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Nicolas Mülbrecht Breer

GRÜNE 28.04.2026 4:14 min Tagungsabschnitte 19/33

Gute Arbeit zum Tag der Arbeit: Niedersachen steht zu starker Mitbestimmung, Tarifbindung und sicherer Beschäftigung

länger, deswegen habe ich mich schon auf den Weg gemacht. Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Frage, ob der 1. Mai als Feiertag noch zeitgemäß ist, wird derzeit ernsthaft gestellt. Aus Teilen der Union käme sogar die Überlegung Herr Ho lsten, der Konjunktiv!, diesen Feiertag infrage zu stellen. Ich sage klar: Diese Debatte geht am Kern der Realität vorbei. Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Holsten zu? Nein. Ich würde gerne fortfahren. Dann tun Sie das. Der 1. Mai steht nicht für Vergangenheit - er steht für eine zentrale Frage der Gegenwart: Wie wollen wir Arbeit, Sicherheit und Teilhabe in einer sich rasant verändernden Welt organisieren? Denn wir erleben gerade eine doppelte Bewegung: Die Arbeitswelt verändert sich schneller als je zuvor, und gleichzeitig wächst bei vielen Menschen die Unsicherheit. Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Digitalisierung verändern ganze Berufsbilder. Was früher selbstverständlich war, ist es heute nicht mehr, und was morgen gilt, ist oft unklar. Es gibt Stimmen, die daraus ein einfaches Zukunftsbild ableiten: Arbeit werde irgendwann überflüssig, Maschinen und KI könnten fast alles übernehmen. Doch diese technologische Perspektive greift zu kurz. Denn die entscheidende Frage ist nicht, ob sich Arbeit verändert, sondern wer die Folgen dieser Veränderungen trägt. Wir haben in der Geschichte gesehen, dass technischer Fortschritt nicht automatisch mehr Freiheit bedeutet. Erst durch politische Auseinandersetzungen wurde aus 16‑Stunden-Tagen der 8‑Stunden-Tag, erst durch Gewerkschaft und soziale Kämpfe und politische Entscheidungen wurde Arbeit menschlicher. Das ist kein historischer Zufall - das ist eine Errungenschaft! Genau diese Errungenschaft steht heute wieder unter Druck. Denn viele Menschen erleben den Wandel nicht als Fortschritt, sondern als Unsicherheit: Wird mein Arbeitsplatz bleiben? Muss ich mich ständig neu erfinden? Und wer trägt eigentlich das Risiko? Diese Unsicherheit ist real, und sie ist politisch. Sie entsteht nicht allein durch Technologie, sondern durch die Frage, wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Unternehmen stehen unter hohem Anpassungsdruck, und gleichzeitig erleben viele Beschäftigte, wie die Anforderungen steigen, ohne dass Sicherheit im gleichen Maß mitwächst. Deshalb ist die zentrale Aufgabe unserer Zeit nicht die Verlangsamung des Wandels, sondern seine soziale Gestaltung. Und genau hier entscheidet sich Politik. Für uns ist klar: Transformation darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten stattfinden! Das heißt konkret: Qualifizierung statt Abwicklung, Tarifbindung statt Lohndumping, Mitbestimmung statt Entscheidungen über die Köpfe der Menschen hinweg. Gerade hier in Niedersachsen zeigen wir, dass das möglich ist. Mit Investitionen in Infrastruktur, erneuerbare Energien und industrielle Erneuerung schaffen wir die Grundlage dafür, dass Wandel nicht Arbeitsplatzverlust bedeutet, sondern neue Perspektiven. Aber das ist kein Automatismus, das ist politische Entscheidung. Und ja, es gibt Alternativen zu diesem Weg. Man kann den Wandel bremsen, oder man kann ihn allein dem Markt überlassen. Beides führt am Ende aber in die gleiche Richtung: mehr Unsicherheit, weniger Vertrauen, weniger gesellschaftlicher Zusammenhalt. Denn ohne soziale Sicherheit verliert Veränderung Akzeptanz. Der 1. Mai erinnert uns daran, dass Gute Arbeit kein Zufall ist. Sie ist das Ergebnis von Solidarität, von Aushandlung und von politischem Willen. Deshalb ist es parteiübergreifend unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass der Wandel nicht spaltet, sondern stärkt. Ich bin froh über jedes Engagement innerhalb der demokratischen Parteien, die diesen Grundsatz teilen. Vielen Dank auch für Ihre klaren Worte, Herr Lechner, die Sie zur Teilzeitdebatte geäußert haben. Ich danke auch allen, die sich dafür einsetzen, dass soziale Sicherheit und wirtschaftliche Transformation gemeinsam gedacht statt gegeneinander ausgespielt werden. Denn am Ende gilt: Die Zukunft der Arbeit wird nicht einfach passieren. Sie wird gestaltet - hier, heute, gemeinsam. Vielen Dank. Danke schön, Herr Mülbrecht Breer. -

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