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Olaf Lies

SPD 08.10.2025 4:39 min Tagungsabschnitte 19/28

Machtmissbrauch und sexueller Belästigung in der Filmbranche entgegentreten

Olaf Lies. Bitteschön! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir reden hier über ein Nulltoleranzthema, welches unumstritten verstärkte Aufmerksamkeit erfordert. Deswegen bedanke ich mich für den Antrag, für die wertvolle Debatte und ich glaube, das darf man nach den Reden hier sagen für die breite Zustimmung, die dieser Antrag hier erfährt. Er betrifft ein zentrales Thema, über das an vielen Stellen gar nicht gesprochen wird. Ich will einmal sagen: Ein respektvoller Umgang in der Arbeitswelt ist nicht „nice to have", sondern muss ein unverhandelbarer Anspruch sein, egal in welcher Branche. Die Folgen von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung sind für die Betroffenen höchst belastend, und oft sind sie damit allein. Machtmissbrauch zerstört Vertrauen und nimmt den Beschäftigten Sicherheit. Ich glaube, wir sind uns einig: Niemand sollte Angst haben müssen, am Arbeitsplatz Grenzen setzen zu müssen, weil ein Mensch seine Position ausnutzt. Arbeit muss ein Raum der Würde sein. Hierzu braucht es Verantwortung und sichere Strukturen. Es braucht klare, verbindliche Regeln, die die Betroffenen schützen, und eine vertrauliche, unabhängige Anlaufstelle. Genau darum geht mit Blick auf die Filmbranche. Man sollte eigentlich denken: Das ist doch eine kreative Branche, in der es solche Probleme gar nicht gibt. - Aber viele öffentlich gewordene Fälle machen deutlich, dass hier besonderer Handlungsbedarf besteht. Ich glaube, wir alle haben, wenn wir einen Film sehen, den Anspruch, dass die Produktion unter Regeln erfolgt ist, wie wir sie erwarten. Deswegen ist es vollkommen richtig, sich diesem Thema ganz gezielt zu widmen. Ich bin daher sehr froh, dass sich die Filmschaffenden in Niedersachsen an der bundesweiten Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt „Themis" in Berlin orientieren, die 2018 im Zuge der Me-too-Debatte eingerichtet wurde. An diese Stelle wenden sich Betroffene; sie erwarten von uns, dass wir uns kümmern. Die niedersächsische Filmförderung steht für ein diskriminierungsfreies Umfeld und begrüßt die vertrauensvolle Arbeit der Themis ausdrücklich. Ich finde es richtig, dass wir uns mit der Frage beschäftigen: Wir sorgen wir eigentlich dafür, dass dort, wo wir Filmförderung gewährleisten, die Regeln und Standards eingehalten werden? Das muss unser Anspruch sein. Deswegen ist es gut, dass wir die Themis haben, dass die Beratung stattfindet. Sie berät juristisch und psychologisch, kostenlos, vertraulich und unabhängig. Sie begleitet auch, wenn es darum geht, sich gegenüber Unternehmen durchzusetzen. Wenn Fälle sexueller Belästigung aufgetreten sind, berät sie auch die Arbeitgebenden, Zeuginnen, Vertrauenspersonen und Gleichstellungsbeauftragte. Aber wir sind uns doch einig darüber, dass es so weit gar nicht kommen dürfte. Deswegen ist es richtig, dass aus der Branche heraus ein Respect Code Film entwickelt wurde. Es handelt sich um ein breit aufgestelltes Regelungswerk, welches alle möglichen Arten unangemessener Handlungen am Set aufführt. Wahrscheinlich gibt es in der Filmbranche eben eine besondere Situation, die wir explizit betrachten müssen und für die wir Regeln brauchen. Ziel des Respect Code ist, ein professionelles und von gegenseitigem Respekt geprägtes Arbeitsumfeld für die in Film- und Fernsehproduktionen Beschäftigten ungeachtet dessen, ob sie frei oder abhängig beschäftigt sind sicherzustellen, ein angstfreies und unterstützendes Arbeitsumfeld zu fördern, ein positives Arbeitsklima herzustellen und trotz der Hierarchien, die es bei der Arbeit am Set gibt, Kommunikation auf Augenhöhe zu ermöglichen. Es ist also gut, dass wir einen solchen Respect Code haben. Es ist, glaube ich, von Vorteil, dass der Code aus der Branche heraus entwickelt wurde, gerade auch von den Beschäftigten und ihren Vertretern sowie von den Unternehmen selber. So stößt er bei denjenigen, die ihn am Set anwenden sollen, auf Akzeptanz. Der Code ist bei allen Filmförderungen auf große Anerkennung gestoßen. Wie prüfen gerade, wie in einem Prozess sichergestellt werden kann, dass er immer Anwendung findet. Diejenigen, die diesen Respect Code anwenden, unterstützen wir. Wenn ich eine Produktion sehe, würde ich, ehrlich gesagt, gerne wissen, ob dieser Respect Code eingehalten wurde. Ich glaube, das ist ein wichtiges und starkes Merkmal. Ich bin zuversichtlich, dass sich diese Agenda bundesweit durchsetzt und der Respect Code am Ende dazu führt, dass er breite Unterstützung findet und alle sich ihm anschließen. Es ist gerade schon einmal gesagt: Würde, Respekt und Verantwortung sind für uns in der Filmbranche und überall in der Arbeitswelt unverhandelbar. Herzlichen Dank für den Antrag und die breite Zustimmung.

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