Philipp Meyn
Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen ausbauen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die großen Fragen sind ja: Was möchte ich werden? Was kann ich gut? Wozu habe ich Lust? Dieses Thema „Was möchte ich werden?“ spielt in den Familien eine große Rolle, aber natürlich auch in der Schule. Die Schule muss da unterstützen. Insofern ist die Intention Ihres Antrags sehr richtig. Sie sind ja gespannt wie ein Flitzebogen. Wollen wir mal gucken, wie wir damit umgehen. Aber die Intention, das an den allgemeinbildenden Schulen noch weiter zu stärken, ist richtig. Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir spüren das ja. Wenn wir im Wahlkreis unterwegs sind, dann sind wir in Runden mit der Handwerkerschaft, mit Vertretern der Unternehmen. Da wird immer gesagt: Mensch, berufliche Orientierung! Da muss doch mehr kommen! - Ich habe dazu gesagt: Ich habe ein bisschen den Vorteil, dass ich seit 2010 Lehrer bin und seitdem auch das Praktikum begleite. Früher, also 2010, war es wirklich schwer für die Jugendlichen, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Das hat sich mittlerweile geändert. Man sieht, die Unternehmen, die Institutionen gehen unheimlich auf die Schulen zu, weil sie natürlich merken, dass auch sie etwas tun müssen. Aber es ist immer noch so. Ich war in einer interessanten Runde. Wir kamen von der Leuphana eingeladen zusammen. Dort wurde wieder gesagt, da müsse mehr kommen. Daraufhin sagte ich: Lieber Herr Unternehmer soundso ‑- das ist ein ganz erfolgreiches Unternehmen ‑, ich weiß seit einigen Jahren, dass Schülerinnen und Schüler gerne bei Ihnen ein Praktikum machen möchten. - Darauf wurde geantwortet: Das bindet aber zu viel Zeit. Insofern haben wir mit der IHK zusammen überlegt, was man da machen kann, und sind zu einem spannenden Projekt gekommen. Daraufhin hat er gesagt: „Diese Technikfeindlichkeit muss enden!“ - Da sind wir alle einer Meinung; denn sonst schaffen wir die ganzen Vorhaben nicht, die wir uns auch hier im Landtag vorgenommen haben. ‑ „Wir wollen in die Schulen gehen und in den Schulen wöchentlich Informatikunterricht zusätzlich anbieten und so auch Verbindungen zwischen Unternehmen und Schulen herstellen!“ Das sind regionale Lösungen, die man da finden muss. Ich glaube, das sind ganz erfolgversprechende Ansätze, die man unbedingt weiterverfolgen muss. Jetzt zu Ihrem Antrag: Darin stehen viele gute Dinge. Den Punkt 3 müssen wir uns allerdings einmal angucken; denn es geht auch ein bisschen um die Qualität. Das ist ein regelungswütiger Punkt. Sie sprechen von einer Pflicht, im ersten Halbjahr der 9. Jahrgangsstufe einen wöchentlichen Berufsorientierungstag an den regionalen berufsbildenden Schulen durchzuführen, und im zweiten Halbjahr soll ein Pflichtpraktikum für den gesamten 9. Jahrgang stattfinden. Hinzu kommt ‑ Herr Fühner wollte ja wissen, wie das an Gymnasien ist ‑: Momentan haben wir die Pflicht, mindestens zehn Praktikumstage im 11. Jahrgang durchzuführen. Da sieht ein Praktiker: Das wird nicht funktionieren und beißt sich auch mit unserem wirklich guten Antrag, Freiräume für die Schulen zu schaffen. Darüber werden wir ja auch demnächst im Kultusausschuss diskutieren. Insofern: Dieser Punkt wird nicht funktionieren. Dennoch ist die Grundintention ja richtig. Wir haben das gerade an den Gymnasien durch den Erlass 2018 ausgebaut. Das ist viel wert. Darin wurden nämlich 25 Praxistage vorgegeben. Das ist wirklich wertvoll. Das Problem an den Gymnasien sind allerdings die Jahrgangsstufen 8 und 9. Bei einigen Schülerinnen und Schüler wäre es vielleicht besser, einen anderen Weg zu gehen. Da macht die Schule recht wenig. Insofern ist die Intention dahinter wichtig, in dem Bereich mehr zu machen. An meiner Schule haben wir dann gemeinsam mit der IHK, den IHK-Ausbildungslotsen einen Tag der Ausbildung durchgeführt. Das war unheimlich erfolgreich, wenn junge Auszubildende von ihrer Tätigkeit berichten. Auch für die Auszubildenden war das ein starkes Empowerment. Die standen vor der Klasse und haben das großartig gemacht, eigentlich sogar einen Tick besser als die Lehrerinnen und Lehrer, die ansonsten dort stehen. Da müssen frische Impulse kommen. Das klappt wunderbar. Das mit dem Pflichtpraktikum wird nicht klappen. Wir strecken aber tatsächlich die Hand aus. Deshalb ist auch mal ein Lob angebracht. Unter Punkt 9 schreiben Sie: „Den Themen aus den Fächern Werken, Technik, Informatik & Wirtschaft im Rahmen des Ganztagangebotes an den allgemeinbildenden Schulen mehr Raum zu geben und dazu praxisnahe Anwendungsmöglichkeiten zu entwickeln“ Genau das ist der richtige Weg. Die Frage ist allerdings, wie wir das gemeinsam begleiten werden. Das wird unsere Aufgabe im Ausschuss sein. Das kann man nämlich nicht zentralistisch von Hannover aus vorgeben. Ich komme noch einmal zu meinem schönen Beispiel von der IHK. Dort treffen wir uns mit IHK-Vertretern und auch Teilnehmern der Schule. Das kostet Zeit. Diese Stunde BO, die jetzt ausgelaufen ist ‑ davon habe ich auch lange profitiert ‑, wird für die ganze Koordination benötigt. Allerdings war es mit diesem Erlass immer ganz klar, dass es eine Anschubstunde ist. Jetzt müssen die Eigenverantwortlichen Schulen schauen, wie sie diese Tätigkeit der Lehrerinnen und Lehrer honorieren, die für die Koordination mit dem Berufsberater der BA, mit den Unternehmen etc. zuständig sind. Da haben die Schulen durchaus Spielraum. Ich hoffe, das ist jetzt auch zum Ausdruck gekommen. Sie spüren es: Wir haben große Lust, da mitzuarbeiten. Wir werden nicht Hand in Hand in den Sonnenuntergang gehen, aber wir werden uns durchaus freitags um 10.30 Uhr die Hände schütteln und an dieser Thematik gemeinsam arbeiten. Ich finde, was Frau Nzume gesagt hat, ist doch eine großartige Einladung nach Oldenburg. Die nehmen wir auch wahr, um dieses Thema noch weiter voranzubringen. Besten Dank.
