Christian Fühner
Das PISA-Desaster ernst nehmen - unsere Kinder vor rot-grünen Bildungsexperimenten schützen
Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Die neueste Pisa-Studie hat die Realität in unserem Bildungssystem brutal offengelegt. Unsere Bildungslandschaft in Deutschland ist ‑ das müssen wir alle feststellen ‑ in einer alarmierenden Verfassung. Was ich in der gesamten Gesellschaft und in unseren Debatten vermisse, ist ein richtiger Aufschrei, dass man dieses Pisa-Desaster wirklich ernst nimmt und dass sich auch die Gesellschaft fragt: Gehen wir mit unserer Bildungspolitik richtig um? Messen wir unserer Bildung in diesem Land den Stellenwert bei, den sie bräuchte? - Keine Frage, das ist nicht nur in Niedersachsen, sondern in Deutschland insgesamt viel zu wenig. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass in unserer Gesellschaft Bildung einen höheren Stellenwert verdient. Es ist auch Aufgabe dieses Parlaments, deutlich zu machen: In Deutschland wird zu wenig in Bildung investiert und leider auch in Niedersachsen. Natürlich wird man sagen: Es gibt viele andere Themen, die wichtig sind, die angepackt werden müssen. Wir werden nach dieser Debatte auch wieder andere Themen aufrufen. Der politische Alltag geht dann weiter. Jeder wird dann sagen: Pisa ist nicht schön gewesen, aber wir haben so viele Aufgaben zu bewältigen, und wir versuchen, da mit kleinen Schritten irgendwie voranzukommen. Deswegen, Frau Ministerin, müssen wir uns auch in Niedersachsen die Frage stellen: Wie gehen wir mit diesen Ergebnissen um, und welche Schlüsse ziehen wir aus diesen Ergebnissen? - Deswegen müssen wir hier in Niedersachsen ebenfalls die Notbremse ziehen und nicht einfach so weitermachen wie bisher, sondern uns wirklich die Ergebnisse anschauen und überlegen, wie wir es hinkriegen, dass die Kurve wieder nach oben geht. Deswegen glaube ich, dass Sie, Frau Ministerin, mit den Experimenten, die da jetzt kommen sollen ‑ so nach und nach sickert das jetzt so durch ‑, nämlich zu einer Vereinheitlichung der Lehrerbildung, zu einer Stärkung des Gesamtschulsystems, zur Zusammenlegung von Fächern zu kommen und ‑ das ist der Gipfel ‑ auch noch die Noten abzuschaffen, also mit dieser Politik, die Sie da vorhaben, nicht weitermachen können, sondern dass das gestoppt werden muss. Wir müssen aus diesem Pisa-Desaster lernen: Leistungsorientierung gehört zur Bildung dazu. Sie versuchen, das aus den Schulen herauszudrängen. Deswegen möchte ich zwei Punkte nennen, die jetzt wichtig sind und auf die es jetzt ankommt. Das Herzstück von Bildung ist guter Unterricht. Auch hier gibt uns Pisa wichtige Hinweise. Wer sich in seiner Klasse und in seiner Schule wohlfühlt, wer Unterstützung und Hilfe von guten Lehrkräften bekommt, der hat bessere Ergebnisse im gesamten Durchschnitt. Deswegen muss es Ihre Mission sein, Frau Ministerin, guten Unterricht herzustellen: erstens Unterricht, der stattfindet ‑ das ist die größte Baustelle ‑, zweitens Unterricht, der teamorientiert ist, und drittens den Ausbau von multiprofessionellen Teams voranzutreiben. Leider legen Sie da jetzt mit dem nächsten Haushalt eine Pause ein. Unterricht, der sich an Verbesserung von Leistung und Kompetenzen, den Grundkompetenzen orientiert ‑ Lesen, Rechnen Schreiben ‑, das muss Priorität in der Grundschule haben, wenn wir bessere Werte auch bei der nächsten Pisa-Studie erzielen wollen. Frau Ministerin, das zweite Thema, das ich ansprechen möchte, ist die Sprachförderung. Ich will hier ein Ergebnis aus Pisa zitieren: Etwa 63 % der zugewanderten Schüler gaben an, dass sie zu Hause meist kein Deutsch sprechen. 63 %! Und wir wundern uns, dass die Leistung beim Lesen und Schreiben schlechter wird. Deswegen muss sich da auch gesellschaftlich etwas ändern, dass die deutsche Sprache auch in unserer Gesellschaft einen erhöhten Stellenwert bekommt. Und wir müssen unsere Kitas und Grundschulen auf diese miserablen Werte einstellen. Deswegen sage ich in aller Deutlichkeit: Wir brauchen verpflichtenden Kita-Besuch für alle Fünfjährigen mit eingeschränkten Deutschkenntnissen. Wir brauchen verpflichtende Sprachtests auch in dieser Altersklasse. Wenn dann dabei Bedarfe festgestellt werden, dann brauchen wir intensivere Förderungsmöglichkeiten und eine intensivere Sprachförderung vor der Einschulung in die Grundschule. Wer kein vernünftiges Deutsch sprechen kann, der hat in der 1. Klasse der Grundschule nichts verloren, der braucht vorher erst einmal eine intensive Sprachförderung, weil er sonst untergeht. Deswegen, Frau Kultusministerin, im Sinne der Sache und weil uns das wirklich ernst ist und uns umtreibt ‑ ich sage Ihnen das, weil mir das wirklich große Sorgen macht ‑, möchte ich, dass wir diese Ergebnisse jetzt aufarbeiten und dass wir im neuen Jahr im Alltag nicht einfach so weitermachen wie bisher, sondern dass wir uns sehr intensiv damit befassen, auch Änderungen herbeiführen und Schwerpunkte setzen. Ich habe die Sprache angesprochen. Frau Ministerin, unser Angebot ist also, gemeinsam ein niedersächsisches Bildungssystem aufzubauen, das den Herausforderungen unserer heutigen Zeit und auch den Lehren aus dem Pisa-Desaster gerecht wird. Die Zukunft unseres Landes ‑ ich will das in aller Deutlichkeit sagen ‑, unserer Industrienation, die Zukunft unseres Wohlstandes hängt davon ab, ob wir jetzt irgendwann mal die Kurve kriegen oder ob wir einfach so weitermachen und beim nächsten Pisa-Desaster wieder sagen: Wir haben es ja kommen sehen, aber wir werden dieser Sache nicht Herr! Es ist jetzt an der Zeit zu handeln. So kann es nicht weitergehen!
