Alfred Dannenberg
"Zukunftsprogramm Diversifizierung" Wege aus der Krise in der Schweinehaltung: Höfe erhalten - neue Betriebszweige erschließen
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! „Zukunftsprogramm Diversifizierung“. Welches sind denn nun konkret die alternativen Betriebszweige, die die Schweinehaltung ersetzen sollen? Im Ursprungsantrag wurde Putenhaltung genannt. Wegen der Geflügelpest ist das aber auch ganz schön riskant. Zwischenzeitlich schlug die grüne Agrarministerin noch vor, man könne in den ehemaligen Ställen doch Hanfpflanzen gedeihen lassen. Ich lasse das jetzt einfach mal wirken auf Sie. Wer auch nur halbwegs vom Fach ist, der weiß, was er davon zu halten hat. Jedenfalls: In der jetzt zur Abstimmung vorliegenden Endfassung des Antrages sind keine konkreten Alternativen genannt. Nun, der Moment der Wahrheit ist die Expertenanhörung im Ausschuss, also dann, wenn der Gegenstand eines Antrages dem Urteil von Praktikern unterzogen wird. Aus der Anhörung habe ich besonders die Worte des Experten der Landwirtschaftskammer mitgenommen: Hofladen, Vermietung von Lagerräumen, Eventscheune, Wohnungen, Kita, Büros, Musikschule, betreutes Wohnen, medizinische Praxis, Sägewerk oder gar Abenteuerspielplatz. Das meiste ist aktuell nicht umsetzen. Es gibt Hürden im Baurecht und im Emissionsrecht. Meist sind in diesen Sparten die Karten auch längst gemischt und verteilt. Und überhaupt, wo sollen die ganzen Arbeitskräfte denn herkommen? Vereinzelt mag es Bespiele geben für solche Realisierungen, aber es bleiben Nischenlösungen. Viele, die diversifizieren konnten, haben es längst gemacht. Ich bin gespannt auf die konkrete inhaltliche Ausgestaltung dieses Programmes. Es mag wenigen Betrieben ein wenig bringen. Daher stimmen wir nicht dagegen, sondern enthalten uns. Allerdings eine andere Expertin, Sauenhalterin, machte in der Anhörung klar: Landwirtsfamilien erleiden durch die Schweinehaltung zum Teil jährliche Verluste im Hunderttausender Bereich. Das wäre die Messlatte für das Volumen für die Wirkmächtigkeit eines Zukunftsprogrammes Diversifizierung für diese Familien. Insofern kann der vorliegende Antrag wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. An dem großen Übel mit billigen Agrarimporten zu niedrigen Standards oder daran, dass wir in der ASP-Sache auch noch nicht weiterkommen ‑ es gibt viele Hemmnisse ‑, ändert das alles nichts. Wann kommt das echte Zukunftsprogramm für unsere heimische Landwirtschaft, werte Landesregierung? Die nächste Wortmeldung kommt aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
