Thore Güldner
Von Lootboxen zu problematischem Glücksspiel? Jugendschutz und Suchtprävention konsequent umsetzen und simuliertes Glücksspiel regulieren
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich sollte hier heute an meiner Stelle wie in der ersten Beratung der Kollege Dennis True stehen, jemand, der die Chancen des Gamings, die Herausforderungen der Branche, aber auch die Risiken von Spielmechanismen wie Lootboxen oder anderen Pay-to-Win-Absichten in den Fokus der politischen Debatte rücken wollte, jemand, der aus seiner persönlichen Lebenserfahrung heraus innerhalb unserer Fraktion überhaupt erst ein Bewusstsein für dieses Thema geschaffen hat und auch jene davon überzeugte, die vielleicht nicht einen tagtäglichen Zugang zum Gaming hatten. Viel zu früh musste Dennis True nach seiner schweren Erkrankung von uns gehen. Er fehlt in dieser Mitte, er fehlt uns, und auch sein Einsatz für Themen wie diese wird fehlen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wenn dieser Antrag, über den wir heute beschließen werden, sicherlich nur ein kleiner Mosaikstein in der politischen Debatte ist und angesichts der großen globalpolitischen Herausforderungen erst recht klein wirken mag, so steht er doch sinnbildlich für das, was Politik im Kern ausmacht, nämlich dass hinter politischen Initiativen Menschen wie Dennis True stehen, Menschen, die aus ihrer eigenen Erfahrung oder aus der ihres Umfeldes heraus Probleme erkennen, analysieren und Lösungen entwickeln, um auch wenn es pathetisch klingen mag das Leben ein Stück weit besser oder sicherer zu machen. Lassen Sie uns das bei all den Debatten, die wir hier auch in aller Schärfe führen, nicht vergessen! Lasst uns Menschen wie Dennis True nicht vergessen! Liebe Kolleginnen und Kollegen, es freut mich auch deshalb, dass es uns mit den demokratischen Fraktionen gelungen ist, einen gemeinsamen Weg im Umgang mit Lootboxen und all ihren Herausforderungen zu skizzieren. Lootboxen unterliegen in Deutschland nur wenigen Regulierungen. Auch wenn die USK sich in den vergangenen zwei Jahren stärker dem Schutz von Jugendlichen vor Lootboxen gewidmet hat, so besteht nach wie vor ein eindeutiger Handlungsbedarf, und zwar aus vielerlei Gründen. Der wichtigste ist: Viele Games mit Lootboxen enthalten die für Glücksspiel typischen unsicheren Gewinnwahrscheinlichkeiten, gepaart mit intransparenten Ausschüttungsquoten. Auch wenn die Lootbox im juristischen Sinne nicht per se Glücksspiel darstellt, so ist sie doch sehr ähnlich angelegt und begünstigt die Entwicklung eines möglichen Suchtverhaltens bei den Spielerinnen und Spielern mit teils dramatischen Folgen, gerade bei unseren Jüngsten. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, mir ist wichtig, klarzumachen, dass wir mit diesem Antrag nicht das Gaming, nicht die In-Game-Käufe und dem Grunde nach auch nicht die Lootboxen per se verteufeln wollen. Wir wollen auch keine Verbotsorgie und den Publishern nicht das Geldverdienen untersagen. Was wir wollen, sind klare Transparenzregeln und der Schutz unserer Kleinsten - so, wie wir ihn ja bei physischen Spielautomaten auch ganz selbstverständlich leben. Ich finde, deshalb könnten wir alle heute hier diesem Antrag zustimmen. Ich würde mich über diese Zustimmung freuen. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.
