Karola Margraf
Für jeden eine Perspektive schaffen - Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluss minimieren!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Wenn man Eltern fragt, was sie sich für ihre Kinder wünschen, hört man oft dieselben Antworten: dass sie glücklich sind, dass sie gesund sind und bleiben und dass sie die Schule mit einem Abschluss beenden und einen Beruf finden, der sie erfüllt. Und für die allermeisten ist das auch dank jahrzehntelanger Erfolge der Sozialdemokratie heute Realität. Und doch, für ca. 6 000 Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen bleibt ein Abschluss ein fernes Ziel. Aber und das ist für uns alle die wichtige Nachricht wir haben bereits die Weichen gestellt, das zu ändern. Die Landesregierung hat gehandelt. Die Studienlage, die auch im Antrag der CDU zitiert wird, zeigt zwei Punkte, die zentral sind, wenn wir langfristig mehr Jugendliche mit Abschluss aus der Schule entlassen wollen: Inklusion und Sprache. Inklusion, das heißt eben nicht nur, dass Kinder mit Förderbedarf räumlich im selben Gebäude sind wie ihre Klassenkameradinnen und ‑kameraden, sondern dass sie tatsächlich gemeinsam lernen - mit ausreichend Personal, mit multiprofessionellen Teams und in Förderstrukturen, die den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden. Die Landesregierung hat hier in den vergangenen Jahren wichtige Weichen gestellt: mit dem weiteren Ausbau von inklusiven Schulen, zusätzlichen Stellen für Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, mehr Schulsozialarbeit und multiprofessionellen Teams sowie der gezielten Förderung für besonders geforderte Schulen. Noch nie gab es so viele Stellen für Schulsozialarbeit wie jetzt; 540 zusätzliche Stellen allein in 2025. Der von Ministerin Julia Willie Hamburg eingeführte Sozialindex hilft, Schulen mit besonderen Herausforderungen gezielt zu unterstützen. Wichtig ist, dass die Unterstützung nicht erst einsetzt, wenn der Schulabbruch droht, sondern von Anfang an Teil des Unterrichtsalltags ist. Wo Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsam lernen, gute Doppelbesetzung möglich ist und Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen nicht nur durchreisen, steigen die Chancen auf einen regulären Abschluss deutlich. Das ist nicht nur pädagogisch richtig, sondern auch eine Frage der Gerechtigkeit. Wir wollen keine nebeneinander verlaufenden Bildungswege erster und zweiter Klasse, sondern ein Schulsystem, das allen Kindern, unabhängig von ihrer Beeinträchtigung, Chancen auf einen Abschluss eröffnet. Der zweite Schlüssel ist Sprachkompetenz, die früh, verbindlich und durchgängig gefördert werden muss. Wer Texte nicht sicher lesen und verstehen kann, hat es überall schwer - ganz gleich, ob in Mathematik, Geschichte oder Deutsch. Diese Probleme sind häufig stiller Motor für schlechte Noten, Frustration, Schulabbrüche und weitere jahrelange Stigmatisierung. Deshalb setzt das Land genau hier an. Dazu gehören der Ausbau durchgängiger Sprachbildung von der Kita bis zur Sekundarstufe und zusätzliche Ressourcen für Deutsch als Zweit- und Bildungssprache. Dazu kommen Programme zur Stärkung der Grundbildung und verschiedene Diagnoseinstrumente, denn so können Schulen frühzeitig Sprach- und Lesestände erfassen. Ein tolles Beispiel dafür ist das Projekt „Leseband - Lasst uns lesen!" in Südniedersachsen. Hier werden täglich fest im Stundenplan verankerte Lesezeiten mit wissenschaftlich evaluierten Lautleseverfahren kombiniert. Besonders die leistungsschwächsten Leserinnen und Leser profitieren davon. Nach nur sechs Monaten sind alle Schülerinnen und Schüler im Normalbereich der Lesekompetenz. Wir wollen, dass Kinder früh und gut Deutsch lesen, schreiben und sprechen können. Und wir wollen, dass Kinder mit Förderbedarf nicht aussortiert, sondern unterstützt werden. So legen wir den Grundstein für weniger Schulabbrecher und für gute Schulbiografien. Wir brauchen eine nachhaltige Veränderung des Lernalltags, keine kurzatmigen Strohfeuerprogramme. Jeder junge Mensch, der die Schule ohne Abschluss verlässt, ist einer zu viel. Darum haben wir uns auf den richtigen Weg gemacht, das zu ändern - wissenschaftlich fundiert und mit regional erfolgreichen Programmen wie dem Göttinger „Leseband". Ihr Antrag, liebe CDU, ist bestimmt gut gemeint. Aber er ist überflüssig, denn unsere Programme sichern langfristig die Perspektiven für jeden Jugendlichen. Lassen Sie uns die laufenden Erfolge weiter ausbauen und jungen Menschen weiter helfen, ihre Talente und Fähigkeiten zu fördern! Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
