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Kirsikka Lansmann

SPD 22.05.2025 9:10 min Tagungsabschnitte 19/25

Handys, Smartphones, Smartwatches - verlässliche Rahmen für die Mediennutzung für Schulen, Eltern, Kinder und Jugendliche erarbeiten

Sehr geehrter Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Spätestens durch die Handyverbote in Hessen und Bremen ist der Umgang mit Smartphones in Schulen in aller Munde, und es wird wild darüber diskutiert wie auch heute hier, wie mit dieser Thematik umzugehen ist. Der Kollege Mennen hat bereits erwähnt, dass sich der Umgang mit Smartphones und Tablets in den letzten Jahren bei Kindern und Jugendlichen zunehmend verändert und auch intensiviert hat. Das sind Entwicklungen, die wir natürlich auch mit Sorge betrachten. Die Realität ist: Unsere Schulen beschäftigen sich schon lange mit dieser Frage. Und auch wir von den regierungstragenden Fraktionen befassen uns mit diesem Thema schon länger - nicht laut, aber konsequent. Wir brauchen keine medial inszenierten Veranstaltungen oder PR-Formate, um gute Bildungspolitik zu machen. Wir arbeiten mit und für die Schulen, liebe Kolleginnen und Kollegen. - Nein. Wir führen ja auch Gespräche. - Genau, wir machen daraus Anträge und müssen sie auch nicht medial aufbauschen. Wo ist denn Ihr Vorschlag? Herr Reinken, Sie sind am Meckern, aber ich sehe nicht, dass irgendwas von Ihnen dazu kam. Also wieder nur heiße Luft! (Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN Sie sagten, Sie hätten den Antrag aufmerksam gelesen. Das stimmt nicht! Es gibt Unterschiede, und diese hängen davon ab, an welcher Stelle das Wort „prüfen" steht. Bei dem Punkt „vorhandene Materialien zu prüfen, weiterzuentwickeln und gebündelt zur Verfügung zu stellen" bezieht sich das „prüfen" nicht darauf, dass wir die Landesregierung auffordern, etwas zu prüfen. Vielmehr müssen Inhalte natürlich erst einmal geprüft werden, um zu dann schauen, was aktualisiert werden muss. Das ist doch ein ganz anderes Prüfen, als wenn wir den Prüfauftrag an den vorderen Satzteil setzen. Daran merkt man: Sie haben unseren Antrag nicht aufmerksam gelesen. Es ist nämlich eine klare Aufforderung. Das ist das, was uns von Ihnen unterscheidet: Wir machen Bildungspolitik nicht fürs Schaufenster, sondern für den Schulalltag, und wir machen sie mit Substanz. Wir werden nicht auf der einen Seite lautstark für mehr Eigenverantwortung der Schulen, für mehr pädagogische Freiräume für passgenaue Lösungen werben und ihnen auf der anderen Seite von oben herab pauschale Handyverbote zu verordnen, die in der Praxis weder funktionieren noch kontrollierbar sind. Das wäre nicht nur inkonsequent, das wäre unglaubwürdig. Natürlich werden wir uns genau anschauen, wie die Prozesse in Hessen und Bremen verlaufen. Wir beobachten, was funktioniert und was eben nicht. Aber wir lassen uns nicht von Symbolpolitik treiben, sondern von dem, was den Schulen wirklich hilft: verlässliche Rahmenbedingungen, konkrete Unterstützung und vor allem Vertrauen in die pädagogische Arbeit vor Ort. Unser Antrag folgt daher einem klaren Prinzip: keine landesweiten Verbote, aber klare Unterstützung für die Schulen. Jede Schule hat ihre eigenen Besonderheiten. Was in einer Grundschule mit sechsjährigen Kindern sinnvoll wäre, kann in einer neunten Klasse völlig anders aussehen. Deshalb sagen wir: Schulen brauchen Handlungsspielräume - aber nicht im luftleeren Raum! Frau Kollegin Lansmann, ich möchte Sie nur ganz kurz unterbrechen, und zwar für den Hinweis, dass die PGFs übereingekommen sind, den Tagesordnungspunkt 29 noch vor der Mittagspause zu behandeln. Ich bitte die Rednerinnen und Redner, sich bereitzuhalten. Bitteschön, Frau Lansmann! Vielen Dank für den Hinweis, Herr Präsident. Daher wollen wir Sie unterstützen: mit rechtlich geprüften und pädagogisch fundierten Musterregelungen, digitalen Informationsangeboten für Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler und mit der Aufforderung, Regelungen gemeinsam zu entwickeln. Eines ist Fakt: Regeln, die gemeinsam erarbeitet werden, werden auch eingehalten. Darum setzen wir auf Partizipation - und das ist kein Modewort, sondern eine pädagogische Grundhaltung. Nur, wenn Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte gemeinsam über Regeln sprechen, werden diese verstanden und respektiert. Die Probleme sind real, und wir nehmen sie ernst. Ja, die intensive Handynutzung kann Kinder überfordern. Das zeigen auch verschiedene Befragungen. In der PISA-Zusatzstudie gaben 39 % der Schülerinnen und Schüler an, dass sie sich durch Smartphones im Unterricht ablenken lassen. Dort, wo es klare Regeln gibt, liegt der Wert deutlich niedriger. Laut dem Deutschen Jugendinstitut überschreiten über 75 % der Kinder zwischen drei und vier Jahren also schon sehr früh die empfohlenen Bildschirmzeiten. Diese Entwicklung setzt sich natürlich auch in der Schulzeit fort. Das verdeutlicht: Wir brauchen klare Regeln - aber keine starren Pauschalverbote! Und wir brauchen pädagogische Lösungen statt strenger Maßnahmen, die am Ende nichts bewirken. Denn bei Verboten muss man sich auch die Frage stellen, wie es dann weitergeht: Wer soll das eigentlich kontrollieren, wer sanktioniert Verstöße, und wie sehen diese aus? Und bei Smartwatches wird es dann noch ein bisschen komplizierter. Soll wirklich jede Schule in Niedersachsen dieselben festen Regeln durchsetzen, unabhängig von Schulform, Alter der Schülerinnen und Schüler und Situation? Das ist schlicht nicht praktikabel. Wir müssen die digitale Lebensrealität ernst nehmen und die Schülerinnen und Schüler begleiten, liebe Kolleginnen und Kollegen. Deshalb ist es gut, dass die Landesregierung den Gewaltpräventionserlass überarbeitet. Denn bei der Prävention geht es heute eben auch um TikTok-Videos mit Gewaltinhalten, Cybergrooming, digitalen Gruppenzwang und Mobbing in Chatgruppen. Es ist wichtig, dass diese Themen in den Erlass mit aufgenommen werden. Diese Risiken verschwinden nicht, wenn man Handys einsperrt. Sie verschwinden nur, wenn wir Kinder und Jugendliche stark machen: durch Aufklärung, durch Begleitung und durch Medienbildung. Medienkompetenz ist keine Kür - sie ist Pflicht! Wir tun in Niedersachsen schon viel dafür. Lehrkräfte werden auch durch gezielte Weiterbildungsangebote des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung, kurz: NLQ, umfassend unterstützt, etwa im Umgang mit Desinformation, digitaler Selbstverteidigung oder zur Integration medienpädagogischer Konzepte in den Unterricht. In praxisnahen Workshops erwerben sie das nötige Wissen und erhalten erprobte Materialien. Aber und das ist wichtig: Wir müssen diese Angebote weiter ausbauen und stets aktuell halten. Die digitale Welt verändert sich rasant: neue Plattformen, neue Risiken, neue Kommunikationsformen. Nur wer selbst fit im digitalen Raum ist, kann Kindern und Jugendlichen Orientierung geben. Das gilt für Lehrkräfte genauso wie für uns als Bildungspolitiker. Und noch ein Punkt, der gerne vergessen wird: Wenn wir Handyzeiten begrenzen wollen das ist oft sinnvoll, dann müssen wir den Schülerinnen und Schülern auch Alternativen bieten: kreative Pausenräume, Bewegungsangebote, Rückzugsorte. Das alles hilft, dass handyfreie Zeiten nicht als Strafe, sondern als Chance erlebt werden. Wer Kindern und Jugendlichen das Handy in der Pause verbieten will, muss ihnen auch sagen, was sie stattdessen tun können. - Es geht um das Angebot! Bei einem tristen Schulhof kann man halt auch nicht viel machen. Wir sagen ganz klar: Natürlich kann es in Schulen auch Handyverbote geben. Und ja, das kann in vielen Fällen pädagogisch sinnvoll sein, wenn es darum geht, Konzentration zu fördern, Ablenkung zu reduzieren und das soziale Miteinander zu stärken. Aber das ist entscheidend es kommt auf den Weg dorthin an: Wurde das Verbot von oben verordnet oder gemeinsam mit der Schulgemeinschaft entwickelt? Nur wenn Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte einbezogen werden, entsteht Akzeptanz und damit Wirkung. Schulen brauchen dafür nicht nur pädagogische Freiheit, sondern auch rechtliche Klarheit. Ich glaube, wir haben den gleichen Fall vor Augen: Wir haben uns mit einem Schulleiter unterhalten, der nach der Einführung eines durchdachten und pädagogisch gut begründeten Handyverbots mit einer Klagedrohung durch ein Elternteil konfrontiert wurde. Deswegen ist unser Antrag ja auch so wichtig. Wir wollen den Schulen rechtliche Unterstützung bieten, damit sie gerade nicht alleine stehen. Dabei ist es natürlich auch am Kultusministerium, die Schulen zu unterstützen. Sie haben großes Vertrauen in ihre Schulleitung. Deswegen ist unser Antrag so wichtig. Ich freue mich auf die Beratung im Ausschuss. Herzlichen Dank.

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