Sophie Ramdor
Entwicklungsmöglichkeiten durch mehr Freiräume - Schulen zukunftsfähig aufstellen, Beteiligte entlasten
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren, vor allem von Rot-Grün! Anscheinend haben Sie sich die Worte meines Kollegen Herrn von Danwitz das letzte Mal sehr zu Herzen genommen. Nachdem Sie beim letzten Plenum Ihre erste Initiative nach zehn Monaten auf den Weg gebracht haben, folgt in diesem sogar schon die nächste Initiative. Ich muss es Ihnen ja lassen: Sie beschäftigen sich mit den wirklich dringenden Fragen in der Bildungspolitik. Die Frage, die alle Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler umtreibt, ist schließlich: Wie steht es um unsere Klassenräte in Niedersachsen? - Meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist doch eines unserer Probleme in diesem Land. Dieses Plenum beschäftigt sich mit der nächsten drängenden Frage: Freiräume. - Ja, es gäbe bei dieser dringenden Frage auch wirklich einigen Gesprächsbedarf an den Schulen. Die Schulleitungen hätten gerne mehr Freiräume. Die Schulleitungen hätten gerne die Freiräume, Lehrkräfte mit ausländischem Abschluss oder Quereinsteiger, die gut mit den Kindern und Jugendlichen können, unkompliziert und schnell einzustellen. Die Schulen hätten gerne mehr Freiräume in der Verwendung ihres Schulbudgets. Und die Schulen und die Lehrkräfte hätten gerne mehr Freiräume bei der Organisation der Klassenfahrten und nicht noch mehr Bürokratie, wie es aktuell der Fall ist. Bei der Definition der Freiräume bin ich zudem gespannt, wie ernst Sie es eigentlich mit den Freiräumen meinen. Wird das Kultusministerium einer Schule erlauben, einen neuen Schulkindergarten zu gründen, wenn die Schule dies in ihrem Einzugsgebiet für notwendig und richtig erachtet? Wird das Ministerium es erlauben, neue Sprachlernklassen zu gründen und diese auszubauen, wenn die Schule es für notwendig erachtet? Erhalten Schulen, die diese Wege gehen und beschreiten möchten, auch die Handlungs- und Gestaltungskompetenzen, dies umzusetzen, oder beschränken sich die Freiheiten nur auf die Schulen und die Konzepte, die die rot-grüne Bildungspolitik umsetzen möchten? Sie sprechen davon, dass die Schulen jetzt mehr Freiräume für die Gestaltung ihrer Stundentafeln erhalten sollen. Mein Eindruck an den Schulen ist, dass es aktuell für die Lehrkräfte und die Schulleitungen vor den anstehenden Erkältungswellen, die jetzt auf uns zukommen, völlig egal ist, wie kreativ sie mit ihrer Stundentafel umgehen können. Die Schulleitungen sind froh, wenn der Unterricht überhaupt stattfindet. Das ist doch unser Problem. Darum müssen wir uns kümmern, und dazu höre ich von Ihnen leider keine Vorschläge. Viele Eltern beklagen beim Wechsel in ein anderes Bundesland die fehlende Vergleichbarkeit im Bildungssystem in Bezug auf den Leistungsstand und die inhaltliche Schwerpunktsetzung. Von der Beurteilung der Wertigkeit und der Akzeptanz eines Abiturs aus Bayern und Bremen möchten wir gar nicht anfangen. Für Sie scheint die Kritik der Eltern ein Ansporn gewesen zu sein, diese Schwierigkeit jetzt nicht nur bei einem Wechsel in ein anderes Bundesland haben zu wollen, sondern bei jedem Schulwechsel. Anders kann ich mir Ihren Antrag nicht erklären. Die Schulen sollen nach Ihrer Vorstellung Freiräume erhalten, die Art der Leistungsüberprüfung und somit die Prüfungs- und Abschlussformate selbst bestimmen zu können. Für Sie bedeutet das Bildungsgerechtigkeit. Wenn ich nun an der einen Schule, um mein Schuljahr zu bestehen, Projekte oder Referate halten darf und an der anderen Schule dafür einen schweren Aufsatz schreiben muss, frage ich mich, wo da eigentlich noch die Bildungsgerechtigkeit bei Ihnen gegeben ist. Sie sprechen auch vor dem Lernen im eigenen Tempo. Die spannende Frage, meine sehr geehrten Damen und Herren, bleibt, ob es eigentlich irgendwann ein Alter gibt, wann man die Schule verlassen haben muss. Oder ist man jetzt nicht nur Dauerstudent, sondern kann auch Dauerschüler werden? Das kann ich Ihrem Antrag auch nicht so ganz entnehmen. Frau Kollegin Ramdor, es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage von der Kollege Schendel. Das können wir am Ende machen. Ich bin auch gleich fertig. Vielen Dank. Immer mehr junge Menschen verlassen die Schule, ohne richtig lesen, schreiben oder rechnen zu können. Die Ausbildungsbetriebe sowie die Universitäten müssen die erste Zeit Grundlagenvermittlung betreiben, die eigentlich Aufgabe der Schule ist. Wenn Sie die Kerncurricula nun anfassen wollen, dann sollte überlegt werden, welche Kompetenzen im 21. Jahrhundert wirklich noch gebraucht werden und was in unseren Lehrplänen zugunsten der Basiskompetenzen aussortiert werden kann. Neben dem Erwerb dieser Kompetenzen gibt es noch eine zweite große Herausforderung: Immer mehr junge Menschen wissen nicht, welchen Weg sie nach der Schule einschlagen sollen. Die Berufsorientierung muss an allen Schulformen neben der Vermittlung der Basiskompetenzen einen übergeordneten Stellenwert erhalten und darf nicht mehr von der Motivation einzelner Lehrkräfte abhängig sein. Die Schulen brauchen hier Freiräume, um mit der IHK, mit Handwerksbetrieben und Unternehmen unkompliziert zusammenarbeiten zu können. Handwerker müssen stundenweise an die Schulen kommen können und Schülerinnen und Schüler in die Betriebe. Das sind Freiheiten, die die Schulen brauchen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie sehen: Es gibt Bereiche, in denen wir uns auch Freiheiten an den Schulen vorstellen können. Inwieweit diese mit dem Freiheitsgedanken von Ihnen zusammenpassen, bleibt zu diskutieren. Vielen Dank. Vielen Dank, Frau Kollegin. Sie haben eine Zwischenfrage zugelassen. Frau Schendel, bitte schön!
