Claudia Schüßler
Ein interdisziplinäres Versorgungsangebot für schwer betroffene Menschen mit Fatigue-Syndrom etablieren
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Fast schon am Ende des Plenartags - man merkt es ein bisschen daran, dass sich die Reihen jetzt wieder füllen - werden wir hier ein weiteres Gesundheitsthema behandeln. Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die Erkrankung ME/CFS oder auch Long- oder Post-COVID lenken. Wovon sprechen wir denn hier? Als Hauptsymptom gemein haben diese Krankheiten in ihrer schweren Ausprägung das sogenannte chronische Fatigue-Syndrom, bei dem es neben der bereits im Namen angesprochenen Müdigkeit zu unterschiedlich stark ausgeprägten kognitiven und körperlichen Symptomen kommt. So wie ich das jetzt hier in diesem Satz formuliert habe, hört es sich eigentlich total trocken an. Es sagt nichts über das Leid der betroffenen Menschen. Tatsächlich erzeugt diese Erkrankung einen sehr hohen Leidensdruck - natürlich bei allen Betroffenen, aber auch bei den Angehörigen. Mit „Angehörige" meine ich alle, die diesen erkrankten Personen nahestehen. Davon kriegen wir Berichte, und man kann das natürlich - das haben auch Sie alle gemerkt, vielleicht aus Ihrem Umfeld, vielleicht aber auch aus Berichterstattungen - erkennen. Wie kommt es denn zu diesem großen Leidensdruck? - Typischerweise kommt es bei ME/CFS nach einem Infekt - es gibt eine ganze Anzahl von möglichen Auslösern: Epstein-Barr-Virus, andere Herpesviren, Influenza - zum Zustand einer sehr schweren Erschöpfung und daneben vielleicht zu anhaltendem - Frau Schüßler, einen kleinen Moment, bitte! - Das stört hier ungemein, speziell die Gesprächsrunde, die sich gerade durch die Tür entfernt - danke schön -, und auch der Gesprächsrunde rund um Herrn Eilers wäre ich dankbar, wenn Sie die Gespräche kurz einstellen und der Rednerin Ihre Aufmerksamkeit schenken würden. Danke schön. So ein bisschen ist das ja auch nachvollziehbar. Es war ein langer Tag, und ich weiß ja auch, dass die Aufmerksamkeitsspanne zurückgeht. Aber tatsächlich ist das Thema einfach zu ernst. Viele haben schon einmal davon gehört. Aber was bedeutet es eigentlich? - Es kann alles sein. Man kann vielleicht infektassoziierte Symptome haben: Halsschmerzen, schmerzhafte Lymphknoten, erhöhte Temperatur. Andere haben hohes Fieber. Es gibt ausgeprägte Konzentrations- und Gedächtnisproblematiken. Bei der chronischen Müdigkeit kommt es trotzdem zu ausgeprägten Schlafstörungen. Typischerweise bewirken Erholungspausen keinerlei Besserung der bestehenden Symptome. Charakteristisch ist außerdem, dass eine Belastungsintoleranz vorhanden ist, die dadurch gekennzeichnet ist, dass es nach einer körperlichen Anstrengung oder auch nach einer geistigen Anstrengung zu einer Zunahme der Symptomatik kommt. Das ist wirklich schwierig, weil bei manchen Leuten überhaupt nicht erkannt wird, um was es geht. Sie werden in eine aktivierende Reha mit Sportangeboten geschickt und kommen am Ende völlig erschöpft und kränker aus dieser Reha zurück, als sie hineingegangen sind. Wiederum ist es manchmal so, dass manche der Betroffenen vorgeworfen bekommen, sie würden nur simulieren. Wenn man sich manche Krankheitsverläufe ansieht, kann man erkennen: Das ist mitnichten der Fall. Die Krankheit ist seit Langem anerkannt, und bei manchen Personen führt sie dazu, dass sie in völliger Isolation in einem verdunkelten Zimmer liegen müssen. Das ist also wirklich dramatisch, jedenfalls mit einer Vielzahl von Symptomen. Und weil es nicht leicht ist, die Krankheit zu diagnostizieren, und weil es nicht so leicht ist, an den richtigen Stellen ernst genommen zu werden, kommt es zu diesen Fehlbehandlungen. Wir haben in Deutschland bereits vor der Pandemie viele Menschen gehabt, die an ME/CFS erkrankt waren. Die Schätzungen gehen auseinander: 140 000 bis 300 000. Aber aufgrund der Symptome, wie ich sie geschildert habe, gibt es auch eine hohe Dunkelziffer. Durch die Pandemie hat sich die Situation nochmals verändert. Es gibt jetzt bei Long- und Post-COVID und bei ME/CFS ein gemeinsames Merkmal. Das ist diese belastungsabhängige Verschlechterung, die ich eben schon beschrieben habe, nämlich dass es schlechter wird, wenn man etwas tut, auch wenn man versucht, den Betroffenen zu helfen. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass Long-COVID und CFS gemeinsame Ursachen haben können. Ich sage es jetzt auch deshalb so vorsichtig, weil auf diesem Gebiet noch so viel geforscht und zusammengetragen werden muss, um die Erkrankungen in ihrer Tiefe festzustellen, zu analysieren und dann - Frau Kollegin Schüßler, lassen Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Rakicky zu? Ja. Bitteschön!
