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Swantje Schendel

GRÜNE 23.03.2023 4:02 min Tagungsabschnitte 19/6

Einsamkeit und soziale Isolation als gesamtgesellschaftliche Aufgabe anerkennen und Lösungskonzepte sowie Präventionskonzepte erarbeiten!

Einsamkeit - das haben wir heute schon gehört - ist ein Thema, das uns alle angeht. Die meisten Menschen erleben vorübergehende Einsamkeitsgefühle irgendwann einmal in ihrem Leben. Das war bereits vor der Pandemie so, doch 2020 ist das noch einmal mehr in unser aller Bewusstsein gerückt. Vorübergehende Einsamkeit ist dabei aber erst mal eine ganz normale menschliche Erfahrung, während chronische Einsamkeit gravierende negative Konsequenzen für die Gesundheit und auch die Lebenserwartung hat. Daher ist es zunächst einmal richtig und wichtig, dass wir uns auch politisch mit diesem Thema befassen und uns die Frage stellen, wie wir chronischer Einsamkeit vorbeugen können. Mein Kollege Marten Gäde hat bereits beschrieben, welche Maßnahmen von dieser Landesregierung bereits durchgeführt werden, was geplant ist und was wir vorhaben. Neben Senior*innen und jungen Erwachsenen sind insbesondere armutsbetroffene Menschen häufiger von Einsamkeit bedroht - wobei dies, nebenbei bemerkt, auch diejenigen Gruppen sind, die besonders häufig von Armut betroffen sind. Armut ist also einer der zentralen Risikofaktoren für Einsamkeit. In Niedersachsen betrifft das rund 1,3 Millionen Menschen. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist oft nur dann gut möglich, wenn ausreichende Ressourcen vorhanden sind. Von daher ist dieser Zusammenhang gar nicht überraschend. Auch in vielen Orten in Niedersachsen mangelt es an Möglichkeiten, ohne Konsumdruck zusammenzukommen. Menschen in Regionen, in denen es an niedrigschwelligen Freizeitangeboten mangelt, geben daher auch sehr viel häufiger an, unter Einsamkeitsgefühlen zu leiden. Eine inklusive und solidarische Gesellschaft braucht aber Orte des Miteinanders, Orte gegen die Einsamkeit, Orte des gesellschaftlichen Zusammenhalts. (Beifall bei den GRÜNEN und Zustimmung bei der SPD) Genügend Ideen für konsumfreie Orte des Zusammenkommens gibt es. Da ist noch nicht einmal ein Blick auf andere Länder notwendig, in denen z. B. Senior*innen zum Schachspielen im öffentlichen Raum zusammenkommen, wo es zentrale Sitzgelegenheiten und schattige Plätze gibt. Ich bin mir sicher, Sie alle kennen diese Bilder aus anderen Ländern. Orte des Zusammenlebens und des konsumfreien Zusammenkommens gibt es auch in Niedersachsen bereits: Da sind Familien- und Quartierzentren, Sport- und Jugendclubs, aber auch Skateparks, die Stadtteilbibliotheken oder eben auch freie Bewegungsflächen zu nennen. Wenn wir also Einsamkeit in unserer Gesellschaft verringern wollen, dann sollten wir uns vor allem fragen: Investieren wir genügend in diese Orte des Zusammenlebens? Halten wir daran fest, dass Innenstädte Orte des Konsumierens sind, oder nutzen wir leerstehende Räume, um alternative gemeinschaftliche Strukturen zu schaffen? Erhalten wir Jugendzentren, stützen wir nachbarschaftliche Strukturen, Mehrgenerationenhäuser? Investieren wir in Quartiersarbeit und in die soziale Arbeit? All das sind Fragen, die sich die Kommunen in Niedersachsen vor Ort gerade stellen und die wir als Koalition unterstützen. (Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD) Meine Überzeugung ist: Wenn wir Fragen der Teilhabe mehr in den Mittelpunkt unserer Überlegungen stellen und wenn wir daran arbeiten, Hürden für Menschen in der Gesellschaft abzubauen, dann werden wir schon große Schritte in Richtung mehr Gemeinschaft und weniger Einsamkeit gehen. Ich möchte abschließend auch betonen, dass ich es wichtig finde, dass wir hier konstruktiv zusammenarbeiten, und freue mich deshalb sehr auf die Beratung im Ausschuss. Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

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