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Dr. Kathrin Wahlmann

18.06.2024 4:42 min Tagungsabschnitte 19/17

Jüdisches Leben in Niedersachsen schützen - Antisemitismus konsequent vorbeugen und bekämpfen!

Bitte schön! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Frau Dr. Seidler! Lieber Herr Professor Dr. Wegner! Jeder Angriff auf jüdische Mitmenschen, jeder Angriff auf jüdische Einrichtungen, jeder Angriff auf den Staat Israel ist auch ein Angriff auf unsere Verfassung und auf unseren Rechtsstaat. Wer Jüdinnen und Juden angreift, weil sie jüdischen Glaubens sind, der streitet damit ab, dass alle Menschen dem Grunde nach gleich sind, dass alle Menschen die gleichen Rechte und die gleiche Daseinsberechtigung haben. Das geht gegen unsere Grundwerte. Das geht gegen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Und damit geht Antisemitismus uns alle an. In Deutschland ist kein Platz für Antisemitismus. Vor dem Hintergrund unserer besonderen Verantwortung gegenüber dem Staat Israel und insbesondere auch gegenüber den in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden sind der Schutz jüdischen Lebens und das Existenzrecht Israels nicht nur Staatsräson. Sie sind darüber hinaus auch Teil der Identität unseres Landes. Dieses klare Bekenntnis ist das absolute Gegenteil von Antisemitismus, Herr Calderone. Dagegen verwehre ich mich, dagegen verwehrt sich diese Landesregierung auf das Schärfste. Staatsanwaltschaften und Gerichte, Polizei und Ordnungsbehörden in Niedersachsen tun alles, was in ihrer Macht steht, um das jüdische Leben und die Menschen jüdischen Glaubens in Niedersachsen zu schützen. Sie wissen, dass ich unmittelbar im Oktober letzten Jahres angeordnet habe, dass antisemitische Straftaten und Straftaten mit einem Bezug zu den Angriffen der Hamas, der Hisbollah und ähnlicher Organisationen nicht mehr aus Opportunitätsgründen eingestellt werden. Das heißt, sobald hinreichender Tatverdacht für eine antisemitische Tat besteht, wird diese auch vor Gericht gebracht. Aber auch verbale Entgleisungen, entweder auf den Straßen oder auch in der vermeintlichen Anonymität des Internets, lassen wir nicht ungeahndet. Die herausragende Arbeit der Zentralstelle gegen Hasskriminalität im Internet bei der Staatsanwaltschaft Göttingen ist dafür ein guter Beleg. Allein im Jahr 2023 haben wir in Niedersachsen mehr als 350 Strafverfahren wegen antisemitischer Straftaten eingeleitet, mehr als 200 Straftaten mit Hamas-Bezug. Das sind erschreckende Zahlen. Es zeigt aber auch, dass wir es mit der Strafverfolgung ernst meinen. Die entschlossene Strafverfolgung und Ahndung sind allerdings nur eine Seite der Medaille. Antisemitismus findet zuerst in den Köpfen statt. Antisemitismus entsteht aus Vorurteilen, aus Lügen, aus dem Verbreiten falscher Tatsachen, und er fällt auf den fruchtbaren Boden von Borniertheit, von fehlender Weltoffenheit, aber auch von Naivität. Um dem entgegenzuwirken, sind wir in Niedersachsen bereit, entschlossen zu handeln, viel zu investieren und einen langen Atem zu haben. Wir unterstützen Lehrerinnen und Lehrer mit einem Wissenspool zum Thema Antisemitismus, den sie für ihren Unterricht nutzen können. Wir haben Angebote, die sich an bestimmte Communities richten, zum Beispiel an muslimische Jugendliche. Genauso gibt es natürlich Unterstützungen für die Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens selbst. Neben dem Recherche- und Informationszentrum RIAS möchte ich hier beispielhaft ebenso wie Herr Prange das Empowerment-Projekt der Israelitischen Kultusgemeinden und unsere drei Anlaufstellen für Betroffene rechtsextremer, antisemitischer und rassistischer Gewalt nennen. Sie sehen: Niedersachsen tut viel, um den Antisemitismus auf allen Ebenen zurückzudrängen. Über das Land hinaus und auch über diesen Antrag hinaus, den die Landesregierung sehr begrüßt, sind aber auch jede Einzelne und jeder Einzelne von uns gefragt. Jede aufrechte Demokratin und jeder aufrechte Demokrat muss jetzt aufstehen und zeigen: Wir stehen fest an der Seite der Jüdinnen und Juden in Niedersachsen! Vielen Dank.

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