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Christian Schroeder

GRÜNE 09.11.2023 4:13 min Tagungsabschnitte 19/11

Direktvermarktung und regionale Wertschöpfung stärken - zukunftsfähige Landwirtschaft für Niedersachsen

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Schon vor fünf Jahren saß ich in meiner Funktion als Vorstandsmitglied eines Regionalmarketingvereins bei der geschätzten Kollegin und damaligen Ministerin Otte-Kinast und habe für Unterstützung für unsere Projekte im Direktvermarkter-Bereich geworben. Entstanden ist unser Verein aus dem Projekt „Paula“, welches ihr Vorgänger, Herr Meyer, schon auf den Weg gebracht hat. Wir haben mit begrenzten Mitteln vieles auf den Weg gebracht, eine eigene Marke entwickelt und schließlich sogar einen digitalen Marktplatz an den Start gebracht. Ich kenne also die Unwägbarkeiten, die Probleme und weiß nur zu gut, wovon ich hier rede. Und das sind Probleme, definitiv. Das war nicht einfach, und noch lange wird es so sein, dass wir nicht vernünftig damit arbeiten können, weil es noch viel zu tun gibt. Werte Kolleginnen und Kollegen, um den von den Vorrednern geschilderten Herausforderungen und Problemen in der Branche zu begegnen, müssen wir die Direktvermarktung und die regionale Wertschöpfung in der Landwirtschaft und in den handwerklichen Betrieben vorantreiben. Ich glaube, da sind wir alle grundsätzlich einer Meinung. Die Möglichkeit für Verbraucherinnen und Verbraucher, ihre Lebensmittel direkt bei den Erzeugerinnen und Erzeugern zu kaufen, bietet zahlreiche Vorteile. Frau Logemann hat es geschildert ‑ das ist natürlich absolut richtig ‑: Sie ermöglicht eine direkte Qualitätskontrolle vom Ort, sie vermeidet Verpackungsmüll, sie fördert die Wertschätzung von Lebensmitteln und stärkt die Produzentinnen und Produzenten vor Ort. Sie eröffnet die Chance, unabhängiger von nationalen und internationalen Märkten zu sein. Und sie sichert die Grundversorgung vor Ort. Aus meiner Sicht kommt noch ein wichtiger Punkt hinzu: Sie steigert die Identifikation mit der Region. Der Wohlfühlfaktor ist nicht zu unterschätzen. Herr Moorkamp, Sie haben grundsätzlich recht: B2C, Verkauf an die Endkunden, reicht natürlich nicht aus. Es ist viel zu wenig Absatzmarkt vorhanden, als dass man damit vernünftig eine weitere Einnahmequelle generieren kann. Aber: Wenn der B2C-Bereich nicht reicht, muss man nicht nur die Endkunden, sondern auch die Großen ins Auge nehmen. Um nennenswerten und lohnenden Umsatz zu generieren, brauchen wir starke Abnehmer*innen. Kommunen mit ihren Kitas, Schulen oder Altenheime sowie Krankenhäuser werden in Zukunft hoffentlich eine große Rolle spielen. Wir müssen also auch an die Gemeinschaftsverpflegung heran, und da reichen der Hofladen und der Automat eben nicht aus. Wir müssen die Produkte wirklich an den Kunden bringen. Ich selber habe einen gastronomischen Betrieb und habe selber bei meinem Onlineshop eingekauft. Für den Schlachter um die Ecke ist es einfach, die Produkte zu bringen, wenn genug Bestellumfang da ist. Aber sicherlich fährt der Bauer um die Ecke nicht für den Sack Kartoffeln zu meiner Küche. Das ist völlig nachvollziehbar. Deshalb müssen wir auch an die Strukturen heran, wie diese Produkte transportiert werden. Durch die Förderung von Erzeugungszusammenschlüssen und regionalen Verteilstellen wird die Vermarktung der Produkte effizienter. Eine Lieferlogistik wird nicht im Alleingang, sondern nur im Verbund ökonomischer und ökologischer. Nur dann funktioniert das Ganze auch. Auch eine Portalbetreuung eines digitalen Marktplatzes, wie wir ihn führen, wird mit Sicherheit nicht im Klein-Klein funktionieren, sondern bedarf einer professionellen Betreuung. Dieser Aufwand muss finanziert werden. Geschultes Personal will bezahlt werden. Dafür benötigen die Direktvermarkter ihren Umsatz. Dafür brauchen sie Gewinnmargen auf ihre Produkte. Alles das können sie aber nur erreichen, wenn wir die Vertriebsstrukturen haben. Sie sehen schon: Wir drehen uns hier im Kreis. Und diesen Kreis müssen wir durchbrechen. Der vorliegende Antrag bietet Chancen und damit auch die Chance, die Bevölkerung mit hochwertigen, regionalen und frischen Lebensmitteln direkt zu versorgen. Das ist ein weiterer Baustein ‑ ein Baustein, das ist der Punkt ‑, der die Landwirtschaft in Niedersachsen weiter sichert, zukunftsfähiger, nachhaltiger und resilienter machen wird. Davon bin ich überzeugt. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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