Dr. Frank Schmädeke
Kranichnistplätze sichern - Moorflächen von beeinträchtigendem Bewuchs befreien
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Queckemeyer, wenn ein Moor wirklich intakt ist, weiden darauf keine Schafe, und dann gibt es dort auch keine Wölfe. - So viel schon mal vorweg. Meine sehr geehrten Damen und Herren von der AfD, auch wenn gegen die in Ihrem Antrag aufgezählten Tatsachen ‑ Sie müssen wirklich den Antrag lesen ‑ auf den ersten Blick kaum etwas einzuwenden ist, so ist eine immer wiederkehrende Beseitigung der Verbuschung, wie Sie es in Ihrem Antrag fordern, letztendlich eine kostspielige Beseitigung der Symptome eines nicht aktiven und nicht intakten Moores. Wir alle wissen, dass die Kraniche eine Verbuschung ihrer Rastplätze nicht schätzen. Die Verbuschung des Moores ist aber ein deutliches Symptom dafür, dass das Moor selbst nicht intakt ist. Und das müssen wir ändern. Nach einer temporären Beseitigung der Büsche, wie Sie es fordern, steigen vielleicht die Rast- und Nistplatzzahlen der Kraniche. Aber auf dem kranken Moorkörper regeneriert sich die Verbuschung infolge der Eutrophierung und des Wassermangels schneller, als es dem Kranich, dem Moor und letztendlich auch dem Steuerzahler aufgrund der nächsten anstehenden Entbuschung oder Entkusselung lieb sein dürfte. Meine Damen und Herren, unsere Moore sind keine Zoos, in denen wir Tiere in Gehegen einen möglichst naturidentischen, aber künstlichen Lebensraum zur Verfügung stellen, in dem sie sich bei höchstmöglichen Tierschutzstandards rundum wohlfühlen, um dann die Besucher zu erfreuen. Ich glaube, aus der Richtung kommt auch die Beschwerde, was die Kraniche angeht. Das Rehdener Geestmoor ist mir aus meiner beruflichen Vergangenheit und auch als Erholungssuchendem bestens bekannt. Ich möchte nicht erleben, dass es zu einem künstlichen Habitat nur für Kraniche degradiert wird. Denn wenn wir es mit dem Moor und dem Klimaschutz wirklich ernst meinen, dann muss es uns um das Moor als Ganzes gehen. Verehrte Kolleginnen und Kollegen von der AfD, ich sage Ihnen: Nur weil Sie die Fassade streichen und die Büsche weghacken, ist das Haus noch lange nicht saniert. Für die anstehenden und laufenden Sanierungen unseres Moores müssen wir uns immer die Funktionalität und die Wechselwirkungen des gesamten Biotops vor Augen führen. Klein in Klein nutzt hier überhaupt keinem. Moor muss in seiner gesamten Komplexität angesehen und behandelt werden und da, wo es möglich ist und wo es die dort Heimischen wollen, in seinen natürlichen Zustand zurückversetzt werden. Denn nur dann können sich die Kraniche dort in einem nachhaltig stabilen und natürlichen Biotop wohlfühlen. All unsere Moorflächen haben vielfältige Funktionen. Sie sind Refugium für seltene Arten, Wasserspeicher, Kohlenstoffspeicher gegen den Klimawandel, Naherholungsgebiete und Tourismusdestinationen, Produktionsgrundlage vieler Betriebe, Lebensgrundlage und Heimat vieler Menschen und auch Nist- und Rastplätze für Kraniche. Viele dieser Gebiete haben mit den Herausforderungen zu kämpfen, die die Jahre der Trockenheit mit sich gebracht haben. Meine lieben Kollegen und Kolleginnen von der AfD, lieber Herr Queckemeyer, nun möchte ich Ihren Antrag einmal in einen Gesamtkontext stellen. Ich kann Ihnen attestieren, dass Sie mit Ihrem schmal angelegten Antrag in Sachen Moorentwicklung voll und ganz hinter dem Zug liegen, und bin der Überzeugung: Hätten Sie vieles von dem, was Sie eben gesagt haben, in Ihrem Antrag verfasst, hätte er anders ausgesehen. - Ich beziehe mich jetzt auf den Antrag und vergleiche das mit dem, was vor Ort Sache ist. Der Landkreis Diepholz hat die Natura-2000-Gebiete, von denen viele in der Diepholzer Moorniederung gelegen sind, fristgemäß gesichert und dabei auch die ersten Managementpläne erarbeitet. In diesen Plänen sind die Maßnahmen beschrieben ‑ sie sind zum Teil auch bereits umgesetzt ‑, die erforderlich sind, um die Lebensraumtypen der Arten der FFH-Gebiete zu sichern und deren Zustände zu verbessern. Diese Pläne, meine Damen und Herren, bilden die Grundlage für die Entwicklung der Gebiete im moortypischen Sinne. In diesen Plänen ist bereits das enthalten, was Sie heute fordern. Was wir vonseiten der CDU fordern, ist ein ganzheitliches Herangehen an das Thema Moormanagement, um die vielfältigen Funktionen unserer Moore zu erhalten. Daran müssen wir arbeiten; im Einklang mit den Interessen der beteiligten, vor Ort lebenden Menschen. Denn Moormanagement sollte immer die Partizipation der Menschen berücksichtigen, die dort zum Teil seit Generationen leben und arbeiten und in diesen Gebieten ihren Lebensunterhalt erwirtschaften. Ich möchte hier nicht vorgreifen, aber der CDU-Antrag, der am morgigen Freitag beraten werden wird, kann als Referenz dienen, um wichtige Aspekte aufzugreifen. Um unsere Moore zu renaturieren und dann auch als Moore zu erhalten, reicht es nicht aus, ein paar Birken, Traubenkirschen oder Kiefern zu entfernen. Nicht nur das von Ihnen angesprochene Rehdener Geestmoor ist in einem von Gesellschaft und Politik über 150 Jahre gesteuerten Prozess zu dem geworden, was es heute ist. Die Prozesse, die erforderlich sind, um diese Entwicklung in eine neue Richtung zu lenken und mit einem ganzheitlichen, in die Zukunft wirkenden Ansatz erfolgreich zu sein, beinhalten so zeitaufwendige Arbeiten wie die Flurneuordnung und die Neuordnung von Vorfluten, die bereits höchst erfolgreich in vielen unserer laufenden Flurbereinigungsverfahren angegangen und umgesetzt werden - aber eben nicht von hier auf gleich und auch nicht durch schnelle Aktionen zum Beispiel mit Säge, Spaten oder Beil. Ihr Antrag trifft es nicht. Er greift viel zu kurz und ist auch nicht sehr nachhaltig. Um es auf den Punkt zu bringen: Er packt das Übel nicht bei der Wurzel. Ich freue mich bereits jetzt auf die vielen Diskussionen im Fachausschuss zum Thema Moorschutz. Spätestens dann sollten Sie, meine Damen und Herren der AfD, die Schwächen des eigenen Antrages erkennen. Vielen Dank.
