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Anne Kura

GRÜNE 25.06.2026 5:51 min Tagungsabschnitte 19/35

Wale retten - unsere Meere besser vor Bedrohungen schützen

Kollegin Anne Kura. Sechseinhalb Minuten. Bitte! Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe KollegInnen! Sie wissen: Niedersachsen. Das ist groß. Aber noch größer sind die Meere, und darüber reden wir heute. Sie bilden das größte Ökosystem unseres Planeten. Der renommierte britische Naturforscher Sir David Attenborough er ist übrigens gerade 100 Jahre alt geworden, ich finde das bemerkenswert meint deshalb, es passe eigentlich gar nicht, dass unser Planet „Erde" heißt, viel treffender wäre der Name „Ozean". Liebe Kollegin Koehler, die Ozeane sind eigentlich ein Ozean. Sie sind alle miteinander verbunden, auch durch Meeresströmungen. Von daher ist es schon wichtig, was wir hier in Niedersachsen mit Blick auf die Auswirkungen im Weltmeer tun. Denn mehr als 70 % unseres Planeten sind mit Salzwasser bedeckt. Darunter befinden sich 99 % der weltweiten Lebensräume. Die Meere produzieren den Großteil des Sauerstoffs in der Atmosphäre. Sie speichern Wärme, sie stabilisieren unser Klima. Man kann also ganz deutlich sagen: Wenn es dem Meer schlecht geht, dann geht es dem Planeten schlecht. Aber Meere sind nicht nur etwas für den Kopf, sondern auch fürs Herz. Das Meer ist vielleicht auch für viele von uns in den nächsten Wochen Sehnsuchts- und Urlaubsort. Das Meer und seine Bewohner faszinieren uns, besonders die Meeressäuger das stimmt, und sie bewegen viele Menschen emotional. Das hat die große Empathiewelle für die Buckelwalkuh Timmy und ihr Schicksal gezeigt. Viele fragen sich zu Recht: Wie können wir das Leid verhindern? Die Antwort lautet: mehr Schutz, nicht weniger. Wenn wir Wale retten wollen, dann müssen wir ihren Lebensraum erhalten. Timmy ist viral gegangen, aber die meisten Wale sterben unbeobachtet: in Stellnetzen, durch Kollisionen mit Schiffen oder durch Plastik statt Plankton im Magen. Liebe KollegInnen, ein Ankerpunkt des Meeresschutzes in Niedersachsen ist der Nationalpark Wattenmeer. Seit 40 Jahren leistet er wichtige Arbeit für den Erhalt eines der faszinierendsten Lebensräume der Welt. Er ist auch Weltnaturerbe der UNESCO. Übrigens das habe ich mal nachgeguckt: Genau morgen vor 17 Jahren wurde dieser Weltnaturerbestatus zuerkannt. Beim Meeresschutz gibt es tatsächlich Erfolge. Zum Beispiel die Kegelrobben sind in die Nordsee ins Wattenmeer zurückgekehrt. Das durfte ich neulich am eigenen Leib, am eigenen Herz erfahren, weil ich dabei sein durfte, wie zwei, die großgezogen wurden, ausgesetzt wurden. Danke an die Seehundstation! Der Minister hat da tatkräftig mitgeholfen. Das war ein sehr emotionaler Termin. Aber der Nationalpark allein kann die Nordsee nicht retten. Die Nordsee allein ist nicht nur eines der artenreichsten, sondern auch eines der am stärksten genutzten Meere der Welt, und sie ist in einem besorgniserregenden Zustand: von Sauerstoffmangel, verursacht durch Überdüngung und Erhitzung, über Plastikmüll, Verschlickung, PFAS also Ewigkeitschemikalien und Geisternetzen bis hin zu den Schäden durch Gas- und Ölbohrungen und den Folgen der Klimakrise. Dadurch geraten Lebensräume aus dem Gleichgewicht, und die biologische Vielfalt geht verloren. Während uns das Meer erwiesenermaßen dabei hilft, Stress abzubauen, setzen wir das Meer unter Dauerstress, und zwar so sehr, dass die Selbstheilungskräfte des Ozeans nicht mehr wirken. Ich bin Umweltminister Meyer deshalb sehr dankbar, dass er Meeresschutz zur Priorität macht. Liebe KollegInnen, neben dem Schutz der Lebensräume müssen wir die ökologische Wiederherstellung der Meere mit internationalen, nationalen und regionalen Initiativen vorantreiben. Auch hier gilt: Wir müssen die EU-Wiederherstellungsverordnung umsetzen. Ein Beispiel, das der Minister gerade angesprochen hat, ist das Seegras, ein Verbündeter mit echten Superkräften. Es stabilisiert den Meeresboden, schützt vor Erosion, produziert Sauerstoff, speichert große Mengen Kohlenstoff und dient vielen Fischarten und anderen Meerestieren als Kinderstube. Doch in unserem Wattenmeer zwischen Ems und Elbe sind bis zu 97 % der Bestände verschwunden. Deshalb ist es genau richtig, dass Umweltminister Meyer hier die Anstrengungen verschärft, die Seegraswiesen wiederherzustellen. Das gilt auch für die Salzwiesen und den Einstieg in das ökologische Sedimentmanagement. Liebe KollegInnen, auch das möchte ich erwähnen: Es ist ein erster wichtiger Schritt, dass Bundesumweltminister Schneider zumindest in den Schutzgebieten keine neuen Öl- und Gasbohrungen zulassen will. Denn die UNESCO-Kommission hat deutlich gemacht, dass Öl- und Gasförderung auch am Rande des Gebiets nicht nur Klima und Meer schädigen, sondern auch den Welterbestatus gefährden. Hoffnung macht, dass Minister Schneider einen Aktionsplan „Meer" angekündigt hat. Den Ankündigungen müssen jetzt Taten folgen. Liebe KollegInnen, es liegt in unserer Hand: Zerstören wir die Ökosysteme der Meere weiter, oder sorgen wir dafür, dass es wieder eine Balance zwischen Nutzung und Schutz gibt? Die Natur besitzt enorme Regenerationskräfte. Das hat das Beispiel der Kegelrobben gezeigt. Die waren fast ausgerottet, jetzt sind sie wieder da. Wir alle können noch eine Nordsee erleben, die artenreicher, gesünder und widerstandsfähiger ist als heute. Wir wissen, was dafür zu tun ist. Wir müssen nur den nötigen Willen dazu aufbringen. Ich finde, Umweltminister Meyer hat heute diesen Willen sehr deutlich gemacht, und wir sollten die Landesregierung dabei unterstützen und motivieren, da weiterzugehen. Versuchen wir nicht, einzelne Wale zu retten, sondern schützen wir sie alle! Das wäre wirklich großartig. Vielen Dank.

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