Marie Kollenrott
Potenzial von Speichern und Sektorenkopplung bei der Energiewende ausschöpfen
Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen! Menschen fällt ja beim Schlagwort „Energiespeicher" alles Mögliche ein - oder auch einfach mal nichts, weil das eine scheinbar abstrakte Debatte über ein technisches Thema ist. Am präsentesten sind da noch die Autobatterien in E‑Autos, über die auch gerne kontrovers diskutiert wird. Ich persönlich bin Fan von Energietechnik, und das allein war schon ein Grund, den Ministerpräsidenten der leider gerade rausgegangen ist zu wählen. Er ist da nämlich ebenfalls „Partner in Crime", ebenso wie Minister Meyer. Zurück zur Sache: Das Thema Speicher ist ein unglaublich wichtiges Puzzlestück für die Energiewende. Im Produzieren von erneuerbarer Energie sind wir ganz weit vorn - oder, wie unser Umweltminister Christian Meyer gerne sagt: Der Turbo ist gezündet; Niedersachsen ist Energieland Nummer eins. Das heißt für uns: Hindernisse anpacken, smarte und systemische Lösungen etablieren. Unsere Standortvorteile und Chancen, die mit der Energiewende einhergehen, sind eben keine Selbstläufer. Sie müssen gesichert und weiterentwickelt werden - strategisch clever und mit Weitsicht. Deutschlandweit wurden in den letzten Jahren viele Heimspeicher installiert. Bei den Gewerbespeichern haben wir den höchsten Zubau erlebt unter der Ampel. Großspeicher wurden ans Netz gebracht. Es ging voran. Bei uns in Niedersachsen geht es nun auch weiterhin voran, und das ist gut so. Speicher sind Notwendigkeit und Chance, und wir brauchen Speicherzubau für die Energiewende. Wir haben aber auch in der Hand, wie viele wir brauchen werden. Auch das ist eine wichtige Erkenntnis, wenn wir beispielsweise an die begrenzten Kapazitäten von Pumpspeicherkraftwerken in Niedersachsen denken oder auch an die Begrenztheit von großen Kavernenspeichern, wo zukünftig Wasserstoff statt Öl und Gas gespeichert werden soll. Wenn wir Sonne und Windkraft in den Blick nehmen und besser aufeinander abgestimmt ausbauen, brauchen wir weniger Speicher. Solar bringt insbesondere im Sommer Leistung, Windkraft powert auch im Winter. Wenn wir das Netz schneller ausbauen was ja gerade passiert, können wir den Strom besser transportieren, und es sinkt der Bedarf, zu speichern. Wenn wir das Stromnetz intelligenter ausbauen und den Strom besser verteilen Sie erinnern sich vielleicht an unseren Smart-Grids-Antrag, den wir letztes Jahr eingebracht haben, sinkt der Bedarf, zu speichern. Wenn wir Wasserstoff ausbauen, sinkt der Bedarf, zu speichern. Wir schaffen ein Energiesystem, in dem eben auch Speicher effizient arbeiten können. Wir sind auf dem richtigen Weg. Das zeigen auch die Zahlen aus dem Energiewendebericht 2024. Wir verzeichnen erneut Rekordzahlen, mit denen wir rechnerisch den Strombedarf in Niedersachsen aus Erneuerbaren decken können. Logischer nächster Schritt ist die intelligentere Steuerung unseres Energiesystems durch mehr Speicher und die gezielte Verknüpfung der Energiewende mit anderen Sektoren wie Wärme, Verkehr, Wirtschaft. Was wollen wir konkret erreichen? Erstens: Grüne Wasserstoffwirtschaft voranbringen - für Versorgungssicherheit und die Transformation unserer Industrie, insbesondere des Mittelstands. Zweitens: Wärmeversorgung dekarbonisieren - durch Sektorenkopplung, Kapazitätsausbau und den Anschluss an klimafreundliche Netze. Drittens: Alle nachhaltigen Effizienzpotenziale heben - über Strom, Wasserstoff und Wärme hinweg, sektorenübergreifend und systematisch. Wie ich schon sagte: Speicher machen erneuerbare Energien flexibel und steuerbar; sie entlasten die Netze, ermöglichen eine stabile Versorgung und werden bei zu erwartenden Strommehrbedarfen essenziell für das Gelingen der Energiewende. Zusammengedacht mit der Kopplung von Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie wird ein Schuh daraus. Mit diesem Antrag legen wir die Grundlage dafür, vorhandene Potenziale zu nutzen - im Schulterschluss mit Umsetzungsakteuren wie unseren Kommunen und Unternehmen. Wird beispielsweise ein Anschluss an ein Wärmenetz clever geplant, kann eine Rückverstromungsanlage gleichzeitig Wärme bereitstellen - und so volkswirtschaftliche Effizienz und Versorgungssicherheit miteinander verbinden. Liebe KollegInnen, wir von Rot-Grün gehen in Niedersachsen sehr schnell voran. Gehen Sie gerne mit! Ich freue mich auf die Diskussion im Ausschuss. Vielen Dank.
