildungsfern sind und gar kein Geld für Museen ausgeben würden, schon gar nicht, wenn es auf einen Versuch ankäme, zu sagen: Okay, wir gehen da mal rein und gucken. Dafür gibt man dann das Geld nicht aus, insbesondere wenn es knapp ist und die Gefahr besteht, dass man einer halben Stunde eigentlich schon wieder draußen sein möchte. Wir dürfen unsere Politik an dieser Stelle, gerade weil es um Bildung geht, nicht an denjenigen Familien orientieren, für die Museumsbesuche selbstverständlich sind. Wir müssen berücksichtigen, dass gerade die anderen Familien erreicht werden sollen. Gerade auch Familien mit mehreren Kindern sollen im Rahmen eines Familienausflugs vielleicht einfach einmal das Risiko eingehen, ein Museum zu besuchen. Insoweit bin ich wirklich extrem ratlos, was Ihre Haltung angeht. Wie kann ausgerechnet eine Regierungsfraktion, die sonst ständig von Chancengleichheit spricht, vom Zugang unabhängig von Elternhaus und Einkommen, einen solchen Antrag ablehnen? Spielt das hier plötzlich alles überhaupt keine Rolle mehr? Ich finde das seltsam. Herr Politze, Ihr Fraktionsvorsitzender, hat heute Morgen ausgeführt, er wolle keine Bezugsscheine für die, die es sich nicht leisten könnten. Ja, bitte! Sie haben die Chance, hier zuzustimmen, und dann kann jeder es sich leisten. Hier wäre jetzt tatsächlich einmal der Beweis zu führen, dass Sie Teilhabe nicht nur als ein Schlagwort verwenden, mit dem Sie ein bestimmtes Klientel an sich ziehen wollen, sondern tatsächlich umsetzen wollen. Hier könnte man das schöne Wort Teilhabe leben, und dann könnte es praktische Konsequenzen haben. Sie stehen also vor einer winzig kleinen Hürde in Bezug auf den Gesamthaushalt und können zustimmen - oder es lassen. Dabei ist aber auch noch ein anderer Aspekt zu berücksichtigen: die Bildung in jungen Jahren. Viele Menschen gehen als Erwachsene ins Museum, weil sie früh damit in Berührung gekommen sind, durch einen Museumsbesuch als Kind, mit der Eltern, mit der Schule, mit Freunden. Kulturelles Interesse entsteht in der Regel nicht plötzlich im Erwachsenenalter, sondern viel früher. Deshalb ist dieser Zugang auch eine Investition in die Besucherinnen und Besucher von morgen. Außerdem ist freier Zugang nichts Besonderes. Niedersachsen kennt das Prinzip des freien Zugangs im Grundsatz schon. Kinder bis zu sechs Jahren haben vielerorts ohnehin freien Eintritt. Auch für Schulklassen gibt es Ausnahmen. In das Museum Friedland kommen Kinder und Jugendliche ohnehin schon kostenlos rein. Wir diskutieren hier also nicht etwa über einen kulturpolitischen Tabubruch. Wir diskutieren darüber, über bestehende Zugänge konsequent erweitert werden sollen. Das will diese Regierung offensichtlich nicht. Dabei zeigt der Blick über Niedersachsen hinaus: Andere Bundesländer sind längst weiter, wie so oft im kulturpolitischen Bereich. Berlin ermöglicht freien Eintritt für unter 18-Jährige in staatlichen Museen. In Bayern gibt es vergleichbare Regeln. Schleswig-Holstein verfolgt ähnliche Ansätze. Niedersachsen würde also nichts Revolutionäres tun. Niedersachsen würde schlicht aufholen und in diesem Punkt endlich den Status quo erreichen, den andere schon längst haben. Auch die uns vorgehaltenen Einnahmeverluste für die Museen sind kein Ablehnungsgrund. Im Antrag steht, dass diese ausgeglichen werden sollen, und zwar zu 100 %. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Museen sind keine beliebigen Freizeitangebote. Sie vermitteln Geschichte, sie erklären Zusammenhänge, sie bewahren kulturelles Erbe. Gerade junge Menschen brauchen solche Orte, gerade in dieser Zeit. Deshalb geht es heute am Ende nicht um Eintrittspreise und, ehrlich gesagt, auch nicht um 225 000 Euro. Es geht um Glaubwürdigkeit. Denn wenn selbst ein finanzierbarer Schritt zu mehr kultureller Teilhabe nicht möglich sein soll, dann muss man irgendwann fragen: Was bleibt von diesem Begriff tatsächlich übrig? Vielen Dank.
