Alfred Dannenberg
Vogelgrippe: Großställe in der Krise - Prävention und Resilienz verbessern
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Auf geht's in die zweite Runde zum Thema Vogelgrippe! Die Grünen haben sie unter die Überschrift gestellt: „Großställe in der Krise". Erwartungsgemäß haben Sie ordentlich gegen die Geflügelställe unserer niedersächsischen Tierhalter vom Leder gezogen. Eine kleine Frage gleich zu Beginn: Wenn Sie sagen: „Großställe in der Krise" - sind die kleinen Ställe denn nicht gefährdet? Und was ist mit den Vögeln im Zoo, mit den Legehennen eines Hobbyhalters? Und überhaupt: Ab wie vielen Tieren definieren Sie denn eigentlich einen Großstall? Und ist ein Stall mit einem Tier weniger, der nach Ihrer Definition dann nicht mehr als Großstall gilt, per se besser gewappnet gegen die Vogelgrippe? Ist der dann nicht in der Krise? Ich frage für einen Freund. Es ist nicht überraschend, dass die Grünen große Stallhaltungen alleinig verantwortlich machen wollen. Wir haben es ja gerade wieder gehört. Und natürlich, da konnte man es auch wieder heraushören: die massive Kritik in Richtung dieser Ställe - vielleicht sogar die Forderung nach der Abschaffung dieser Ställe? Jedoch, selbst wenn alle Ställe abgeschafft wären: Das Virus wird noch da sein. Und abgesehen davon: Wenn wir hier die Tierhaltung abschaffen, dann sind die Ställe ja nicht weg. Die stehen bloß woanders - wahrscheinlich gleich hinter der Landesgrenze. Und gibt es da keine Vogelgrippe? Wird dort so gut kontrolliert wie hier? Entsprechen die dortigen Hygienestandards den unsrigen? Wie sind dort die Tierschutzstandards? Ist das Fleisch, das von dorther dann zu uns importiert wird, von gleicher Qualität? Also, macht es Sinn in puncto Geflügelfleisch letzten Endes hier noch mehr Selbstversorgungsgrad zu opfern? Ich frag' ja nur. Nächster Aspekt: Es lohnt sich zu betrachten, wo das Virus eigentlich herkommt und wie es seine Pathogenität entwickelt; das war eben schon Gegenstand der Diskussion. Das Reservoir für das Virus sind die Wildvogelbestände, nicht die Ställe. Das Virus gelangt stets von außen in den Stall. Im Stall selbst ist, wenn die Vorschriften eingehalten werden das setze ich jetzt mal voraus, alles pico bello. Ein großer Stall bedeutet nämlich nicht, dass die Tiere dort automatisch alle krank seien - um das hier noch mal ganz deutlich zu betonen. Vielmehr ist es doch so: Die Tiere kommen beim Aufstallen gesund im Stall an, der Stall wird hygienisch bewirtschaftet und regelmäßig kontrolliert. Entstehen kann das Virus dort überhaupt nicht. Es wird von außen eingeschleppt. Das kann über die Lüftung sein, das Futter, über das Wasser, Anhaftungen an der Kleidung der Personen, die den Stall betreten, oder was auch immer. Der einzige Wermutstropfen, der nun mal mit der Stallhaltung einhergeht, wenn sich eine Reihe von Tieren fortwährend in dichter Gesellschaft befindet, ist das Risiko, dass ein Virus im Stall von Wirt zu Wirt zirkuliert und dabei eventuell zur Hochpathogenität mutiert und sofort auch sehr viele Tiere befallen könnte. Am Ende stünde dann das Keulen des gesamten Bestandes. - Ja, das ist das Risiko. Aber besteht dieses Risiko in der freien Natur nicht genauso? Wenn sich zum Beispiel die Gänse oder die Kraniche für ihre Flüge sammeln, jetzt im Herbst, kann das Virus da etwa nicht von Wirt zu Wirt springen und mutieren? Aber allein der Stall soll schuld sein? So, so. Und überhaupt: Was soll denn die Conclusio für die Praxis sein? Etwa alle größeren Ställe dichtmachen und stattdessen viele kleinere Stalleinheiten errichten? Ganz abgesehen von der mangelnden Wirtschaftlichkeit kleinerer Einheiten. Wie klein sollen die Ställe denn sein, um Mutationen des Vogelgrippevirus im Stall ausschließen zu können? Das sollte derjenige, der gegen Großställe Stimmung macht, sagen können, finde ich. Oder sollen einfach alle Ställe hier komplett dichtgemacht werden und soll gar kein Geflügelfleisch in Deutschland mehr produziert werden? Ist das vielleicht doch der heimliche Wunsch der grünen Seele? Denken Sie dran: Wenn Sie hier den letzten Stall kaputtgeredet haben, wird das Geflügelfleisch vom Ausland hierher importiert. Damit wäre dann auch nichts erreicht. Nein, meine Damen und Herren, wir müssen da durch. Eine Lösung kann nur hier bei uns und nach vorne heraus gestaltet werden. In meinem ersten Redebeitrag zur Debatte hatte ich es bereits herausgestellt: Wir müssen jetzt endlich ins Impfen kommen. Ein Impfstoff gegen die Vogelgrippe steht bereit. Es bedarf nur eines klaren Signals aus der Politik. Außerdem rege ich an, die mittlerweile überbordenden Wildgansbestände zu reduzieren. Damit wären schon zwei wichtige Schritte getan, der Avian Influenza beizukommen. Danke sehr. Vielen Dank. - Als Nächstes hat das Wort: die Kollegin Logemann von der SPD. Bitteschön!
