Alfred Dannenberg
Ein aktives Wolfsmanagement in Niedersachsen - für die Weidetierhaltung, den Deichschutz und die Sicherheit der Menschen im ländlichen Raum
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Seit Start der rot-grünen Regierung in Niedersachsen, vor knapp drei Jahren, sind hier bei uns 2 500 Weidetiere vom Wolf gerissen und 800 verletzt worden. In der Gesamtbilanz seit 2008 marschieren wir gerissene, verletzte und verschollene Weidetiere addiert auf die 10 000 zu. In Panik auf Straßen und Bahngleise gelaufene Schafe, der in den Zaun gehetzte Wallach Charlie, der dann in seiner Stallbox verblutet ist, das Pony der Familie von der Leyen und so weiter. So viel Leid bei den Weidetieren, so viel Leid bei den Tierhaltern! Wölfe, die in Siedlungen auftauchen, plötzlich vor spielenden Kindern stehen oder sich mit einem Fahrradfahrer ein Rennen liefern - alles dokumentiert. Die Sorge, dass möglicherweise noch Schlimmeres passiert, können nur noch Ideologen oder komplett Naive zurückweisen. Denn die Anzahl der Wölfe ist hoch: offiziell in Niedersachsen über 500, Insider sprechen eher von 1 000. So oder so: die die höchste Wolfsdichte der Welt. Irre, oder? Wie viele sollen es denn noch werden? Dass die grüne Ministerin sich jüngst gegen eine Wolfsobergrenze ausgesprochen hat, ist unverantwortlich. In den letzten drei Jahren gab es hier im Niedersächsischen Landtag rund um den Wolf neun Entschließungsanträge, drei Aktuelle Stunden, drei Dringliche Anfragen, zwei Anfragen zur Fragestunde und rund 80 schriftliche Anfragen. Viel Papier, Debatten, Appelle der Opposition, Ankündigungen der Regierung! Und: Ist die Entnahme der Wölfe in Gang gekommen? Nein! Herr Kollege Dannenberg, ich muss Sie einmal unterbrechen, denn es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage: des Kollegen Schröder. Möchten Sie dem entsprechen? Nein, möchte ich nicht. Ich möchte gerne weiter ausführen. Dann fahren Sie bitte fort! Es gab eine großspurige Regierungserklärung vor zwei Jahren: Jetzt käme das Schnellabschlussverfahren für übergriffige Wölfe. Ein kompletter Rohrkrepierer! Es gab dieses Bonmot „Chefsache Wolf". Und als ich nach einem Jahr den damaligen Ministerpräsidenten Weil gefragt habe, was daraus geworden ist, hieß es: Das Wort „Chefsache" habe er nie in den Mund genommen. Aber sich über ein Jahr lang im Lichte dieser Zuschreibung sonnen und es laufen lassen - das konnte der SPD-Regierungschef. Was es sonst noch so gab? Ein fragwürdiges Wolfsbüro und ein weitgehend ergebnisloses Dialogforum „Weidetierhaltung und Wolf". Jetzt kommt's: Ein Besendern von Wölfen, das so bahnbrechende Ergebnisse geliefert hat wie: Die Wölfe halten sich überwiegend im Wald auf. - Ach was! Hinzu kommen in der Praxis immer wieder Probleme bei der Umsetzung des Herdenschutzes. Nur ein Beispiel: Bei der Anschaffung von Zaunbaumaterial müssen Weidetierhalter mit knapp 50 % in Vorleistung gehen. Das kann sich gar nicht jeder leisten, meine Damen und Herren! Rot-Grün steht in Sachen Wolf de facto voll auf der Bremse. Jedoch: Ein aktives Wolfsmanagement ist überfällig. Es bedarf klar definierter Wolfsbestandsobergrenzen, einer regulären Jagdzeit und natürlich auch des Schutzes der ausführenden Personen. Alle Forderungen aus diesem CDU-Antrag sind richtig und wichtig. Aber, werte Kollegen der CDU, glauben Sie allen Ernstes, dass Sie mit Links-Grün in Sachen Wolfsmanagement irgendwas erreichen können? Ich frage vor allem, weil ja auch das Bundesnaturschutzgesetz angepasst werden soll. Dazu brauchen Sie den Bundesumweltminister, und der ist Überraschung! von der SPD. Zieht der mit? Und wenn nicht, macht der CDU-Kanzler von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch? Oder wedelt da am Ende mal wieder der Schwanz mit dem Hund, und die CDU lässt sich auch in diesem Politikfeld von der SPD am Nasenring durch die Manege ziehen? Wir werden es erleben. Und wenn es auch hier mal wieder nichts werden sollte mit konservativer Politik: Suchen Sie sich endlich mal einen anderen Koalitionspartner! Denn: Ein besseres Niedersachsen ist tatsächlich machbar. Vielen Dank.
