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Lukas Reinken

CDU 08.10.2025 6:33 min Tagungsabschnitte 19/28

Lehrkräfteausbildung praktisch und vernetzt denken - Qualität stärken, Fachkräftemangel bekämpfen!

Was braucht Niedersachsen eigentlich für eine zukunftsfähige Bildungslandschaft? Der Bildungsforscher John Hattie hat zwar nicht für Niedersachsen, sondern ganz generell in seinen Studien gezeigt: Entscheidend sind motivierte, gut ausgebildete und engagierte Lehrkräfte, die eine Selbstwirksamkeit erfahren und diese an die Kinder, an die Schülerinnen und Schüler, weitergeben. Kein anderer Parameter stärkt den Bildungserfolg unserer Schülerinnen und Schüler so stark wie dieser. Das zeigt, wie wichtig eine gute Lehrkräfteausbildung tatsächlich ist. In der ersten Beratung des Antrages waren wir uns fraktionsübergreifend durchaus einig, dass eine bessere und praxisnähere Lehrkräfteausbildung ein wichtiges Ziel ist und bleibt. So hat Herr Meyn zum Beispiel ausgeführt das hat er auch heute gemacht, dass der oft erlebte Praxisschock durch mehr Praxis im Lehramtsstudium verhindert werden sollte. So weit, so richtig. In Wahrheit mussten wir im Ausschuss dann allerdings lernen: Mit dem vorliegenden Antrag soll es gar nicht mehr Praxis geben, sondern die bestehenden Praxisphasen sollen nur neu organisiert werden. So sieht aus unserer Sicht wirklich kein Aufbruch aus. Denn wirkliche Praxisnähe entsteht nicht durch Modulhin- und ‑herschieberei, sondern durch mehr Zeit im Klassenzimmer mit erfahrenen Lehrkräften, mit Feedback und mit Verantwortungsübernahme. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer Lehrkräfte stärken will, der muss mehr Praxis ermöglichen und nicht nur organisieren. Was es wirklich braucht, ist eben echte Praxis, etwa durch duale Lehramtsstudiengänge, wie sie auch andere Bundesländer bereits erproben. Das wäre eine wirkliche Erneuerung in der Lehrkräfteausbildung anstelle eines Hin- und Herschiebens von Praxiszeiten. Auch die zweite Phase der Lehrerausbildung, also das Referendariat, bleibt in Ihrem Antrag leider ein blinder Fleck. Sie haben zwar die Forderung aufgestellt, die zweite Phase zu innovieren und an zeitgemäße Schulentwicklung anzupassen. Aber das war es dann auch schon. Denn nach der Ausschussberatung ist klar: Mehr als diese Überschrift bleibt dann nicht übrig. Die zweite Phase wird bei Ihnen nur kursorisch erwähnt. Gerade ist angesprochen worden, man möchte das jetzt zukünftig machen. Ich glaube, ein vernünftiger Antrag hätte diese beiden Reformvorschläge miteinander verzahnt. Alles andere ist an dieser Stelle aus unserer Sicht überhaupt nicht zielführend. Dabei wissen wir doch alle: Gerade im Referendariat entscheidet sich, ob jemand dauerhaft im Schuldienst bleibt oder entnervt das Handtuch wirft. Genau an dieser Stelle, an dieser Schnittstelle zwischen Studium und Berufsalltag, braucht es Reformen. Es braucht da ein besseres Mentoring, eine vernünftige Feedback-Kultur in den Schulen, Entlastung von Bürokratie und Hinführung an den wirklichen Arbeitsalltag. Zu alledem schweigt der vorliegende Antrag leider komplett. Worin wir mit Ihnen einer Meinung sind das darf man auch herausstellen, ist die Forderung nach einem Quereinstiegs-Masterstudiengang. Das Thema Quereinstieg das wissen alle Kultuspolitiker beschäftigt uns im Kultusausschuss immer wieder, auch wenn die tatsächlichen Zahlen der Quereinsteiger noch hinter den Erwartungen zurückbleiben. Insofern ist es natürlich richtig, neue Möglichkeiten zu bieten, wie qualifizierte Menschen über den Quereinstieg in den Lehrerberuf geraten können. Das Ministerium hat in den Ausschussberatungen ausgeführt, es arbeite längst daran. Ihren Antrag hat es dafür nicht gebraucht. Ein Hebel ist auch die schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Ich glaube, wir alle kennen diese Fälle aus der Praxis in unseren Wahlkreisen. Es ist einfach unendlich schwer, als ausländische Lehrkraft an niedersächsischen Schulen tätig zu werden, sogar über den Weg des Quereinstiegs. Ihre Antwort in den Ausschussberatungen lautete: Man möchte auf ein bundesweit einheitliches digitales Antragsverfahren warten. Das ist aus meiner Sicht kein Konzept. Das ist Arbeitsverweigerung. Auch Niedersachsen könnte im eigenen Rechtskreis längst eigene Akzente setzen. Ein weiterer Punkt, der in Ihrem Antrag wirklich schmerzlich zu kurz kommt, sind die Themen Integration und Inklusion. Beides sind wirklich zentrale Themen für den Schulalltag an allen Schulen in Niedersachsen. Wer mit Lehrkräften spricht, hört immer wieder, dass gerade diese beiden Themen für viel Frust in den Lehrerzimmern sorgen, weil sich Lehrer damit allein und sich nicht gut genug vorbereitet fühlen, um mit Integration und Inklusion im Klassenzimmer umzugehen. Wir sprechen in diesem Tagungsabschnitt an anderer Stelle noch sehr intensiv über das Thema Inklusion. Ich kann Sie nur einladen: Nehmen Sie das Thema in den Schulen endlich ernst! In Ihrem Antrag wollen Sie lediglich prüfen, ob die digitalen Module zur Inklusion landesweit gebündelt werden können, also ob Lehrkräfte die Module, die es schon gibt, dann selbstständig abrufen können. Das ist bei diesem Thema doch kein Aufbruch, das ist eine Mangelverwaltung! Das Thema Digitalisierung ist gerade schon angesprochen worden. Es hat in der Rede von Herrn Meyn viel Raum eingenommen. Ich hätte mir gewünscht, dass es auch im Antrag, der heute vorliegt, Raum einnimmt. Dort wird lediglich davon gesprochen, dass man das Lehramtsstudium durch digitale Module bereichern will. Im Lehramtsstudium digitale Module anzubieten, heißt aber noch lange nicht, dass die Lehrkräfte anschließend auf eine digitale Schule vorbereitet sind. Zu diesem Thema schweigt Ihr Antrag vollständig. Das ist nicht ausreichend. Meine Damen und Herren, Sie wollen das Lehramt an Hauptschulen und Realschulen in ein Sekundarstufe‑I-Lehramt umwandeln. Alle Verbände von der GEW bis zum VNL sagen Ihnen: Das bringt überhaupt keine Verbesserung. - Sie schaffen im Grunde nur ein neues Etikett. Sie reiten weiter auf Ihrem toten Pferd Stufenlehramt. Selbst Ihr eigener grüner Finanzminister ist mittlerweile abgestiegen, und auch im Haushaltsentwurf 2026 ist nicht ein Euro dafür eingestellt. Hören Sie auf, hier diese Unwahrheiten zu erzählen! Denn eines ist sicher: Die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Schulen brauchen nun wirklich keine neuen Schulstrukturdebatten. Das Fazit der Beratung ist also: Viele schöne Worte, aber wenig Wirkung. Sie wollen keine zusätzlichen Praxisanteile. Sie wollen bei der Anerkennung ausländischer Lehrkräfte abwarten. Sie wollen neue Schulstrukturdebatten aufmachen. Wenig davon hilft in der Zukunft dabei, die Lehrkräfte auf einen Schulalltag vorzubereiten. Denn das, was die Lehramtsstudenten wirklich bräuchten, wären mehr Praxiszeit, eine zusammengedachte Reform der ersten und zweiten Phase der Lehrkräfteausbildung und einen Fokus auf komplexe Themen wie Inklusion, Integration und Digitalisierung. Bitte holen Sie einmal kurz Luft! Es gibt nämlich den Wunsch nach einer Zwischenfrage, und die Zwischenfrage muss während des Redebeitrags gestellt werden. Ich dachte, Sie müssen vor dem Ende Ihrer Rede mal kurz Luft holen, damit ich Sie fragen kann: Lassen Sie die Zwischenfrage des Kollegen Meyn zu? Gerne. Bitteschön! Das mache ich beim nächsten Mal. Touché!

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