Alfred Dannenberg
Für ein gutes Zusammenleben von Menschen, Weidetieren und Wölfen: Ein effektives Wolfsmanagement umsetzen
Die Emotionen haben sich gelegt. Bitteschön! Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Vier Anträge zum Wolf, gebündelt zu einem Tagesordnungspunkt, kurz vor Sitzungsende, leere Pressetribüne und nur wenig Beratungszeit vorgesehen. Zum Glück gibt es die Redezeitenumverteilung; denn mit solch einem schlanken Fuß möchte ich die Landesregierung nicht in den Feierabend entlassen. Haben Sie die Geschichte von Charlie gehört? - Charlie ist nicht mehr! Charlie war ein Springpferd aus der Gemeinde Langlingen in Celle bis vor drei Wochen. Drei Wölfe haben den kerngesunden Wallach abends auf seiner Weide gejagt. Die Besitzerin rannte raus und versuchte, schreiend die Wölfe zu vertreiben. Die jagten dem Pferd aber weiter hinterher und hetzten es in einen Zaun. Der Draht durchschnitt Charlies Sehnen im Bein bis auf die Knochen. Schwer verletzt konnte er sich noch in seine Box retten - die Wölfe hinterher bis vor den Stall. Erst als die Besitzerin dort das Licht einschaltete, verschwanden die Wölfe. Charlie ist in seinem Stall zusammengebrochen und qualvoll verblutet. Da ist er! ‑ Nanu, keine Zurufe von Rot-Grün? Wo bleiben die denn? Möchten Sie nicht äußern, dass die Pferdehalterin schuld war? Oder vielleicht Charlie selbst? Oder dass das ein bedauerlicher Einzelfall war? War es aber nicht. Ich zeige Ihnen noch etwas. Das hier sind die ganzen anderen Dramen. Das ist die Rissliste des Landes Niedersachsen. Aktueller Stand: 4 728 getötete, 1 096 verletzte und 444 vermisste Weidetiere. Charlie steht da übrigens nicht drin. Er wurde ja nur zu Tode gehetzt. Kein klassischer Wolfsriss Sie verstehen. Meine Damen und Herren, der Wolf verliert zunehmend seine Scheu und attackiert immer öfter Großtiere. Er bedroht die Weidetierhaltung und beeinträchtigt das Sicherheitsempfinden der Menschen vor Ort. Das ist ein enormes Problem im ländlichen Raum. Wer das negiert oder kleinredet, der hat entweder nichts vom Thema verstanden oder ist komplett empathielos oder durchideologisiert bis zum Wirklichkeitsverlust oder sogar alles drei auf einmal. Natürlich turnt der Wolf nicht auf dem Balkon der Stadtwohnung im vierten Stock herum, und er rennt auch nicht durch die grün durchtränkten Rotweinviertel in der Stadt. Die regierungstragenden Fraktionen lehnen alle Oppositionsanträge, das Wolfsproblem endlich entschlossen anzugehen, ab. Und die CDU, die ja sogar Opposition zu der anderen Opposition spielen muss, lehnt hier sogar den AfD-Antrag ab. Einen sachlichen Grund habe ich dafür bis heute übrigens nicht gehört. Aber das müssen Sie mit sich ausmachen, werte Kollegen von der ehemals konservativen CDU. Und Rot-Grün? - Die haben einen eigenen Antrag vorgelegt, fünf Seiten lang. Ihr Antrag ist ein beeindruckendes Dokument für die alte Erkenntnis: Wer etwas möchte, findet Wege, und wer etwas nicht möchte, der findet Gründe. Was Rot-Grün in ihrem Antrag erst alles noch meint, mit wem abstimmen, in Gesprächskreisen besprechen, evaluieren und erforschen zu müssen damit sind Sie frühestens am Sankt-Nimmerleins-Tag fertig. Sie begrüßen Ihren Rohrkrepierer Schnellabschussverfahren. Sie loben Ihren ergebnislosen Gesprächskreis Wolf usw. usf. Wie Sie zu einer akut drängenden Problematik nur so viel begrüßen können, ohne auch mal irgendetwas Konkretes erreicht zu haben, mir wäre das peinlich. Herr Kollege Dannenberg, einen kleinen Augenblick, bitte! - Ich bitte insbesondere aus den Reihen der SPD-Fraktion und der AfD-Fraktion, nicht die Dialoge untereinander noch zu führen. Und Herr Dannenberg redet dann auch noch dazwischen. Das Wort hat jetzt Herr Dannenberg. - Herr Dannenberg, Sie haben das Wort. Der einzige Grund, warum sich meine Fraktion gleich zu dem rot-grünen Antrag enthalten wird, ist, dass er theoretisch eine begrüßenswerte Richtung aufweist, mehr aber auch nicht. An die rot-grüne Regierung: Kommen Sie endlich mal ins Machen! Nicht das Erzählte reicht, sondern das Erreichte zählt da draußen, in der Wirklichkeit. Oder muss erst einem Menschen etwas zustoßen? Die nächste Wortmeldung: aus der Fraktion der SPD der Kollege Christoph Willeke.
