Christian Fühner
Streitfall BFS Dual - Ministerin verspielt weiter Vertrauen und Rückhalt
Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Das Reformvorhaben BFS dual ist einmal mit einem klaren Anspruch gestartet: mehr Praxisnähe, mehr Orientierung, mehr Durchlässigkeit und eine echte Stärkung der dualen Ausbildung in Niedersachsen. Die Grundintention war und ist richtig. Aber das, was die Ministerin daraus gemacht hat, ist ein einziges bildungspolitisches Chaos. Frau Hamburg, während Ihrer gesamten Amtszeit begleitet Sie dieses Thema BFS dual bereits, und Sie haben es immer links liegen gelassen. Sie haben die Kritik, die immer mal wieder von Schulleitern gekommen ist, zwar wahrgenommen, Sie haben auch die großen kommunikativen Probleme aufgenommen, aber gehandelt haben Sie nicht. Sie haben bei dem Thema immer zugeschaut, und Sie haben es einfach laufen lassen. Bis jetzt! Jetzt kommt die Vollbremsung bei voller Fahrt. Mit Schreiben vom 16. Februar 2026 hat Frau Hamburg die berufsbildenden Schulen nicht nur informiert, nein, sie hat sie vor den Kopf gestoßen. Mitten im laufenden Anmeldeverfahren, mitten in Beratungen mit Eltern und Schülerinnen und Schülern, mitten in den Vorbereitungen für das kommende Schuljahr werden grundlegende Änderungen verkündet. Es wird ein System eingestampft, in das tausende Lehrerstunden Arbeit eingeflossen sind - und das ohne eine ausreichende Konkretisierung, ohne belastbare Übergangsregeln und ohne jede erkennbare Sensibilität für die Folgen vor Ort! An den berufsbildenden Schulen wurde in den vergangenen Jahren mit Hochdruck an BFS dual gearbeitet - freiwillig, mit hohem Engagement, aber teilweise auch unter dem Druck aus dem Ministerium. Lehrkräfte haben Konzepte entwickelt, Unterricht umgestellt, Curricula erarbeitet, Beratungssysteme aufgebaut, mit den Betrieben Kooperationen vereinbart und jungen Menschen eine Perspektive eröffnet. Viel Arbeit und viel Leidenschaft ist von Lehrkräften investiert worden. Ein Schulleiter hat mir jetzt am Telefon berichtet, dass einer Lehrkraft sogar Tränen gekommen sind, als sie den Brief von Ministerin Hamburg gelesen hat. Frau Kultusministerin Hamburg, so geht man nicht mit Schulen um! So geht man auch nicht mit Lehrkräften um! Und so geht man schon gar nicht mit jungen Menschen um, die sich auf einen bestimmten Bildungsweg verlassen, die ihren Realschulabschluss machen wollen und das jetzt nicht mehr tun können! Selbst SPD und Grüne kritisieren die Kultusministerin schon öffentlich: Frau Nzume bedauert, dass jetzt so viel Verunsicherung da ist; immerhin bedauert sie, was die Ministerin hier verzapft hat. Frau Lansmann geht noch weiter: Sie kündigt an, dass sie mit der Ministerin reden will, dass man einen Weg finden will, wie man vielleicht doch eine Lösung finden kann. Frau Lansmann, Sie sind ja gleich dran, Sie können ja mal sagen, ob Sie wirklich mit der Ministerin gesprochen haben, was das Ergebnis war und ob es jetzt noch eine Lösung geben kann. Ich kann nur sagen: Alles ist bisher unklar. Das Einzige, was Sie auf den Weg gebracht haben, ist dieser Brief und eine Kachel bei Instagram, und die Schulen haben tausende Fragen und sind völlig frustriert von Ihrer Arbeit, Frau Ministerin. Das ist ein Riesenschaden, den Sie hier angerichtet haben. Die Folgen, die jetzt in den Schulen nachgearbeitet werden müssen, trägt nicht die Kultusministerin. Die Folgen des nicht vorhandenen Organisationstalents dieser Kultusministerin müssen die Lehrkräfte tragen; sie müssen jetzt nacharbeiten. Die Folgen müssen die Betriebe tragen, weil diese die bisherigen Strukturen anpassen müssen. Die Folgen dieser Arbeit der Ministerin müssen Schülerinnen und Schüler tragen, die jetzt völlig verunsichert sind, weil sie sich darauf verlassen haben, dass sie ihren Realschulabschluss machen können, und ihn jetzt nicht mehr auf diesem Wege erreichen. Was wir jetzt von Ihnen erwarten, Frau Ministerin, ist erstens eine vollständige und ehrliche Begründung, warum diese Kursänderung jetzt zu diesem Zeitpunkt vorgenommen wurde. Und wir erwarten das wäre das Mindeste, dass Sie sich bei den vielen Lehrkräften, die tausende Lehrerstunden in diese Arbeit gesteckt haben, für diesen Murks, den Sie da fabriziert haben, einfach entschuldigen. Zweitens fordern wir sofortige und rechtssichere Übergangsregelungen. Geben Sie den Schulen doch die Möglichkeit! Es gibt Schulen, die betteln förmlich danach, dass Sie ihnen die Perspektive geben, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Sie reden ständig von Freiräumen. Jetzt können Sie wirklich mal Freiräume schaffen und den Schulen sagen: Dann geht den Weg bitte weiter, ich möchte euch gar nicht stoppen. - Aber genau das ist bis heute nicht passiert. Machen Sie das einfach! Wir bitten Sie aufrichtig darum, dass die Arbeit nicht umsonst war, sondern dass die Schulen das jetzt im Rahmen ihrer Freiräume einfach mal machen können, Frau Ministerin. Drittens erwarten wir von Ihnen, Frau Ministerin, dass Sie Verantwortung für dieses Chaos übernehmen und dass das auch im Ministerium Folgen hat, damit es dort mit diesem Chaos so nicht weitergeht, dass Sie mal aufräumen, personelle Entscheidungen treffen und endlich eine vernünftige Abteilung auf den Weg bringen, die es ernst mit den berufsbildenden Schulen meint und in Zukunft eine vernünftige Organisation auf den Weg bringt. Was da in den letzten Jahren gelaufen ist, muss Folgen haben, und wir fordern Sie auf, dass das auch nicht folgenlos bleibt. Sie können es gleich erklären. Herzlichen Dank.
