Marie Kollenrott
Wie treibt die Landesregierung die Transformation zu grünem Wasserstoff, Speicherung und Transport voran?
Marie Kollenrott (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich darf noch einmal. Ich freue mich. Vielleicht eine Vorbemerkung an meinen Kollegen, an Herrn Pohlmann. Ich kann es ja verstehen, dass Sie das Thema tatsächlich sehr bewegt. Sie kommen aus Georgsmarienhütte. Insofern sind Sie wegen des Stahlwerks natürlich damit beschäftigt. Ich kann mich allerdings Ihren Ausführungen nicht anschließen. Ich finde, dass wir eigentlich ganz schön turbomäßig unterwegs sind. Und, ja, auch ich mag dieses Wort nicht. Gleichwohl: Viel schneller kann es wohl nicht gehen. Ich komme zum Text. Vor dreißig Jahren galten die erneuerbaren Energien vielen Menschen noch als eine unrealistische Spielerei: unzuverlässig, inkompatibel mit unserem Stromnetz und vor allem völlig unwirtschaftlich und viel zu teuer. In der Tat musste zu Beginn des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahre 2000 eine Kilowattstunde Photovoltaikstrom mit über 50 Cent vergütet werden. Doch eben jenes von Rot-Grün im Jahre 2000 eingeführte Erneuerbare-Energien-Gesetz ermöglichte auch einen unwahrscheinlichen Technologiehochlauf, der die Erneuerbaren heute zu der mit Abstand günstigsten Energiequelle macht und auch der Wasserstoffforschung und Entwicklung, auf die wir heute schauen, den Weg geebnet hat. Im Angesicht der Lehre, die wir aus dem Angriffskrieg auf die Ukraine und der im Rückblick fatalen Abhängigkeit von russischem Gas ziehen müssen, sollten wir in Sachen Wasserstoff nun klug steuern, auf den massiven Ausbau von Wind und Sonne als Energiequelle für die Produktion im eigenen Land setzen und vor allem nicht dieselben Fehler noch einmal machen und dieses Mal eben keine langfristigen fossilen Abhängigkeiten schaffen. (Beifall bei den GRÜNEN und Zustimmung bei der SPD) Wir stehen bereits vor den Folgen der Klimakatastrophe und können froh sein, dass wir in unserem Land ausgereifte Erneuerbare-Energie-Technik haben. Aber die zwingend notwendigen Schritte der ganzheitlichen Transformation der Energiesysteme sind wir bisher noch nicht gegangen. Speicher? - Fehlanzeige. Viel zu lange haben wir über Wasserstoff als Zukunftstechnologie gesprochen. Schon 1994, vor fast 30 Jahren, stellte Mercedes-Benz ein Wasserstofffahrzeug vor. Das steht jetzt im Museum in Stuttgart. Auf den Straßen hatten und haben wir stattdessen nach wie vor fette Diesel-SUVs. Nicht missverstehen - das hier wird kein Plädoyer für eine „Technologieoffenheit“ beim Automobil; denn das E-Auto ist, wie wir heute schon mehrfach gehört haben, weitaus effizienter. Aber das Potenzial des Energieträgers Wasserstoff wurde schon damals erkannt, ohne es konsequent und mit ernsthafter politischer Unterstützung voranzutreiben. Mit anderen politischen Rahmensetzungen und Prioritäten damals hätten wir heute vielleicht schon den klimaschonenden Wasserstoffantrieb für Flugzeuge aus deutscher Produktion. Wir sind heute jetzt aber auf einen klimaneutralen, transportablen und speicherbaren Energieträger angewiesen, ohne dass wir hierfür bereits eine marktreife Lösung hätten. Alle Fachleute sind sich einig, die Lösung heißt eben Wasserstoff. Wir müssen deshalb mehr daransetzen, diese Technologie jetzt in der Breite marktreif zu bekommen. Deswegen müssen wir auch aufhören, von Wasserstoff als Zukunftstechnologie zu sprechen. Wir dürfen nicht länger in die Falle tappen, zu sagen: Das ist heute noch nicht wirtschaftlich genug oder etwas für später. Wir brauchen jetzt erst mal Atom oder Kohle als sogenannte Brückentechnologien. - Diese Debatte, sehr geehrte Damen und Herren, habe ich so was von satt! (Beifall bei den GRÜNEN) Im Gegenteil. Das Aus der Kohle- und Atomenergie ebnet erst den Weg für etwas Neues, insbesondere, weil so hohe Subventionen dranhängen. Ja, wir werden noch eine Weile Gas brauchen. Aber statt nur fossile Technik als Wasserstoff-ready zu labeln, fördern wir heute eben auch die Realisierung von handfesten Wasserstoffprojekten in unserem Land, und das auch dezentral; denn Wasserstoffentwicklung reizt Forschung an, schafft weitere Expertise und stärkt auch Standorte. Wir müssen, wie damals beim EEG, die Rahmenbedingungen so setzen, dass die Technologie, die wir brauchen, heute wirtschaftlich ist, damit wir sie morgen in großem Umfang nutzen können. Daher freue ich mich sehr, dass die Ausführungen unseres Ministers Meyer in die richtige Richtung weisen und Niedersachsen mit seiner Förderung eine ganze Reihe konkreter Wasserstoffprojekte auf den Weg bringt. Ich freue mich umso mehr, weil dies nicht allein aus niedersächsischen Taschen finanziert wird, sondern sinnvollerweise an die Förderung von Bund und EU gebunden ist. Klar ist, mit dem Aufbau der Wasserstofftechnik münzen wir unseren Vorsprung bei den Erneuerbaren und unseren Standortvorteil mit der Küste in niedersächsisches Know-how, Forschung und Entwicklung und auch dauerhafte Arbeitsplätze um. Weiter so! Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN und Zustimmung bei der SPD) Vizepräsidentin Barbara Otte-Kinast: Vielen Dank. - Damit ist die Fragestunde für diesen Tagungsabschnitt beendet.
