Sabine Tippelt
Glasindustrie in der Zukunftsregion Weserbergland+ fördern - die energieintensive Industrie auf dem Weg zur Klimaneutralität unterstützen
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieser Antrag beschäftigt sich mit einer der traditionsreichsten und zugleich zukunftsweisenden Branchen unseres Landes, der Glasindustrie. Das ist eine Branche, die vor enormen Herausforderungen steht. Die Glasproduktion in Niedersachsen und speziell im Weserbergland hat eine jahrhundertalte Tradition. Bereits seit dem 9. Jahrhundert prägt die Glasindustrie meine Heimatgemeinde Grünenplan. Dank der reichen Vorkommen an Quarz und Holz hat sich die Herstellung von Glas hier zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt. Unternehmen wie die Schott AG in Grünenplan oder Ardagh Glass in Obernkirchen haben diese Tradition bis heute fortgeführt und sind weltweit führend in der Herstellung hochwertiger Glasprodukte. In Grünenplan, einem der ältesten Standorte der Glasherstellung, produziert die Schott AG heute unter anderem Spezialgläser für die Pharmazie, Optik und Elektronik. Es geht um aktuelle Innovationen wie Ultradünnglas, das beispielsweise für die Solarbranche verwendet wird und dünner ist als ein Haar. Das Glas aus Niedersachsen ist also nicht nur ein Relikt der Vergangenheit, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Technologien, der sowohl in Deutschland als auch weltweit gefragt ist. Doch Glas ist nicht nur ein technologisches Produkt, sondern auch ein Werkstoff, der in Zeiten wachsender Umweltbewusstheit immer mehr an Bedeutung gewinnt. In den letzten Jahren haben wir alle die intensive Diskussion um die Reduktion von Plastikmüll und die Suche nach umweltfreundlichen Alternativen erlebt. Hier ist Glas unbestritten einer der nachhaltigsten Werkstoffe, die wir haben. Glas ist zu 100 % recycelbar, und Produkte wie Flaschen und Gläser können unzählige Male wiederverwendet werden, ohne an Qualität zu verlieren. Allein in der Region Weserbergland+ beschäftigt die Glasindustrie deutlich mehr als 2 000 Menschen. In Orten wie Boffzen, Nienburg und Obernkirchen sind Unternehmen ansässig, die nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch die wirtschaftliche Zukunft der Region. Liebe Kolleginnen und Kollegen, gerade der Landkreis Holzminden spielt dabei eine herausragende Rolle. Mit einem Industrieanteil von über 30 % ist dieser Landkreis einer der am stärksten industrialisierten Kreise in ganz Niedersachsen. Ein beträchtlicher Teil dieser Industrien zählt zu den energieintensiven Branchen. Das bedeutet, dass hier nicht nur Arbeitsplätze und Wertschöpfung entstehen, sondern auch ein hoher Energiebedarf vorhanden ist. Eine Herausforderung, die wir gemeinsam bewältigen müssen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Energiekrise der letzten Jahre hat die Glasindustrie besonders hart getroffen. Traditionell wurden für die Glasherstellung fossile Brennstoffe wie Gas verwendet. Doch mit den steigenden Energiekosten und der Unsicherheit in der Gasversorgung wird es für viele Unternehmen immer schwieriger, konkurrenzfähig zu bleiben. Hinzu kommen die Anforderungen, die mit der Umstellung auf klimaneutrale Produktionsmethoden einhergehen. Viele Glashersteller haben bereits begonnen, ihre Produktionsprozesse umzustellen. In Obernkirchen wird bei Ardagh Glass eine neue, vom Bund geförderte Schmelzwanne mit modernster Hybridtechnologie betrieben. Diese kann bis zu 80 % ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen. Das ist ein Beispiel für die Innovationskraft der Branche, doch es zeigt auch, wie dringend die Unternehmen Unterstützung benötigen, um diesen Weg fortzusetzen. Mit unserem Antrag bitten wir die Landesregierung, die Glasindustrie auf ihrem Weg zur Klimaneutralität gezielt zu unterstützen. Ein zentraler Punkt ist dabei der Zugang der Zukunftsregion Weserbergland+ zum Wasserstoffnetz. Nur so kann sichergestellt werden, dass die energieintensive Industrie in unserer Region auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt und ihre Arbeitsplätze sichern kann. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass die Glasindustrie auf die EU-Liste für Strompreiskompensation aufgenommen wird, um die hohen Energiekosten zu kompensieren. Auch fordern wir eine Reform der Netzentgelte, die es Unternehmen ermöglicht, von ihrem eigenen Ausbau erneuerbarer Energien zu profitieren. Dies sind keine Geschenke, sondern notwendige Maßnahmen, um den Erhalt einer starken Industrie und die erfolgreiche Energiewende zu gewährleisten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Glasindustrie in der Zukunftsregion Weserbergland+ ist ein wirtschaftlicher Motor und ein Beispiel für eine Branche, die Tradition und Innovation vereint. Mit diesem Antrag setzen wir ein Zeichen, dass wir bereit sind, die notwendigen Schritte zu übernehmen, um diese Industrie in die Zukunft zu begleiten. Lassen Sie uns heute gemeinsam dafür sorgen, dass die Glasindustrie in Niedersachsen weiterhin ein wichtiger Pfeiler unserer Wirtschaft bleibt - nachhaltig, innovativ und wettbewerbsfähig! Ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss. Herzlichen Dank.
