Julia Willie Hamburg
Streitfall BFS Dual - Ministerin verspielt weiter Vertrauen und Rückhalt
Julia Willie Hamburg. Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich finde es gut, dass wir das Thema heute diskutieren; denn in der Tat gibt es in der Öffentlichkeit viele Fragezeichen. Auch eine solche Aktuelle Stunde hilft dabei, hierzu mehr Klarheit zu schaffen. Ich finde auch wunderbar, dass wir erst einmal feststellen können, dass im Haus die großartige Arbeit der Berufsfachschulen sehr wertgeschätzt wird; denn die Kolleginnen und Kollegen in diesen Schulformen leisten eine großartige Arbeit, und ich finde es gut, dass wir diese heute im Parlament würdigen. Ich möchte auch würdigen, dass sich hier in Niedersachsen so viele BBSen auf diesen Weg begeben haben, engagiert an einem Innovationsvorhaben mitzuwirken, ohne zu wissen, wie sie am Ende aussehen wird, und Arbeit in etwas zu investieren, von dem wir alle wussten, dass sich etwas verändern muss, aber eigentlich noch nicht so genau wussten, welcher Weg der richtige ist. Insofern möchte ich mich hier bei allen Schulen und allen Kolleginnen und Kollegen ganz herzlich für diesen Einsatz in diesem Innovationsvorhaben bedanken. Das hat Schule wirklich an vielen Stellen besser gemacht. Insofern ist es mir auch wichtig, deutlich zu machen: Wir stellen BFS dual nicht ein! Es wird derzeit überall öffentlich gesagt, dieses Modell würde gestoppt. Das ist nicht der Fall, sondern wir entwickeln es weiter und stellen es gerade mit Blick darauf, es auf alle Schulen zu überführen, auf noch stabilere Grundlagen. Wir tun das auch vor dem Hintergrund von Rückmeldungen aus den Schulen selbst. Herr Fühner, wir beide haben mehrfach am Rande des Plenums Gespräche mit Schulleitungen geführt, die große Bedenken und Sorgen hatten. Genau auf diese Sorgen gehen wir an der Stelle ein. Wir bewahren aber gleichzeitig Bewährtes, denn auch da sind wir uns, glaube ich, einig, dass gerade die Elemente des Coachings für diese Schülergruppe, für diese Auszubildendengruppe von besonderem Wert sind. Insofern war der Ausgangspunkt für dieses Innovationsvorhaben das Bündnis Duale Berufsausbildung, bei dem wirklich alle Praktikerinnen und Praktiker des Ausbildungsbereichs zusammensitzen und gesagt haben: Die BFS muss sich verändern, weil sie vor Ort unterschiedlich funktioniert und zum Teil auch wirklich nicht gut funktioniert, weil nur wenige Schülerinnen und Schüler in eine Ausbildung gemündet sind. Insofern hat das Innovationsvorhaben 2022 begonnen. Da haben Sie noch mitregiert, und man hat entschieden: Wir wollen einen neuen Weg probieren, ausgehend von einem vorangegangenen Innovationsvorhaben. In der Tat, wir haben viele Rückmeldungen bekommen, wo wir BFS dual verbessern müssen, weil sie in einigen Bereichen vorher funktioniert hat, aber eben nicht für alle funktioniert. Das ist durchaus herausfordernd und komplex. In dem Zusammenhang haben wir den Schulleitungen bereits im September angekündigt, dass wir BFS dual vor diesem Hintergrund weiterentwickeln werden. Kritikpunkte waren vor allem die Fragen: Wie funktioniert der Ressourceneinsatz? Spricht ein solches Angebot leistungsstarke Schüler noch an? Es gab die Rückmeldung, dass die Anerkennung als erstes Lehrjahr bei vielen Kammern auch darüber, Herr Fühner, haben wir gesprochen nicht wirklich gut funktioniert und dass die Vergleichbarkeit zwischen den Schulen nicht vollumfänglich gegeben ist. Auch wurde gesagt, dass das Coaching super ist, aber bei den Ressourcen nicht zulasten anderer Bildungsgänge gehen darf - ein Anliegen, das wir, glaube ich, alle unterstützen. Daran haben wir in den letzten Monaten wirklich sehr intensiv und sehr ernsthaft gearbeitet, immer mit dem Blick: Wie können wir das Gute bewahren und die Dinge, die nicht funktionieren, so gegen den Strich bürsten, dass sie für die Schulen gängig werden? Parallel haben wir im Sinne der Verstetigung der BFS dual noch einmal intensiv mit der KMK korrespondiert, um sicherzustellen, dass, wenn wir die BFS dual ins Schulgesetz überführen, KMK-Konformität gemäß den Rahmenvereinbarungen gewährleistet ist. Die KMK hat uns die Rückmeldung gegeben, dass wir einige Dinge an der BFS dual verändern müssen, wenn wir sie verstetigen und auf schulrechtliche Grundlagen stellen wollen, weil sie sonst der KMK-Konformität nicht genug Rechnung trägt. Das, Herr Fühner, ist übrigens der Grund, warum wir so kurzfristig Anpassungen vornehmen müssen. Wenn wir das schwarz auf weiß haben, dann können wir das nicht ignorieren, sondern müssen handeln. Ich bedaure sehr, dass wir den Schulen das nur so kurzfristig mitteilen konnten; wir haben die Information nun einmal erst im Januar erhalten. Und ich bedaure natürlich auch die Mehrarbeit, die den Schulen dadurch entsteht. Ich bin den Schulen sehr dankbar dafür, dass sie jetzt schon sehr intensiv daran arbeiten und mit Eltern sowie Schülerinnen und Schülern korrespondieren. Ich möchte betonen, dass wir natürlich den Wunsch der Schulen aufnehmen und jetzt Briefe an die Eltern, an die Unternehmen und an die Schülerinnen und Schüler formulieren werden, damit den Schulen Mustervorlagen zur Verfügung stehen. Das ist selbstverständlich in Arbeit. Herr Fühner, in einem Punkt muss ich Ihnen widersprechen: Ich habe diesen Brief an einem Dienstag oder Mittwoch geschickt; nageln Sie mich nicht fest. Schon am Freitag fand die erste Dienstbesprechung statt, und ab morgen finden regionale Dienstbesprechungen statt. Das heißt, wir begleiten die Schulen sehr zeitnah und eng. Wir haben ihnen sämtliche Informationen zur Verfügung gestellt. Natürlich ist das jetzt eine Herausforderung, aber wir tun alles dafür, die Schulen dabei zu unterstützen und wirklich intensiv zu begleiten. Ich will auch betonen: Nicht alle Schülerinnen und Schüler sind von diesen Änderungen betroffen. Betroffen sind diejenigen Schülerinnen und Schüler, die einen Hauptschulabschluss haben und einen Realschulabschluss machen wollen. Diese können den weiterhin machen, müssen aber in der Folge die BFS-Klasse 2 besuchen. Schon wäre es gewesen, wenn es anders gegangen wäre, aber das geht jetzt halt nicht. Das Gleiche gilt für die Realschüler, die jetzt nicht in den sogenannten F‑Strang gehen, sondern in die FOS-Klasse 11. Übrigens haben sich das viele Schulen unter praktischen Gesichtspunkten von uns gewünscht, weil sie mit der FOS-Klasse 11 leistungsstarke Schülerinnen und Schüler adressieren, die sie dringend für ihre Durchmischung brauchen. Insofern tragen wir an dieser Stelle dem Feedback der Schulen Rechnung. Und die Wege bleiben offen. Das ist mir wichtig zu betonen. Insofern möchte ich sagen: Wir verbessern die BFS dual. Dabei erhalten wir gerade im Sinne des Bündnisses Duale Berufsausbildung die Dinge, die uns wichtig waren. Wir hatten damals hohe Ambitionen und müssen sagen: Vielleicht sind wir an einigen Stellen zu weit gesprungen. An diesen Stellen nehmen wir jetzt Anpassungen vor. Es gehört, ehrlich gesagt, ein Stück weit zum Wesen eines Innovationsvorhabens, dass man irgendwann gucken muss, ob man noch richtig unterwegs ist oder nachsteuern muss. Wenn Dinge nicht erfolgversprechend sind, ist das für alle Beteiligten frustrierend; das verstehe ich. Aber wenn wir nichts probieren, können wir am Ende nicht gewinnen und besser werden. Insofern glaube ich: Es ist gut, hier jetzt einen Strich zu ziehen und die BFS dual zu konsolidieren, um sie gut weiterführen zu können, im Sinne der Schülerinnen und Schüler und der Schulen vor Ort. Herzlichen Dank.
