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Julia Willie Hamburg

GRÜNE 26.02.2025 5:16 min Tagungsabschnitte 19/23

Die Fachkräfte von morgen brauchen jetzt unsere bestmögliche Unterstützung - berufliche Orientierung an niedersächsischen Schulen ausbauen und weiterentwickeln!

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bereits 2018 wurde in Niedersachsen mit einem neuen Berufsorientierungserlass ein großer Meilenstein gelegt. Trotzdem konnten wir in den letzten Jahren sehen, dass immer noch viel zu viele Schülerinnen und Schüler am Ende ihrer Schulzeit nicht wissen, was sie werden wollen. Das können wir schlichtweg nicht akzeptieren. Vor diesem Hintergrund hat die Landesregierung entschieden, eine Evaluation des Berufsorientierungserlasses vorzunehmen, und in der Folge in Werkstattgesprächen mit den Unternehmen, den Schulen, den berufsbildenden Schulen sowie vielen Verbänden über die konkrete Umsetzung und Verbesserung der Berufsorientierung in Niedersachsen zu sprechen. Ich möchte allen Beteiligten ganz herzlich dafür danken, dass Sie sich mit viel Zeit und Ideenreichtum eingebracht haben. Auch meinem Fachreferat möchte ich danken, dass es viele der Impulse künftig aufnehmen will. Vielen Dank dafür. Uns ist es wichtig, dass die Maßnahmen, die in einem Berufsorientierungserlass geregelt werden, am Ende auch wirklich umgesetzt werden. Wenn er am Ende in der Praxis nicht funktioniert, ist er das Papier nicht wert, auf dem er steht. An dieser Stelle möchte ich mich bei SPD und Grünen bedanken, dass sie mit ihrem Antrag zeigen, dass sie den Verbänden sehr gut zugehört haben, und wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Berufsorientierung gesetzt haben. Die Stärkung der Verbindlichkeit von Berufsorientierung in allen Schulformen ist ein Thema, das unglaublich wichtig ist und von allen Seiten genannt wurde. Allerdings muss das zwangsläufig damit einhergehen, dass Schulen mehr Freiräume und mehr Autonomie, mehr Flexibilität bei der Frage der Organisation von Berufsorientierung erhalten. Es bringt nichts, wenn alle Schulen in der gleichen Woche im Februar Praktika anbieten. Manch ein Schüler, manch eine Schülerin in der 8. oder 9. Klasse hat auch anderes im Kopf als Mathematik. Da könnte es helfen, stattdessen in einen Betrieb oder in einen Beruf zu gehen. Ein Praktikum könnte dabei unterstützen, zu verstehen, warum er oder sie eigentlich Mathematik lernen sollte. Ich bin sehr dankbar für die Forderung, die Kompetenzfeststellungsverfahren an dieser Stelle noch einmal zu überprüfen und noch einmal sehr systematisch zu implementieren. Wir werden das aufnehmen, Kompetenzfeststellungsverfahren vorgeben und mit den Lehrkräften implementieren, damit diese am Ende in der Schule auch tatsächlich eine Wirkung entfalten. In dem Zuge, Herr Reinken, würde ich gern noch einmal sagen: Natürlich setzen wir auch auf digitale Tools im Bereich der Berufsorientierung. Es wäre ja auch absurd, wenn wir das nicht täten. Niedersachsen ist ganz vorn mit dabei - gemeinsam mit dem Bund und weiteren Ländern -, eine Berufswahlapp zu programmieren und stetig weiterzuentwickeln sowie die Kompetenzfeststellungsverfahren digital durchzuführen. Das möchte ich ganz deutlich betonen. Die berufsbildenden Schulen haben mittlerweile mit ihren vollzeitschulischen Schulformen noch einmal eine ganz andere Aufgabe, Berufsorientierung mitzudenken. Wir wollen sie noch viel stärker als Motor für Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen nutzen. Am Ende muss es auch darum gehen, die vielen tollen Best-Practice-Beispiele, die wir schon im Land haben, noch viel bekannter zu machen. Denn natürlich soll sich nicht jede Schule alles selber ausdenken und das Rad neu erfinden müssen. Aber: Die Eigenverantwortliche Schule wurde von Kultusminister Althusmann eingeführt, und ich denke, wir alle sind uns einig, dass es gut ist, Entscheidungen vor Ort zu treffen. Herr Reinken, es ist ja das Wesen des Landtags, dass er Leitlinien beschließt, und das Wesen eines Ministeriums, die Umsetzung zu organisieren. Wir tun gut daran, Schulen und Unternehmen zu bestärken, eigene regionale Lösungen zu finden, und die Verwaltung ihre Arbeit machen zu lassen. Wir machen sie nämlich gerne und in diesem Bereich, wie ich finde, auch wirklich gut. Natürlich ist die Gleichwertigkeit von Studium und Berufsbildung ein Thema, das uns sehr wichtig ist. Deshalb möchte ich Sie alle motivieren, im März an der „Woche der beruflichen Bildung" teilzunehmen und auch selber zu Unternehmen und berufsbildenden Schulen zu fahren, um darauf aufmerksam zu machen. Den Aspekt, auch Eltern stärker in den Blick zu nehmen, finde ich sehr wichtig. Denn 70 % aller Schülerinnen und Schüler lassen sich ganz maßgeblich von den Eltern bei der Berufsorientierung beeinflussen. Insofern bringt der Antrag sehr gute Impulse für die Weiterentwicklung der Berufsorientierung auf den Weg. Ich bin zuversichtlich, dass unser Erlass das entsprechend ausfüllen wird. Ich möchte deswegen SPD und Grünen für den Antrag danken, aber auch der CDU dafür, dass sie das Thema so priorisiert und hier immer wieder Impulse setzt. Wir bleiben natürlich an dieser Stelle nicht stehen, sondern müssen uns immer weiterentwickeln, weil das Thema einfach unglaublich schnelllebig ist. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen jetzt eine gute Abstimmung. Vielleicht, liebe CDU, können Sie sich ja doch noch dafür erwärmen, diesen Antrag zu unterstützen. Denn wenn Sie ehrlich sind, müssen Sie zugeben, dass er viele Punkte enthält, die Sie mittragen können. Und hier ein geschlossenes Bild abzugeben, mag auch mit Blick auf die öffentliche Wirkung im Land eine gute Idee sein. Vielen Dank.

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