Alfred Dannenberg
Dem Auftreten von klimabedingten Pflanzenkrankheiten angemessen begegnen - Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade entwickeln
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Kartoffeln, Zuckerrüben und einer Reihe weiterer Anbaupflanzen macht die sogenannte Schilf-Glasflügelzikade ich kann es auch aussprechen sehr zu schaffen, weil sie zwei bakterielle Erreger transportiert: Stolbur und Arsenophonus. Das Ergebnis sind gummiartige Pflanzen, die nur noch eingeschränkt bzw. gar nicht mehr für die Weiterverarbeitung geeignet sind - Stichwort „Gummirübe"; wir haben es schon gehört. Während die Problematik im südlichen Teil Deutschlands schon weit vorangeschritten ist, sickert sie nach Niedersachsen nun auch ein. Die Weiterverbreitung beträgt rund 30 km pro Jahr. Bei den Unterrichtungen und Expertenanhörungen im Ausschuss ergab sich die Erkenntnis: Der Zikade wirksam entgegenzutreten, ist derzeit kaum möglich. Natürliche Gegenspieler gibt es nicht. Pflanzenbauliche Strategien wie zum Beispiel eine möglichst späte Sommerung oder eine fehlende Winterung also Schwarzbrache können es den Zikaden schwer machen. Letzteres ginge aber mit anderen Nachteilen einher, wie zum Beispiel Nährstoffauswaschung, Erosion und weniger Wasserhaltevermögen auf dem Acker. Mehrere Experten stellten heraus, dass die Abdeckung der Äcker mit Netzen hilfreich war, aber auch nicht vollumfänglich wirksam. Wunderbar wäre es, wenn es gelänge, gegen die von den Zikaden übertragenen Bakterien resistente oder tolerante Pflanzen zu züchten. Aber das ist zurzeit noch ein frommer Wunsch, wie wir erfuhren. Es besteht also erheblicher Forschungsbedarf, den der vorliegende Antrag der Regierungsfraktionen herausstellt und den meine Fraktion ebenfalls sieht. Deswegen werden wir von der AfD gleich auch nicht gegen diesen Antrag stimmen. Wir werden allerdings auch nicht für den vorliegenden rot-grünen Antrag stimmen, und zwar aus folgendem Grund: Es wird zu sehr beiseitegeschoben, dass es im Bereich der Insektizide bereits wirksame Mittel gegen die Zikaden gibt. Das sind die Neonicotinoide. Ich weiß, das ist ein umstrittenes Feld. Schrittweise sind bestimmte dieser Wirkstoffe EU-weit verboten worden - Stichwort „Bienengefährlichkeit". Das alles ist nicht von der Hand zu weisen. Für 2019 kam ein komplettes Freilandverbot, aber just seitdem hat die Zikade in Deutschland begonnen sich auszubreiten. Ich gebe ja nur das wieder, was ein erfahrener Ackerbauexperte in der Ausschussanhörung dargelegt hat. Durch eine umsichtige Wahl von Tageszeit und Entwicklungsstadium der Pflanze zum Zeitpunkt der Ausbringung des Pflanzenschutzmittels kann die Bienengefährlichkeit aber deutlich reduziert werden. Es gab auch den Hinweis, dass Beizen mit Neonicotinoiden hochwirksam sind. Der Punkt ist: Der Zuckerrüben- und Kartoffelanbau hat hier in Niedersachsen eine enorme Bedeutung. Wer ihn erhalten und unsere Ernährung sicherstellen möchte, wird um den chemischen Pflanzenschutz nicht umhinkommen. Dass Notfallzulassungen bevorstehen, stellte auch die Landwirtschaftskammer heraus - damit wir überhaupt erst mal vor die Welle kommen. Um diesen wichtigen und realistischen Baustein drücken sich die Regierungsfraktionen aber leider in ihrem Antrag - daher von unserer AfD-Fraktion in der Gesamtabwägung eine Enthaltung. Danke sehr. Vielen Dank, Herr Kollege Dannenberg.
