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Karin Emken

SPD 22.06.2023 6:30 min Tagungsabschnitte 19/8

Nachhaltig. Klimafreundlich. Barrierefrei. Digital. Sozial. Innovativ. Die Transformation des Tourismus zukunftsfähig gestalten - die Tourismusstrategie für das Land Niedersachsen weiterentwickeln

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der Tourismus in Niedersachsen ist von großer struktureller Bedeutung und gehört zu den Leitmärkten der niedersächsischen Wirtschaft mit rund 43,3 Millionen Übernachtungen und einem Bruttoumsatz von rund 13,6 Milliarden Euro jährlich. Der Tourismus trägt fast 5 % zur gesamten Wirtschaftsleistung in Niedersachsen bei und bietet rund 330 000 Menschen Arbeit. Im bundesweiten Ländervergleich liegt Niedersachsen auf Platz 4 der beliebtesten Urlaubsziele. Für viele Städte und Gemeinden ist er einer der wichtigsten Wirtschaftsbereiche. Touristische Einrichtungen sind dort zentrale Bestandteile der Lebensqualität und tragen zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land bei. - Das kann ich ausdrücklich bestätigen, wohne ich doch direkt an der ostfriesischen Nordseeküste im Nordseeheilbad Esens-Bensersiel. Zu meinem Wahlkreis gehören fünf der sieben Ostfriesischen Inseln, Nordseeheilbäder und Erholungsorte auch an der Küste. Für uns ist der Tourismus der existenzielle Wirtschaftsbereich. Dabei steht die Tourismusbranche nicht für sich allein. Sie ist eine Querschnittsbranche und wirkt weit in andere Wirtschaftsbereiche hinein, u. a. in Handel, Handwerk, Landwirtschaft, Gesundheit, Mobilität, Freizeit sowie in die Kulturwirtschaft. Investitionen in den Tourismus zahlen sich für alle aus - für Einheimische und Gäste. Wertschöpfung steht im Vordergrund allen touristischen Handelns. In dem Wissen um diese Bedeutung hat das Land Niedersachsen im Jahr 2015 unter Wirtschaftsminister Olaf Lies die erste Tourismusstrategie geschrieben. Strategien und Ziele brauchen einen festen Platz im operativen Arbeitsablauf und dienen als Führungsinstrument. Die Tourismusstrategie Niedersachsen dient der Steuerung als Orientierungshilfe für touristische Akteurinnen und Akteure und soll, reagierend auf aktuelle Entwicklungen, kontinuierlich fortgeschrieben werden. So wurde es von Anfang an kommuniziert. Denn eine erfolgreiche Tourismuspolitik muss in der Lage sein, die Lebendigkeit und Dynamik von Markteinflüssen und den gesamtgesellschaftlichen Wandel zu berücksichtigen. Die Corona-Pandemie und die damit einhergegangenen Beschränkungen haben die Tourismusbranche extrem hart getroffen. Die durch den Ukrainekrieg bedingten Preissteigerungen im Energie- und Lebensmittelbereich und der Fach- und Arbeitskräftemangel sorgen für eine zusätzliche Belastung und Schwächung. Deshalb ist jetzt der exakt richtige Zeitpunkt, die bisherige Strategie den aktuellen gravierenden Entwicklungen anzupassen und ganzheitlich fortzuschreiben, um den Tourismus in Niedersachsen zukunftsfest aufzustellen. Denn auch im Bereich des Tourismus können wir von einer Transformation sprechen. Es gilt, dem Tourismus in dieser schwierigen Situation zur Seite zu stehen und Perspektiven aufzuzeigen. Ein besonderes Augenmerk muss auf dem Arbeits- und Fachkräftemangel und der Finanzierung des Tourismus liegen. Unabdingbar ist, dass die zukünftige touristische Entwicklung die ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt stellt. Klimawandelbewältigung, Barrierefreiheit, Mobilität, Digitalisierung werden dabei eine entscheidende Rolle spielen und müssen zusammen gedacht werden. Dabei spricht man gerade in den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit von einer gleichzeitigen bzw. doppelten Transformation: die Chance der Digitalisierung als Mittel zu mehr Nachhaltigkeit. Es geht darum, gemeinsam mit den touristisch Handelnden in einem offenen Dialog ressortübergreifende Antworten auf die jetzigen und zukünftigen Herausforderungen zu finden, um eine dauerhafte Wertschöpfung, die Bewahrung der Lebensräume und die Wertschätzung der örtlichen Bevölkerung zu gewährleisten. Dabei geht es um Antworten auf Fragen wie z. B.: Wie können wir die touristischen Regionen für Gäste und Bewohnerinnen und Bewohner gleichermaßen attraktiv und lebenswert gestalten? Wie können wir unsere bestehende Infrastruktur erhalten und sanieren, um den Ansprüchen gerecht zu werden? Wie können wir Verbräuche und den Einsatz von Rohstoffen optimieren? Wie setzen wir dabei Big Data ein? Woher beziehen wir zukünftig unsere Energie? - Übrigens: Der Gast fordert den Einsatz regenerativer Energien schon heute aktiv ein. Ressourcenschutz und Ressourceneffizienz sind hier die Schlagworte. Dabei sollten wir unsere touristischen Regionen jeweils als Ganzes begreifen. Ein Andenken von Strukturänderung und Kooperationen der Destinationen, wie sie in einigen unserer Tourismusregionen schon erfolgen, sollen deshalb weiter gefördert und unterstützt werden. Der Gast und auch die örtliche Bevölkerung möchten eine intakte Natur, lebendige Regionalität und Authentizität erfahren. Daher ist es unsere Aufgabe, die jeweilige Vielfältigkeit, Einzigartigkeit und Identität zu fördern, zu bewahren und schonend weiterzuentwickeln. Wenn uns dies gelingt, werden wir die besten Voraussetzungen haben, dauerhaft zu einer regionalen Wertschöpfung und damit zu Akzeptanz, Zusammenhalt und Wohlstand beizutragen. Sehr gut dort leben und arbeiten, wo andere gerne Urlaub machen. Ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss. Danke schön.

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