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Jonas Pohlmann

CDU 19.06.2024 6:09 min Tagungsabschnitte 19/17

Volle Energie für Niedersachsen - Smart Grids als sinnvolle Unterstützung zum Netzausbau fördern

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Udo Lindenberg hat mal was sehr Schlaues gesungen: „nützt ja alles nix Einer muss den Job ja machen bitte keine halben Sachen“ Sorry für die schlechte Parodie! Aber Spaß beiseite! Das gilt auch für unsere Energiewende. Denn der ganze Zubau an installierter Leistung nützt alles nix, wenn keiner den Job macht, parallel unsere Übertragungs- und Verteilnetze auszubauen und zu optimieren. Das ist jetzt keine bahnbrechend neue Erkenntnis, aber damit die Energiewende keine halbe Sache ist, ist genau das entscheidend. Ich habe mich manchmal gewundert, dass sich mancher auch hier für Taskforces oder den Ausbau der Erneuerbaren gefeiert hat, wir aber die Themen Netze, Anforderungen an Infrastruktur, Ausbaunotwendigkeiten und vor allem auch Kosten, die dahinterstehen, eher stiefmütterlich diskutiert haben. Aber das müssen wir diskutieren; denn hier gibt es ganz neue Anforderungen. Strom wird zunehmend wechselhafter ins Netz eingespeist, dezentral von Anlagenbetreibern, Unternehmen, Haushalten, gerade im Bereich der Mittel- und Niederspannung, da, wo das Herz der Energiewende schlägt, wo aber auch das Verbraucherverhalten komplexer wird. Das heißt, wir brauchen Schläue ‑ wenn es das Wort gibt ‑, Intelligenz, Netzintelligenz - nicht nur schlaue Leute, sondern auch ein smartes Netz. Das wiederum heißt konkret: Wir brauchen Smart Meter: intelligente Messsysteme, die nicht nur messen, sondern auch erkennen können, wenn Spannung abfällt, und unseren Netzbetreibern wichtige Daten liefern, damit wir Stromerzeugung, Netzbelastung und Verbrauch im Gleichgewicht halten können. Entscheidend für uns ist die Frage: Wie bringen wir die Smart Meter möglichst schnell ins Land? Lassen Sie uns da ruhig auch gemeinsam ins Detail gehen, denn wir schlagen mit unserem Antrag ganz konkrete Beschleuniger vor: erstens, die Netzbetreiber bei der Kostentragungspflicht zu entlasten, damit sie finanzielle Vorleistungen beim Rollout der Smart Meter refinanzieren können, zweitens, die Messstellenbetreiber mit Projektförderungen zum Datenaustausch von Energiemengen und für regelmäßige Updates zu unterstützen, und drittens, die Cybersicherheit zu stärken, und zwar mit klaren Schutzprofilen, damit nicht nur die Smart Meter gesichert arbeiten können, sondern auch die Kommunikation zwischen den Geräten gesichert abläuft. Der letzte Punkt betrifft einen Erfolgsfaktor, den ich gerne herausgreifen möchte. Da geht es nämlich um Akzeptanz und Vertrauen. Ich glaube, wir tun gut daran, einen Schwerpunkt darauf zu setzen, die Leute vor Ort zu informieren und mitzunehmen. Mein Bruder speist gerade in seinem Haus kräftig per Photovoltaik ein, hat eine Wärmepumpe als flexiblen Verbraucher und weiß, wann es besonders günstig ist, Strom zu verbrauchen. Oma dagegen ‑ Kollege Willeke hat ja auch auf Oma verwiesen; das mache ich auch ‑ versteht das nicht so ganz und fragt eher: Smart Meter? Dynamische Stromtarife? Min Jung, was ist das? Was soll das? Oder: Ist das gefährlich? - Ich finde, das kann man ihr nicht verdenken. Ich will damit nur sagen: Lasst uns die Menschen nicht überfahren! Neue Technologie in die Haushalte und Unternehmen zu bringen, aber die Menschen dabei auch mitzunehmen - den Spagat sollten wir, den müssen wir hinbekommen. Dabei hilft es natürlich, wenn wir starke Partner vor Ort haben - Netzbetreiber, kommunale Unternehmen, auch neue Player wie ElectroFleet in Osnabrück, die ich vor einiger Zeit kennenlernen durfte, die als modernes Start-up dezentrale Erzeugungsanlagen bauen, mit einem virtuellen Kraftwerk vernetzen und in der Lage sind, Kunden mit 100 % grüner Energie zu versorgen. Grüße nach Osnabrück an der Stelle! Dabei hilft es auch, wenn wir den Menschen nicht nur etwas Abstraktes sagen können, wie: Du kannst jetzt mit deinem Smart Meter zur Netzstabilität beitragen! - Das verfängt vielleicht nicht so. Besser ist es, glaube ich, wenn wir sowohl sagen können: „Die Smart-Meter-Betriebskosten sind und bleiben bezahlbar“, als auch: „Du kannst vor allem bares Geld sparen, wenn du deinen Strom in besonders günstigen Phasen mit viel Stromproduktion aus erneuerbaren Energien verbrauchst“. Und, wichtig: Die Technologie ist sicher. Cybersicherheit, Datensicherheit, Schutzprofile sind uns wichtig. Wir haben für diesen Antrag einige Gespräche mit Netzbetreibern geführt - Sie hoffentlich auch; davon gehe ich aus. Dabei ist eines wieder klargeworden: Es ist eine Unterstützung der Energiewende, das Netz smarter, schlauer zu machen, eine Entlastung des Netzausbaus - genau wie Speicher, E-Auto-Batterien, die nicht nur speichern, sondern Strom auch wieder abgeben. Der Wirtschaftsminister würde sagen: Es ist nur ein Baustein auf dem Weg zum Ziel, auf dem Weg zur Wirtschaftlichkeit eines klimaneutralen Netzes, als Teil einer Systemplanung, die ganzheitlich für Strom, für Wärme und für Mobilität funktioniert. Will sagen: Das Ausrollen der Smart Meter und ein Netz, das immer intelligenter wird, machen uns nicht davon frei, die Netzinfrastruktur schneller voranzubringen. Auch da gilt: mit Akzeptanz und Vertrauen. Und Sie können sich schon freuen, liebe Kolleginnen und Kollegen: Unser Antrag dazu kommt ganz schnell auch in den Ausschuss. Bei diesem Thema ist es vielleicht gar nicht schlecht, dass wir zeitgleich mit unseren Anträgen um die Ecke kommen. Denn wenn wir unseren Antrag etwas früher eingebracht hätten, hätten Sie wahrscheinlich gesagt: „Läuft alles schon! Unnötig! Taskforce! Turbo! Alles Weltklasse!“, so wie meistens, wenn es um Anträge der Opposition geht. Aber jetzt ‑ das will ich am Ende sagen ‑ können wir mal ins gleiche Horn stoßen, uns auf die Beratungen im Ausschuss freuen, vielleicht sogar einen gemeinsamen Antrag daraus machen und den Menschen draußen zeigen, dass es uns um die Sache geht. In dem Sinne: Let’s Netz! Besten Dank.

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