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Uwe Dorendorf

CDU 08.11.2023 6:12 min Tagungsabschnitte 19/11

Den Bestand des Europäischen Mufflons in Niedersachsen erhalten: Konsequenter Naturschutz setzt aktives Wolfsmanagement voraus!

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn es um den Schutz des Wolfes geht, führen wir hier sehr emotionale Debatten. Es gibt aber ‑ und das sollten wir nicht vergessen ‑ auch andere heimische Wildtierarten, die es zu schützen gilt. ‑ Danke. Ja, zum Beispiel. Die Hegepflicht nach § 25 des Bundesjagdgesetzes obliegt auch den öffentlichen Stellen. Dieser Pflicht kamen sie in der Göhrde zu spät nach. Das Sichern bzw. Fangen des Muffelwilds durch die Landesforst wurde zu spät eingesetzt. Da gab es schon kein Muffelwild mehr. Wir hatten im Hochwildring Göhrde ca. 250 bis 300 Stück Muffelwild, im Hochwildring Gartow 50 bis 70 Stück. - Durch den Wolf ausgerottet! Das ist sehr ärgerlich, weil wir hier Muffelwild mit der reinsten DNA hatten. Es wurde 1903 ausgewildert. Das war vor 120 Jahren. Darum gilt wie bei anderen Wildarten die Gesetzmäßigkeit ‑ ich wiederhole es einmal: die Gesetzmäßigkeit ‑, dass das Wild, das länger als 100 Jahre durch unsere niedersächsischen Wälder streift, als heimische Wildart gilt. Leider wird das durch die Fraktion der Grünen regelmäßig bei jeder Gelegenheit falsch dargestellt. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, wird in Zukunft ganz Niedersachsen betreffen. Denn überall, wo sich der Wolf aufhält, hat das Muffelwild keine Chance, sich zu erhalten. Je weiter der Wolf sich im Süden ausbreitet, desto weiter gehen auch dort die Muffelwildbestände zurück, bis es in Niedersachsen nicht mehr anzutreffen ist. Zum Schutz des einen Tieres soll hier also das Aussterben einer anderen Art hingenommen werden. Wir befinden uns bereits mitten in diesem Prozess. Deshalb können wir die Verantwortung nicht auf andere Stellen abschieben, sondern müssen mit dem Wissen von Praktikern vor Ort und Wissenschaftlern zusammen Pläne erstellen, die den Erhalt des Muffelwildes hier bei uns in Niedersachsen sicherstellen. Auf Dauer wird es aber nicht nur dem Muffelwild so gehen. Das sehen wir auch bereits an der Entwicklung des Damwildes in unseren heimischen Wäldern. In Niedersachsen gibt es auch Gebiete, in denen es kein Damwild mehr gibt, weil der Wolf auch diese Wildart schon ausgerottet hat. Deshalb brauchen wir konkrete Pläne, die nicht nur den Wolf, sondern auch unsere anderen Wildtierarten vor diesem schützen. Eine Anhörung von Experten und Wissenschaftlern wurde mit den Stimmen der Regierungskoalition abgeschmettert. Stattdessen soll der Auslöschung des Muffelwilds zugesehen werden. Richtig ist ‑ das möchte ich auch an dieser Stelle noch einmal betonen ‑, dass es ohne ein aktives Wolfsmanagement nicht geht. ‑ Es ist mir hier vorne links etwas zu laut. Entschuldigen Sie, Herr Präsident, dass ich das sage. Es ist ein bisschen laut von Ihrer Seite her. ‑ Gerne. Das nehme ich auch an. ‑ Ja, genau so ist es. Das sagt der Richtige. Ich finde es gut, dass Sie das bestätigen. Genau das fordern wir bereits seit Jahren. Wir dürfen aber nicht weiter die Augen vor diesen Problemen verschließen, sondern wir müssen uns an den Fakten orientieren und entsprechend handeln. An Daten und Fakten halten - das hat auch der Umweltminister Meyer im Umweltausschuss am 4. September gefordert. Herr Minister Meyer, als Sie dann die Populationszahlen der Wölfe vorstellten, nutzten Sie wieder Zahlen, Daten, Fakten aus ‑ ich weiß nicht ‑ 2021, 2020, 2019? - Donnerwetter! Sie sprachen von 150 Wölfen und 120 Welpen, das heißt von ca. 270 Wölfen. Wo? In drei Landkreisen? Aber doch nicht in ganz Niedersachsen! Ich machte Sie auf die neuesten Zahlen des Wolfsmonitoring der Landesjägerschaft aufmerksam. Monitoringjahr 2021/2022: 34 Rudel, 12 Wolfspaare, 3 residente Wölfe; Monitoringjahr 2022/2023: 40 Rudel, 5 Paare, 2 residente Wölfe; Monitoringjahr 2023, 3. Quartal: 50 Rudel, 4 Paare, 1 residenter Wolf. Donnerwetter! Das sind ein bisschen mehr als 270 Wölfe. Sie aber beharrten darauf, dass die Zahlen vom NLWKN richtig seien. Das ist dann Ihre Wahrheit. Und wenn Sie Ihre Zahlen so nach Berlin melden, dann wissen wir jetzt schon, wohin das Ganze führt. Das Umweltministerium in Berlin ist leider auch in grüner Hand. Na klasse! Ich bin aber froh; denn es gibt einen Punkt, der mich wirklich motiviert. Und das ist der Ministerpräsident ‑ das meine ich ehrlich, das meine ich wirklich ehrlich ‑, weil er das zur Chefsache gemacht hat. Herr Ministerpräsident, ich schätze Sie wirklich sehr - als Privatperson! Ich finde es klasse, Herr Ministerpräsident, dass Sie das genauso sehen wie ich. Denn dem Umweltminister Meyer kann man nach den Erfahrungen hier im Haus in punkto Wolf überhaupt nicht trauen. Das eint uns. Es geht uns um die Sache. Und darum brauchen wir hier in Niedersachsen, aber noch mehr in Berlin für unsere Nutztierhalter, Pferdefreunde, aber auch für die anderen beschriebenen Tierarten pragmatische Lösungen. Ein aktives Wolfsmanagement wird durch den Schutz des Muffels nicht entbehrlich. Bis ein solches allerdings besteht und seine Wirkung zeigt, brauchen wir Lösungen, die andere Wildtierarten wie das Muffel- und Damwild konkret vor der Auslöschung durch den Wolf schützen. Lassen Sie uns deshalb die notwendigen Maßnahmen nicht erst dann ergreifen, wenn es bereits zu spät ist, sondern aktiv zum Schutz des Muffelwilds beitragen! Wer ehrlichen Tier- und Naturschutz verfolgt und dabei nicht ausschließlich den Wolf, sondern die Gesamtheit unserer heimischen Wildtiere im Blick hat, der sollte sich auch für den Erhalt der Muffelbestände einsetzen. Die Beschlussempfehlung des Ausschusses ist deshalb abzulehnen. Vielen Dank.

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