Dr. Marco Mohrmann
Ein aktives Wolfsmanagement in Niedersachsen - für die Weidetierhaltung, den Deichschutz und die Sicherheit der Menschen im ländlichen Raum
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe Ihnen versprochen, dass wir beim Thema Wolf dranbleiben. Ich will Sie da auch nicht enttäuschen. Wir werden dranbleiben, bis der gesunde Menschenverstand Einzug gehalten hat und endlich gehandelt wird. Damit wir alle wissen, wovon wir sprechen, will ich Ihnen das einmal in Erinnerung rufen: Wir haben jetzt vermutlich über 600 Wölfe in Niedersachsen. Das dürfte mutmaßlich eine der höchsten Wolfsdichten weltweit sein. Die damit einhergehenden Probleme sind bekannt: unzählige Risse von Weidetieren, zu Hochsicherheitstrakten verwandelte Feldmarken und dazu das lediglich mit Schulterzucken zur Kenntnis genommene Ausrotten von Wildarten wie beispielsweise dem Muffel. Meine Damen und Herren, die EU hat geliefert. Die Formulierungen im Koalitionsvertrag von Union und SPD sind eindeutig, und der Prozess läuft. Konsequentes Handeln in den Bundesländern muss nun folgen, daher folgerichtig unser Antrag. Im Kern geht es um diese Punkte: Erstens. Das Land soll den Bund bei der zügigen und notwendigen Anpassung des BNatSchG und des Bundesjagdgesetzes für ein rechtssicheres und regional differenziertes Wolfsmanagement unterstützen. Zweitens. Wir fordern regional angepasste Obergrenzen. Drittens. Wir fordern die Einführung mehrmonatiger Jagdzeiten und Abschusspläne und darüber hinaus die Möglichkeit zur Problemwolfentnahme. Meine Damen und Herren, die Agrarminister der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen Frau Ministerin Staudte, Sie ahnen, was jetzt kommt haben bei der Agrarministerkonferenz am 26. September 2025 eine sehr kluge Erklärung zu Protokoll gegeben. Ich fasse kurz zusammen: Erstens. Die bisherige Bewertung des Erhaltungszustands in Deutschland ist veraltet und berücksichtigt die positive Bestandsentwicklung und Ausbreitungsdynamik der letzten 20 Jahre nicht. Zweitens. Die Bundesregierung soll diese Entwicklung methodisch stärker berücksichtigen. Drittens. Das Ganze soll erfolgen, um dann den deutschlandweit erkennbar günstigen Erhaltungszustand des Wolfs bei der Europäischen Kommission schnellstmöglich zu melden - mit kontinentaler und alpiner Region, und mit der atlantischen im Norden sowieso. Die Schweiz, meine Damen und Herren, hat in der vergangenen Jagdsaison pauschal 125 Wölfe aus der eben angesprochenen alpinen Region zum Abschuss freigegeben. Südlich der Grenze ist sie möglich, die gesetzlich geregelte und reguläre Bejagung. Das betrifft exakt die gleichen Wölfe, die sich auch nördlich der Grenze in Deutschland tummeln. Und die Schweiz unterliegt genauso wie wir der Berner Konvention zum Schutz der europäischen wildlebenden Tiere und Pflanzen sowie ihrer natürlichen Lebensräume, was beim Namen dieser Konvention auch nicht überraschen dürfte. Nun zur sogenannten kontinentalen biogeografischen Region: Sie erstreckt sich von Russland über Weißrussland, Polen und Deutschland mit Teilen Niedersachsens bis nach Frankreich, in Teile Italiens und des Balkans mit Zigtausenden Wölfen. Vor diesem Hintergrund will ich Ihnen ganz deutlich sagen: Sachlich-fachlich macht diese Aufteilung in biogeografische Regionen gar keinen Sinn. Sie ist lediglich Teil eines Meldeinstruments. Wildbiologisch handelt es sich nämlich samt und sonders um Wölfe der mitteleuropäischen Gesamtpopulation. So ist auch für die Beurteilung des Erhaltungszustands die Population die entscheidende Größe. Meine Damen und Herren, sonst würde es ja in den Grenzgebieten der jeweiligen Regionen zu Hybridisierungen kommen. Ich kann Ihnen deutlich sagen: Genetisch ist das Unsinn. Frau Ministerin Staudte, es ist ein wirklich unfassbares Signal gegenüber den anderen Bundesländern, aber insbesondere gegenüber den Menschen im ländlichen Raum in Niedersachsen, dass Sie sich dieser Protokollerklärung der anderen Länder zur Anerkennung des deutschlandweiten guten Erhaltungszustands verweigert haben. Denn damit machen Sie eines klar: Sie wollen auch weiterhin keine niedersachsenweite Regulation der Wolfsbestände. Die hiesigen Wölfe gehören ja, grob gesagt, im Norden der atlantischen und im Südosten der kontinentalen biogeografischen Region an, wo Sie ihnen den guten Erhaltungszustand ja nicht attestieren wollen. Meine Damen und Herren, das ist ein Abgesang auf vernunftorientierte Realpolitik. Stattdessen tun Sie sich als einzige Vertreterin eines Flächenlandes mit den Stadtstaaten Bremen und Hamburg zusammen und geben gemeinsam mit ihnen zu Protokoll, dass Sie Obergrenzen für die Zahl der Wölfe ablehnen. Dass Sie die grundsätzliche Bestandsregulierung mit prozentualer Entnahme ablehnen, haben Sie ja auch noch einmal in der letzten Sitzung des Haushaltsausschusses bekräftigt. Auch da sitzen übrigens fachkundige Kolleginnen und Kollegen. Frau Ministerin, Ihr eigener Koalitionsvertrag ist damit hinfällig! Darin haben Sie sich noch zu einem europarechtskonformen und regional differenzierten Wolfsmanagement bekannt. Fast gleichzeitig am Montag dieser Woche lässt sich Ihr Ministerkollege Christian Meyer in der Nordsee-Zeitung zitieren mit: „Niedersachsen will ein regional differenziertes Bestandsmanagement." Ja, wer soll Ihnen das noch glauben? Herr Meyer, da hatten Sie vermutlich ein paar Hemmungen, den dort in den letzten vier Wochen von zwölf Wolfsübergriffen geplagten Menschen reinen Wein einzuschenken, wo die Grünen stehen. Frau Kollenrott, was soll das Ganze? Geht es gar um Wissenschaft oder um Wildbiologie? Nein! Nichts dergleichen! Die Antwort konnten wir am 26. September bei der dpa lesen. Dort betonte Ministerin Staudte, dass nur sogenannte Problemwölfe geschossen werden sollten, weil jetzt kommt's! die Ressortleitung ihrer Partei nichts von pauschalen Obergrenzen halte. Frau Ministerin Staudte, da will ich Ihnen mal sagen: Hier geht es nicht um den nächsten Parteitag der Grünen. Es geht um Ihre Verantwortung für die Menschen in Niedersachsen! Sie sind Ministerin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen der SPD, ich habe Ihnen im letzten Plenum gesagt, dass ich Ihnen Ihr Interesse am ländlichen Raum sehr wohl abnehme. Sebastian Zinke, der Sie nächster Landrat im Heidekreis werden wollen, oder Philipp Raulfs, der Landrat im Landkreis Peine werden möchte - Gifhorn!, übrigens Teil der kontinentalen Region, an die Frau Staudte ja nicht ranwill, oder Karin Logemann und Christoph Willeke, die Sie sich immer wieder erfreulich deutlich äußern übrigens, Kollege Willeke, auch Goslar zählt zur kontinentalen Region, und Ministerpräsident Lies, der leider gerade nicht hier ist, der sich bereits 2022 in Visselhövede unmissverständlich für Abschussquoten und Obergrenzen ausgesprochen hat, und auch alle anderen in der SPD-Fraktion: Ich bitte Sie, weisen Sie in dieser Angelegenheit Ihren Koalitionspartner in die Schranken. Es sei denn, die Position, die gerade deutlich wurde, die Position der Ministerin Staudte, ist neuerdings auch Ihre - womöglich um den Koalitionsfrieden zu retten. Dann seien Sie bitte auch so ehrlich und sagen das den Menschen vor Ort, in Ihren Wahlkreisen und in den betroffenen Regionen. Denn eines ist ganz sicher: Wir machen das ganz bestimmt! Ein letzter Hinweis an Herrn Minister Meyer: Sorgen Sie genau jetzt für Wolfsentnahmen, insbesondere im Kreis Cuxhaven! Das geht auch bei der jetzigen Rechtslage. Die Risszahlen gehen dort kräftig in die Höhe. Und jeder Übergriff verleidet dem nächsten Tierhalter wieder seinen Job. Verehrte Abgeordnete, Frau Kollegin, wenn nun tatsächlich das Jagdgesetz novelliert werden soll, dann können wir eins auch gleich heilen, und zwar den Verweis im Landesjagdgesetz auf das BNatSchG beim Thema Wolfsentnahmen. Auch dieses Hemmnis aus einer Zeit des damals höheren Schutzstatus kann ersatzlos weg. Ich freue mich auf die Beratung unseres Antrags im Agrarausschuss. Herzlichen Dank. Vielen Dank, Herr Kollege Dr. Mohrmann. - Als Nächstes hat sich zu Wort gemeldet:
