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Thordies Hanisch

SPD 09.02.2024 6:08 min Tagungsabschnitte 19/13

Niedersachsen zusammen gegen das Hochwasser - die Folgen der Fluten bewältigen, Konsequenzen für die Zukunft ziehen

Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Das Hochwasser zur Jahreswende war fürchterlich: Keller laufen voll, Felder überfluten, Infrastruktur fällt aus. Das bedeutet Schäden an Haus und Gut, Kosten für Private, Wirtschaft und Staat. Während einer solchen Überschwemmung arbeiten die Betroffenen an Schutzmaßnahmen und fragen sich permanent, ob das Wasser weiter steigt und was sie noch tun können. Da gibt es wenig ruhige Minuten und viel Angst. Für die Betroffenen ist das schrecklich. Aber auf der anderen Seite hat dieses Hochwasser auch vieles verdeutlicht. „There is no glory in prevention.“ - Ich habe versucht, es zu übersetzen, aber das ist nicht so einfach. Vielleicht so: Vorsorge ist als Erfolg schlecht sichtbar. Oder: Es liegt kein Ruhm in der Prävention. - Die Schäden sind sichtbar, die vermiedenen Schäden sieht aber keiner. An dieser Stelle ist es auch unsere Aufgabe, das Unsichtbare sichtbar zu machen. Ohne die Daten, die umfangreich erhoben werden, ohne die Werte zu Pegelständen, ohne die Bürokratisierung und ohne die Bindung von Fachkräften, die beobachten, berechnen, auswerten und vernetzen, ohne das Management, das dadurch ‑ auch bei der frühzeitigen Steuerung der Talsperren ‑ möglich wurde, hätten wir dieses Hochwasser nicht so gut bewältigt. Ohne die vorhandenen Überschwemmungsflächen, die Polder, die Deiche, die von Behörden und Verwaltungen auf der Grundlage von Daten und Berechnungen ausgewiesen, geplant und umgesetzt werden, hätten wir andere Probleme gehabt. Ohne das Geld, das wir ‑ auch das ist nur mit einer gewissen Bürokratie möglich ‑ zielgerichtet in den Katastrophenschutz, für Pumpen, Fahrzeuge, Schläuche und Ausrüstung stecken, ohne die Pläne, Abläufe, Konzepte und Strukturen hätte es ganz andere Schäden gegeben. Klar ist und bleibt: Ohne die Menschen in unseren Behörden, im NLWKN, bei den Talsperren, bei der Polizei, die in dieser Zeit rund um die Uhr gearbeitet haben, um vorzuwarnen oder Talsperren zu managen und für Sicherheit zu sorgen, ohne die Menschen in Kommunen, die sich unkompliziert unterstützten, wenn das Wasser in der Nachbarschaft auftauchte und Sandsäcke fehlten, ohne die Menschen im Ehrenamt, von den Feuerwehren und von den Hilfsorganisationen, dem THW und von den Rettungsdiensten, und ohne die fast unzählbaren spontanen Freiwilligen, die geräumt, Säcke gefüllt, gekocht, versorgt und unterstützt haben, wo sie konnten, ohne die Chefs und Chefinnen, die diese Leute unterstützt haben, sie unkompliziert freigestellt oder sie sogar ermutigt haben zu helfen - ohne all diese Menschen hätte alles andere überhaupt nichts genutzt. Dann hätte dieses Hochwasser für viele Betroffene ein ganz anderes Ende genommen, und die Schäden wären bedeutend höher ausgefallen. Eine solche Lage bewältigt keine Partei, keine Behörde, kein Helfer und kein Bürger allein. Dies ist nur möglich, wenn alle an einem Strang ziehen. Das ist geschehen, und das ist der Grund, warum dieses Land so großartig ist. Allen Menschen, die einen Teil zu diesem Wert beigetragen haben, vielen Dank. Zwei Dinge sind sicher: Wir als Gesellschaft werden auch zukünftig in solchen Situationen auf einander angewiesen sein, und wir werden zukünftig immer mehr solcher Situationen erleben. Die Temperatur der durchschnittlichen Tageshöchstwerte im Sommer ist schon jetzt über 2 Grad höher als in den 60er-Jahren. Wir haben schon wieder Wetterrekorde gebrochen ‑ der wärmste Sommer, der niederschlagsreichste Dezember seit den Aufzeichnungen in Niedersachsen ‑, und wir werden weiter Wetterrekorde brechen. - Ich lasse es noch kurz wirken. - Qualitative Wortäußerung! Wir werden nicht jeden vor allem beschützen oder jeden Schaden ausgleichen können. Aber die Menschen in der Politik, die Abgeordneten, die Minister und Ministerinnen, der Ministerpräsident, die Mitarbeiter in Behörden und Verwaltungen werden weiterhin alles geben, um den Schutz so hoch wie möglich zu halten. Das tun wir auch mit dem vorliegenden Antrag. Wir brauchen mehr Hilfsmittel für den Katastrophenschutz, für den Hochwasserschutz, mehr Flächen, die überflutet werden können, wir brauchen Wasser in Trockenzeiten für unsere Lebensmittel, wir brauchen Möglichkeiten, private und wirtschaftliche Schäden zu versichern. Aber vor allem brauchen wir weiterhin die Menschen, die beruflich, ehrenamtlich oder privat mit anpacken, eine Stärkung der Behörden, der Ehrenamtlichen und eine Erleichterung der Freistellung von Freiwilligen. Wir werden nicht mehr dafür sorgen können, die Anzahl der Extremwetterereignisse zu verringern. Der Zug ist abgefahren; die Temperatur steigt, und sie steigt weiter, so lange wir zu viele Klimagase ausstoßen. Aber wir werden alles tun, was wir gemeinsam tun können, damit dieser Zug nicht schneller wird und wir mit den Folgen leben können. Ich wünsche mir, dass in 50 Jahren jemand hier steht und den Menschen sagen kann: There ist no glory in prevention. Aber wir haben es geschafft, die Bremse so kräftig zu treten, dass der Zug angehalten hat, und wir haben es geschafft, die Folgen durch Schutz und Anpassung so weit zu minimieren, dass wir hier weiter gut leben können. Das haben wir als Gesellschaft und mit all den großartigen Menschen in diesem Land geschafft. Ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss. Wir können Anträge immer besser machen. Das tun wir in der Regel mit allen Fraktionen und den Experten, die dazu etwas Qualitatives beizutragen haben. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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