Julia Willie Hamburg
Für jeden eine Perspektive schaffen - Anteil der Jugendlichen ohne Schulabschluss minimieren!
Frau Hamburg, bitte! Sie haben das Wort. Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass jeder junge Mensch, der die Schule ohne Abschluss verlässt, einer zu viel ist und dass die steigende Zahl junger Menschen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, die in den letzten Jahren bundesweit gestiegen ist, für uns nicht hinnehmbar ist. Doch das haben auch Sie, Herr Reinken, schon sehr deutlich gemacht sind die Ursachen dafür, dass Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen, vielfältig. Sicherlich hat auch die Corona-Pandemie einiges dazu beigetragen, dass es gerade deutlich mehr Schülerinnen und Schüler gibt, die in der Schule nicht so Fuß gefasst haben, wie wir uns alle das gewünscht hätten. Gerade weil die Gründe so multikausal sind, ist der Umgang damit schwierig, denn es gibt nicht die eine Antwort. Sie haben zu Recht einige Beispiele von vor Ort genannt, die wir sehr begrüßen, die aber auch deutlich zeigen, dass solche Konzepte immer gemeinsam mit dem Jugendhilfeträger, mit der Kommune vor Ort, aber auch mit der Agentur für Arbeit umgesetzt werden müssen. Schon meine Vorgänger haben sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt, und auch seitdem ich Ministerin bin, ist es unser großes Ziel, eine nachhaltige Senkung der Schulabbrecherquote voranzutreiben. Insofern finde ich es sehr gut, zu hören, dass es auch in diesem Haus sehr breit getragen wird, dass wir als Land Niedersachsen wieder ins Bildungsmonitoring einsteigen. Denn es ist meines Erachtens ganz unabdingbar, um eine gute Schulentwicklung auch im Sinne der einzelnen Schülerinnen und Schüler und ihrer individuellen Förderung voranzubringen, Lernstandserhebungen vorzunehmen. Gleichzeitig, Herr Reinken, haben wir im Gesetz durchaus angelegt, dass wir die Bildungs-ID und den Datenaustausch mit der Agentur für Arbeit und damit auch den Jugendberufsagenturen forcieren und vorantreiben wollen. Ich kann Sie insofern beruhigen: Das wird in Niedersachsen kommen. Dazu habe ich mich verpflichtet, und wir werden die nötigen Vorkehrungen treffen. Ich würde mir sogar wünschen, dass wir noch darüber hinausgehen und auch ein Bildungsregister in Niedersachsen einführen, das Schulverläufe quantifizierbar und nachvollziehbar macht, um Erfahrungen zu sammeln, Konsequenzen ziehen zu können und dafür zu sorgen, dass kein Schüler verloren geht. Das muss unser Anspruch sein. Darüber hinaus geben wir den Schulen ganz gezielt mehr Zeit zum Fördern, Fordern und Stärken - gerade auch zur Stärkung der Basiskompetenzen in den Bereichen Lesen, Schreiben und Rechnen. Über diese sichere Basis haben wir hier schon häufig geredet. Aber auch Programme wie „Lesen macht stark" oder auch „Mathe macht stark" und die zahlreichen damit einhergehenden Fortbildungsangebote sind geeignet, um diesem Thema besser Rechnung zu tragen. Wie Sie wissen, haben wir auch das Startchancen-Programm auf den Weg gebracht, das nicht nur das Ziel hat, die Erreichung der Mindeststandards zu verbessern, sondern auch, die Schulabbrecherquote erfolgreich zu reduzieren. Und wir sprechen uns gemeinsam dafür aus, einen Sozialindex zur Ressourcensteuerung einzuführen; Herr Reinken, Sie haben Hamburg angesprochen. Das ist etwas, worüber wir parteiübergreifend reden sollten, nämlich darüber, wie man künftig Ressourcen steuert und entsprechende Maßnahmen an dieser Stelle voranbringt. Wir haben in Niedersachsen darüber hinaus derzeit ein Modellprojekt, mit dem wir eine sogenannte erweiterte Ausgangsstufe erproben. Sie wissen, was eine Eingangsstufe ist. Wir versuchen hiermit, Schülerinnen und Schülern den Hauptschulabschluss auch dadurch zu ermöglichen, dass sie ein Jahr länger zur Schule gehen und die Schule so wenigstens nicht ohne Abschluss verlassen. Meine Kolleginnen und Kollegen sind auf den Erlass zur Berufsorientierung eingegangen, auf unsere zahlreichen Maßnahmen zur Förderung von Schülerinnen und Schülern insbesondere auch mit einer Migrationsbiografie oder auch Sprachproblemen. Insofern glaube ich, dass wir hier wirklich gut aufgestellt sind und auch gut daran tun, individualisierten Unterricht im Zuge des Freiräume-Prozesses zu ermöglichen. Denn am Ende geht es darum, jede Schülerin und jeden Schüler dazu zu bringen, so hoch zu springen, wie sie oder er es vermag. Auch zahlreiche Maßnahmen im Bereich des Schulabsentismus haben wir in den letzten Jahren auf den Weg gebracht. Denn in der Tat bekommen wir Schülerinnen und Schüler, die der Schule entweichen, irgendwann nicht mehr auf den Weg zu ihrem Abschluss zurück. Daher gehört auch hierauf ein Augenmerk. Insofern freue ich mich, dass auch Sie diesen breiten Ansatz teilen, Herr Reinken, glaube aber trotzdem, dass es Ihren Antrag an dieser Stelle nicht braucht. Ich kann Ihnen sagen: Das Thema ist bei uns in guten Händen. Wir engagieren uns stark, und ich freue mich, dass wir über einige Zukunftsthemen miteinander, auch parteiübergreifend, im Gespräch sein können. Herzlichen Dank.
