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Christian Meyer

20.11.2025 26:42 min Tagungsabschnitte 19/29

Klimaziele, erneuerbare Energien und fossile Abhängigkeiten - welchen Beitrag leistet Niedersachsen zum ambitionierten Klimaschutz?

den Weg: Herr Meyer. Bitteschön! Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Während wir hier sitzen, ist sozusagen die heiße Phase der Weltklimakonferenz in Belém im Gange. Ich habe gelesen, die Europäische Kommission geht dort mit dem Vorschlag, der auch von Präsident Lula unterstützt wird, hinein, dass wir endlich einen weltweiten Ausstiegsfahrplan aus den fossilen Energien, aus Kohle, Öl und Gas, vorlegen müssen, um die Klimaziele zu erreichen. Der UN-Generalsekretär Guterres, der auch dorthin kommt, warnt: Wir sind auf dem Highway in eine sogenannte Klimahölle. ‑ Da können Sie von der AfD lachen. Angesichts dieser aktuellen Weltklimakonferenz bekennt sich Niedersachsen als Vorreiter der Energiewende und als hoch betroffenes Agrar- und Küstenland zu den weltweiten Klimazielen. Denn wir merken in der Landwirtschaft und in unseren Wäldern die Trockenheit und die Dürre. Wir hatten im März dieses Jahres nur 7% des Regens, den wir normalerweise haben. Genauso merken wir den Meeresspiegelanstieg. Das sind Milliardenkosten. Da mag die AfD noch so lachen und das alles wegleugnen. Die Menschen an der Küste wissen, dass die Klimakrise gerade für ein Küstenland eine große Bedrohung ist. Deshalb tun wir da in Niedersachsen sehr viel. Mit einem der ambitioniertesten Klimaschutzgesetze, das wir am Dienstag im Einvernehmen mit den Kommunen um die kommunale Wärmeplanung und die Klimafolgenanpassung erweitert haben, verfolgt Niedersachsen den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien und das Ziel der Klimaneutralität, welches bis 2040 erreicht werden soll. Zum Ziel der Treibhausgasneutralität 2040 sieht das Niedersächsische Klimagesetz Zwischenschritte vor. So sollen die Gesamtemissionen im Vergleich zum Jahr 1990 um 75 % bis 2030 und um 90 % bis 2035 gesenkt werden. Hinzu kommen Flächen- und Leistungsziele. Ende 2026 sollen 2,2 % der Landesfläche für die Erzeugung von Strom aus Windenergie ausgewiesen werden. Da sind wir übrigens dank vieler Kommunen auf einem sehr guten Weg. Bis 2033 soll nach unserem Klimagesetz 0,5 % der Landesfläche für Freiflächen-PV genutzt werden. Die installierte Leistung soll für Windenergie an Land bis 2035 30 GW und für PV-Anlagen 65 GW betragen. Zu der ersten Frage, welchen Stand wir bei der Treibhausgasreduktion in Niedersachsen erreicht haben und welche Fortschritte wir erwarten: Bis zum Jahr 2021 das ist leider das aktuellste Jahr der bundesweiten Statistik sind die Treibhausgasemissionen in Niedersachsen gegenüber 1990 um 25,2 % auf rund 75 Millionen t CO2-Äquivalent gesunken. Für die energiebedingten Emissionen, die 80 % ausmachen, liegt uns eine Schätzung aus dem Energiewendebericht für das Jahr 2024 vor. In den letzten zwei, drei Jahren haben wir vor allem durch den Turbo bei den erneuerbaren Energien eine Rekordsenkung erzielt. Bei den energiebedingten CO2-Emissionen haben wir jetzt im Vergleich zu 1990 eine Reduktion um fast 34 %. Der von der Landesregierung umgesetzte Turbo bei den erneuerbaren Energien durch das Beteiligungsgesetz, die Akzeptanzabgabe, die Task-Force Energiewende sowie die Transformation der Wirtschaft hat in den letzten drei Jahren zur größten Senkung bei den energiebedingten Treibhausgasemissionen in Niedersachsen geführt. Seit 2022 sind die CO2-Emissionen um rund 11 % gesunken. Das ist der stärkste Rückgang in Dreijahresschritten seit 1990. Deshalb kann man sagen: Niedersachsen ist auf Fahrt, die Klimaziele zu erreichen. Hauptgrund ist auch dank großer Unterstützung aus der Bevölkerung der Ausbau der erneuerbaren Energien Sie wissen das, aber ich wiederhole es immer wieder auf 102,4 % des Brutto-stromverbrauchs. Die AfD warnt ja immer vor Blackouts. Ich sage nur: Es ist alles stabil. Wir hatten übrigens vor zwei Wochen eine Dunkelflaute. In Niedersachsen gingen trotzdem alle Lichter, weil wir ein stabiles, auf erneuerbaren Energien basierendes Energiesystem haben, das jederzeit Energiesicherheit und günstige Preise gewährleistet. Das habe ich Ihnen ja auch erzählt, und Sie haben es gestern in der HAZ gelesen: Zum 1. Januar senken die Energieversorger die Strompreise deutlich. Das ist ein Erfolg: Die erneuerbaren Energien sind die günstigsten Energien gegenüber den fossilen Brennstoffen und verhindern auch eine Rückkehr zum atomaren Zeitalter. Wir haben nicht durch den Umstieg auf Kohle so viel eingespart, sondern durch den Rückgang der Nutzung fossiler Energien. Fossile Kraftwerke wie das Kohlekraftwerk Mehrum sind stillgelegt worden. Hannover-Stöcken wird bald, wie Sie wissen, folgen. Ich war letztens dabei, als wir hier in Hannover mit enercity Ersatzinvestitionen getätigt haben, die sicherstellen, dass man in den Stadtteilen klimaneutrale Wärme hat. Und wir sind auch bei der Elektrifizierung des Verkehrs erfolgreich. Mit der aktualisierten Klimaschutzstrategie hat die Landesregierung gezeigt, dass sie in allen Sektoren zu ihrer Verantwortung steht, die Klimaschutzziele einzuhalten. In 120 Einzelmaßnahmen manifestieren sich die gemeinsamen Anstrengungen. Wir haben den Turbo jetzt nicht nur bei der Energiewende gezündet, sondern auch in anderen Bereichen. Ich bin zum Beispiel der Innenministerin sehr dankbar. Sie haben gesehen: Niedersachsen geht bei den Polizeifahrzeugen voran, die alle auf Elektromobilität umgestellt werden. Auch dafür haben wir im Klimagesetz die Voraussetzungen geschaffen, dass die Landesverwaltung bei der Beschaffung vorangeht. Über die Sektorenkopplung wirken sich die Erfolge auch positiv auf die anderen Sektoren aus, indem der grüne Strom beispielsweise zum Heizen über Wärmepumpen, für die Fortbewegung oder die Elektrifizierung industrieller Prozesse wie etwa beim grünen Stahl in Georgsmarienhütte genutzt werden kann. Deshalb ist es auch so wichtig, dass der von Niedersachsen seit Langem geforderte Industriestrompreis jetzt hoffentlich schnell kommt. Darüber hinaus finanzieren wir beispielsweise die Transformation der Stahlindustrie mit erheblichen Mitteln. So werden wir in diesem wichtigen Industriezweig zum Vorreiter. Alleine die Maßnahmen, die wir bei der Salzgitter AG mit dem SALCOS-Projekt planen, haben eine erhebliche Senkung von Treibhausgasemissionen zur Folge. Mit einer angestrengten Emissionsminderung von 7,6 Millionen t CO2 können alleine mit dem Umstieg auf grünen Stahl 10% der Gesamtemissionen Niedersachsens eingespart werden. Das ist ein großer, gewaltiger Schritt. Ich bin der Salzgitter AG und den Beschäftigten sehr dankbar, dass wir dort den Kurs halten. Wir müssen jetzt mit grünen Leitmärkten dafür sorgen, dass der grüne Stahl in Windrädern, Autos und überall Verwendung findet. Weiterhin hat Niedersachsen ich habe gestern mit zwei Landräten gesprochen, mit einem von der CDU und mit einem von den Grünen, aus den Landkreisen Vechta und Osnabrück natürlich ein riesiges Potenzial in der Moorvernässung. Wir sind das Moorland Nummer eins. Der Landkreistag hat beschlossen das war der Cuxhavener Landrat, ähnlich wie beim Kohleausstieg, ganz viele Transfermittel in unsere ländlichen Räume zu bringen. Auch die Landwirtschaft ist bereit, aber es muss sich wirtschaftlich rentieren. Wir haben wir ein großes Potenzial beim natürlichen Klimaschutz, bei der Wiederbewaldung da machen wir ja im Harz sehr viel, bei der Moorvernässung, aber auch bei der Auenentwicklung oder Salzwiesenprojekten an der Küste. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts „Hannoversche Moorgeest" in der Region Hannover haben wir zum Beispiel gerade ein neues Projekt in der Region Hannover abgeschlossen, das wir auch mit Landesmitteln kofinanzieren und mit dem wir erheblich nicht nur zum Klimaschutz, sondern auch zum Wasserschutz, zum Naturschutz und zur Entwicklung ländlicher Räume beitragen. Es gibt umfangreiche Moorflurbereinigungen bei Nienburg oder Cuxhaven sowie erfolgreiche Vernässungen bei Gifhorn und im Emsland. Es sind zahlreiche weitere Moorprojekte durch Kommunen, Verbände und das Land in Planung. Ich war letzte Woche bei der Umweltministerkonferenz in Saarbrücken, und ich bin Carsten Schneider, dem Bundesklima- und ‑umweltminister, sehr dankbar, dass er es geschafft hat, das erfolgreiche Programm für den natürlichen Klimaschutz auf 5 Milliarden Euro aufzustocken. Wir alle warten darauf, dass die Moor-Richtlinie kommt. Sie liegt zurzeit zur Notifizierung bei der EU. Ich glaube, als Moor-, Wald- und Auenland können wir durch diese 5 Milliarden Euro sehr viele Investitionen nach Niedersachsen bringen und damit auch die Treibhausgasemissionen aus diesem Sektor deutlich reduzieren. Denn wir wollen, dass die Moore nicht zu einem Emittenten, sondern zu einer natürlichen Senke von Treibhausgasemissionen werden. Auch das haben wir im Klimagesetz festgelegt - übrigens basierend auf einer Vereinbarung, die damals noch Frau Otte-Kinast mit der Bundesregierung geschlossen hat: dass Niedersachsen als Moorland dazu beiträgt, aus dem Torfabbau auszusteigen, und dass wir bereit sind, die Emissionen in dem Bereich kohlenstoffreiche Böden bis 2030 um jährlich 1,65 Millionen t zu reduzieren. Zurzeit läuft bereits eine Vielzahl von Projekten und Maßnahmen zur Wiedervernässung sowie Kooperationsprojekte mit Landwirten, um die CO2-Emissionen zu senken. Für die Entwicklung der landeseigenen Moorflächen haben wir die Steuerungseinheit Moorschutz im NLWKN eingerichtet und die Staatliche Moorverwaltung seit Anfang des Jahres im Umweltministerium für eine neue Aufgabe den Klimaschutz neu aufgestellt. Aber auch andere Ökosysteme wie Wälder, Auen und Feuchtgebiete sowie Meere und Küsten mit ihren Salz- und Seegraswiesen weisen hohe Potenziale zur Kohlenstoffspeicherung und damit zur Kompensation von Treibhausgasemissionen an anderer Stelle auf. Wenn wir an der Küste Salzwiesen wiederherstellen, speichern diese CO2 und sorgen dafür, dass der Meeresspiegel nicht so stark steigt. Wir können es also auch schaffen, dort Projekte umzusetzen, und manchmal gelingen sogar Win-Win-Strategien, zum Beispiel dann, wenn dadurch auch noch Material für den Deichbau gewonnen werden kann. Denn wenn wir alle Deiche zu Klimadeichen umbauen müssen, brauchen wir dafür nicht nur finanzielle Mittel und Personal, sondern auch Material. Klar ist jedoch: Wir können die landespolitischen Klimaziele nur erreichen, wenn die Rahmenbedingungen auf europäischer und auf Bundesebene entsprechend gesetzt werden. Es muss ein „Weiter so!" geben. Es darf kein kaltes Ausbremsen bei den erneuerbaren Energien, bei der Elektromobilität oder bei den Förderprogrammen für die Gebäudesanierung und den Heizungstausch hin zu klimaneutralen Wärmepumpen geben. Auch ich gratuliere dem Kollegen Uwe Schünemann, der ja, wie ich, aus Holzminden kommt, wo auch Stiebel Eltron ansässig ist. Wir freuen uns über die Entwicklungen beim Absatz von Wärmepumpen. Zum ersten Mal in diesem Jahr sind in Deutschland mehr Wärmepumpen verkauft worden als Öl- und Gasheizungen. Das stärkt eben auch Projekte, die das Land gefördert hat: zusätzlich über 1 000 Arbeitsplätze alleine dort, aber auch Projekte zu Umschulungen, wie wir sie, glaube ich, in Gifhorn machen. Jede Wärmepumpe, die verkauft wird, stärkt den Standort und natürlich auch die Handwerker, von denen sie eingebaut wird. Es steht ja derzeit immer wieder in der Diskussion Herr Söder fordert das, die Wärmepumpenförderung einzustellen. Ich will dazu kurz sagen, was das eigentlich für Niedersachsen bedeutet: Bei den Förderprogrammen, die jetzt für Privathaushalte und Kommunen zur Energieeffizienz im Jahr 2024 angelaufen sind, erreicht Niedersachsen die höchste Anzahl an Förderzusagen pro Einwohner für Wärmeerzeuger aus dem Bundesprogramm Energieeffizienz und hat sich in der Spitzengruppe des Wärmepumpenausbaus etabliert. Im ersten Halbjahr 2025 wurden alleine für Niedersachsen aus dem KfW-Programm zur Heizungsförderung für Privatpersonen bereits Förderzusagen mit einem Volumen von insgesamt 301 Millionen Euro getätigt. Das ist ein Zuschuss, sozial nach Einkommen gestaffelt. Es kommen natürlich noch die Handwerksleistungen und die Produktion der Wärmepumpen hoffentlich heimischer und nicht aus China hinzu. Da kommt also noch eine große Investition. Man kann eigentlich sagen: Damit wird hier über 1 Milliarde Euro in Wirtschaftskraft und in sparsames, energieeffizientes, soziales Heizen investiert. Allein 15 500 individuelle Wärmepumpenanträge sind aus Niedersachsen gekommen, und ich freue mich sehr: Niedersachsen steht mit 20 Anträgen pro 10 000 Einwohner an der Spitze der geförderten Wärmepumpen pro Einwohner. Unsere Menschen in Niedersachsen stellen also sogar die meisten Förderanträge bundesweit, und deshalb sollten wir aus meiner Sicht auch daran festhalten. Ähnlich ist es bei der Elektromobilität. Der Bundesumweltminister hat ja angekündigt, die Förderung wieder aufstocken zu wollen. Ich bin sehr froh, dass der Bundesumweltminister es beim Autogipfel geschafft hat, 3 Milliarden Euro Förderung zusätzlich für Elektromobilität zu kriegen. Das ist für uns, für Niedersachsen, für VW sehr, sehr wichtig. Auch diese Förderung, hat er erläutert, soll nach Einkommen gestaffelt werden. Kleinere, mittlere Haushalte sollen in Zukunft solche Zuschüsse erhalten, wenn sie auf Elektromobilität umsteigen. Das ist zusammen mit der Senkung der Netzentgelte, damit die Ladestrompreise günstiger werden ganz, ganz wichtig für unseren Standort und auch für Unternehmen und Branchen. Zum Beispiel gibt es den Papierhersteller Drewsen Spezialpapiere aus Lachendorf im Landkreis Celle. Der verbraucht momentan die gleiche Energiemenge wie die Stadt Celle und will auf erneuerbare Energien mit Klimaschutzverträgen umsteigen. Sie wollen 100 Millionen Euro in Energieeffizienz und Erneuerbare investieren. Viele mittlere und kleine Firmen in Niedersachsen sind also auf dem Weg. Wenn das dann aber an den Rahmenbedingungen scheitert oder ein Rollback kommt, ist das eine große Gefahr für die Wirtschaftskraft in Niedersachsen. Deshalb setzen wir uns auf Umweltministerkonferenzen, Energieministerkonferenzen und Klimakonferenzen auch sehr stark dafür ein, den Ausbau der erneuerbaren Energien fortzusetzen. Ministerpräsident Olaf Lies hat sich mit den Nordländern noch einmal dafür starkgemacht, dass es kein Rütteln an den Offshore-Windenergie-Zielen geben darf. Denn die Offshore-Windenergie ist nicht nur kostengünstig, sie ist umweltschonend, und sie ist auch ganz wichtig für unseren Standort. Viele Unternehmen warten darauf, dass der günstige Strom aus der Nordsee kommt. Zu Frage 2: Wie gestaltet sich der Ausbau in Niedersachsen bei Erneuerbaren und Wasserstoffwirtschaft? Der Ausbau der erneuerbaren Energien hat in 2025 hervorragend an Fahrt aufgenommen. Wie Sie wissen, habe ich vor zweieinhalb Jahren beim Amtsantritt hier mal gesagt: Es muss doch möglich sein, dass man ein Windrad auch in einem Jahr genehmigt. Und: Wir müssten hier eigentlich jeden Tag ein neues Windrad anschließen. Ich gebe zu, ich wusste damals nicht, ob es klappt. Wir haben dann die Task-Force Energiewende eingerichtet, wir haben das Beteiligungsgesetz mit den Kommunen gemacht. Und ich kann Ihnen berichten: Eigentlich wollen wir 1,5 GW pro Jahr haben. Dieses Jahr haben die Kommunen schon 3,3 GW an neuen Windkraftanlagen genehmigt, also das Doppelte von dem, was das Ziel ist. Zur Anschlussmenge: Dieses Jahr sind schon 127 neue Windkraftanlagen in Niedersachsen errichtet worden. Das sind 65 % mehr neu angeschlossene Anlagen. Sie sind also nicht nur auf dem Papier genehmigt, sie liefern bereits Strom. 127 neu, 65 % mehr, zusätzliche Leistung 700 MW: Das sind 70 % mehr als im Vorjahr. Mit diesem Zuwachs sind wir nicht nur sowieso schon Spitzenreiter mit stolzen 13,6 GW; hinzu kommen dann auch noch 5,3 GW Offshore-Energie. Niedersachsen ist Windenergieland Nummer eins in Deutschland. Ein Fünftel des gesamten bundesweiten Zuwachses entfällt allein auf unser Land. Es wird ja immer über Bürokratieabbau geredet. Wir machen ihn. Unsere Genehmigungsdauern und das ist eine Leistung in Niedersachsen sind gegenüber den bundesweiten Genehmigungsdauern deutlich kürzer. Wir haben 2025 die durchschnittliche Genehmigungsdauer ab Antragstellung auf unter ein Jahr gebracht. Wir sind bei 11,5 Monaten. Letztes Jahr waren wir noch bei anderthalb Jahren. Das ist die durchschnittliche Dauer ab Antragstellung. Bei vollständigen Anträgen wird ein Windrad in 3,5 Monaten genehmigt. Ab Antragstellung liegen wir bei 11,5 Monaten. Wir haben es also in einem Jahr geschafft, die Dauer um ein halbes Jahr zu reduzieren. Im Schnitt wird jedes Windrad und wir genehmigen nicht eins, sondern sehr, sehr viele in unter einem Jahr genehmigt. Bundesweit sind es übrigens 17,3 Monate, also anderthalb Jahre. Wir sind also Spitzenreiter bei den Genehmigungen, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Deshalb kann man nicht sagen: Das waren alles Bundesgesetze und EU-Gesetze zur Beschleunigung. Nein, das ist eine Leistung, die wir in Niedersachsen erbracht haben. Ebenso dynamisch ist der Ausbau von Photovoltaik. Nach dem Rekordjahr 2024, in dem sich die Menschen Solaranlagen mit einer Leistung von 1,6 GW auf die Dächer gebaut haben, sind es dieses Jahr schon jetzt 1,2 GW. Auch dieser Ausbau geht also ungebremst weiter. Wahrscheinlich werden wir dieses Jahr auch ungefähr die Zahl vom letzten Jahr erreichen. Das ist auch gut so. Denn die Solarenergie senkt die Strompreise. Wenn wir sie nicht hätten, wären die Strompreise in Deutschland deutlich höher. Jede Solaranlage, die Leute oder die Unternehmen zur Eigenversorgung oder zum Einspeisen auf ihren Dächern installieren, trägt dazu bei, dass die Strompreise niedriger sind. Wir liegen auch dort im 10‑%-Bereich des bundesweiten Zubaus, obwohl wir nicht super von der Sonne begünstigt sind. Aber wir haben Städte wie Oldenburg, die jetzt zweimal Meister in der solaren „Bundesliga" sind, also die meisten Solaranlagen pro Dach oder pro Einwohner haben. Auch dort gehen also Kommunen in Niedersachsen voran. Aber das Tempo muss hoch bleiben. Deshalb wären diskutierte Kürzungen das zeigt sich bei Gesprächen mit dem Handwerk natürlich ganz fatal. Wenn man private Solaranlagen in Zukunft nicht mehr fördern würde, würde das den Ausbau hemmen und sehr viele Arbeitsplätze im Handwerk gefährden. Der grüne Wasserstoff, also mithilfe erneuerbarer Energien erzeugter Wasserstoff, wird eine tragende Rolle in der Energiewende übernehmen. Seine ausreichende Verfügbarkeit ist entscheidend für die Transformation von Industrie und Energiewirtschaft hin zur Klimaneutralität. Einerseits dient Wasserstoff als speicherbarer Energieträger, um Schwankungen in der Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie auszugleichen. Die Rückverstromung soll dabei über Wasserstoffkraftwerke erfolgen. Ich bin froh, dass die Gaskraftwerke jetzt immer mit der Vorgabe gebaut werden, wasserstofffähig zu sein, weil das das Potenzial erhöhen wird, denn wir müssen es auch dort erreichen, klimaneutral zu werden. Andererseits wird grüner Wasserstoff in Industrieprozessen sowie im Flug- und Schiffsverkehr eine Bedeutung haben, also da, wo direkte Elektrifizierung nicht möglich ist. Auch für die stoffliche Nutzung spielt Wasserstoff eine wichtige Rolle, beispielsweise bei der klimaneutralen Ammoniakproduktion oder als Reduktionsmittel in der Stahlherstellung, die bislang auf Kokskohle im Hochofenprozess basiert. Deshalb ist die Umstellung von Kohle auf Gas mit einem zunehmenden Anteil von Wasserstoff ein großer Beitrag. Eine Vorreiterrolle nehmen die Salzgitter AG und die Georgsmarienhütte GmbH im Bereich der Produktion von grünem Stahl ein. Zu den Leitungen: Im Oktober 2024 genehmigte die Bundesnetzagentur das Wasserstoff-Kernnetz mit einer Länge von rund 9 000 km. Davon entfallen rund 1 800 km auf Niedersachsen. Mich freut, dass der größte Teil über 56 % umgewidmete Erdgasleitungen sind. Auch dort kommt der Ausbau in Niedersachsen voran. Ähnlich wie beim Ausbau der Stromnetze, bei dem wir den Turbo gezündet haben, sind wir beim Wasserstoff-Kernnetz sehr gut dabei. Das Land investiert mit Beschluss dieses Landtags 2,5 Milliarden Euro zusammen mit dem Bund in Wasserstoffgroßprojekte, in die Umwandlung der Stahlindustrie, in Leitungsbau, in Kavernen, in Speicher und viele Projekte; insgesamt 740 Millionen Euro kommen aus Landesmitteln. Geplant sind vier Großelektrolyseure mit einer Gesamtleistung von 820 MW sowie ein 800 km langes Wasserstoffleitungsnetz. Ein zentraler Abschnitt zwischen Lingen und Bad Bentheim wurde im Frühjahr dieses Jahres bereits in Betrieb genommen. Außerdem wurden Kavernenspeicher erfolgreich von Erdgas auf Wasserstoff umgerüstet. Olaf Lies und ich waren im Frühjahr bei Storag Etzel, die die Kavernenspeicher bei Wilhelmshaven betreibt. Dort funktioniert es sehr gut mit grünem Wasserstoff, den wir aus dem Emsland haben. Storag Etzel hat jetzt mitgeteilt, dass es so gut klappt, dass sie alle Kavernen auf grünen Wasserstoff umstellen wollen und einen Antrag dafür vorbereiten. Niedersachsen ist also für die Transformation bereit. Niedersachsen bietet nicht nur die Erzeugung, sondern auch einen Großteil der Speicher. Meine Damen und Herren, wir brauchen für Wasserstoff Überschussstrom. Deshalb wäre es auch sehr gut, wenn die EU die Regeln für grünen Wasserstoff so ändern würde, dass es nicht neue Anlagen sein müssen, sondern wir auch den vielfach in Niedersachsen vorhandenen Überschussstrom nutzen können, um Wasserstoff zu erzeugen, der dann auch als „grün" gelabelt ist. Denn wir sollten Strom nicht wegwerfen. Wenn wir zu viel Strom haben, was ja schön ist, sollten wir ihn zur Erzeugung von Wasserstoff nutzen und ihn auch speichern. Niedersachsen erzeugt mehr grünen Strom, als im Land verbraucht wird, und exportiert jährlich über 16 TWh in andere Bundesländer, was einen bedeutenden Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Erreichung der nationalen Klimaziele leistet. Sie wissen, dass der SuedLink in Niedersachsen komplett genehmigt ist, er ist auch bundesweit genehmigt. In Niedersachsen ist er im Bau. Wenn er fertig ist wir hätten ihn natürlich lieber schon früher fertig, aber der Süden hatte blockiert, wird er jedes Jahr ganz Deutschland mindestens 1 Milliarde Euro an Redispatchkosten sparen, weil wir Windstrom aus dem Norden in den Süden leiten können und ihn nicht mehr wegwerfen. Außerdem sparen wir damit viel Gas, Kohle und Öl, das Bayern oder andere Bundesländer sonst gebraucht hätten. Je schneller wir beim Netzausbau sind, desto schneller sinken also die Strompreise. Wie Niedersachsen wirtschaftlich profitiert das haben Sie ja gefragt, sehen wir auch daran, dass wir in Niedersachsen über 50 % der Wasserstoffinvestitionen, über 50 % der Transformation und einen großen Anteil erneuerbarer Energie haben. Wir haben hier Unternehmen wie Enercon, die in die Windenergie investieren, und Unternehmen wie Stiebel Eltron, die im Bereich Wärmepumpen investieren. Das führt dazu, dass wir im zweiten Jahr in Folge über 1% Wachstum haben. Dazu hatten wir ja gestern die Debatte mit Herrn Hilbers. Sie wissen, dass wir bundesweit beim Nullwachstum sind. In Niedersachsen und in nördlichen Ländern sieht es besser aus. Das finden Sie beim NDR. Die Wirtschaft boomt im Norden. Die besten Leistungen gibt es in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, während es im Süden leider Rückgänge bei der Wirtschaftskraft gibt. Sie sehen: Wirtschaft folgt günstiger Energie - und die gibt es an unseren guten Standorten an Land und auf See. In Niedersachsen wird viel investiert. Anders als in anderen Bundesländern sind die Stahlprojekte und die Wasserstoffprojekte nicht auf Halde gestellt worden. Unsere niedersächsischen Unternehmen vertrauen auf Verlässlichkeit und folgen dem Kurs in Richtung Klimaneutralität. Zur dritten Frage: Wie zeigen sich die Folgen des Klimawandels? Wenn global ein Temperaturanstieg um 2,8 °C droht wenn wir nichts tun, droht beim Business-as-usual-Szenario bis zum Ende des Jahrhunderts sogar ein Anstieg um 4 oder 5 °C, haben wir natürlich ein großes Problem für unsere Küste aufgrund unserer Temperaturen. Wir sind in Deutschland jetzt schon bei 2,4 °C Temperaturerwärmung. Das haben die Extremwetterforscher herausgestellt. Der Klimawandel beschleunigt sich. 2024 war das wärmste Jahr in Niedersachsen. Die Konsequenzen sind sichtbar. Die Zahl der Hitzetage hat sich in Niedersachsen mehr als verdoppelt. Sowohl die Zahl der Tage mit mehr als 30 °C als auch die Zahl der tropischen Nächte, in denen man nicht schlafen kann, haben sich verdoppelt. Das hat auch auf unsere Wirtschaft erhebliche Auswirkungen. Sie können sich ja vorstellen, dass man in der Mittagszeit bei 30 °C nicht eine Solaranlage auf das Dach schrauben kann. Oder denken Sie an Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter! Die Arbeitsleistung sinkt, je heißer es bei uns wird. Außerdem haben wir natürlich eine große Debatte um Wasser. Die Zahl der Schneetage hat sich fast halbiert, die Zahl der Frosttage hat sich stark verringert, und die Niederschlagsmuster haben sich verändert. Wir werden mehr Extremwetterereignisse im Winter bekommen, verbunden mit Gefahren von Hochwasserereignissen, die ja enorme wirtschaftliche Schäden anrichten können. Die Katastrophe im Ahrtal hat nicht nur über 100 Menschenleben gekostet, sondern auch wirtschaftliche Schäden von fast 40 Milliarden Euro ausgelöst. 40 Milliarden Euro! Und das war nur eine Katastrophe. Aber wir sehen eine Zunahme von solchen Katastrophen. Wir sehen eine Zunahme von gesundheitlichen Risiken: Hitzebelastung, Dehydrierung, Sonnenstiche, Kreislaufschwächen. Die Landesärztekammer warnt vor der Klimaerhitzung als einer großen Gefahr für die menschliche Gesundheit. Und wir sehen sinkende Grundwasserstände in einigen Regionen. Dies bedroht unser Trinkwasser und auch die Landwirtschaft, die Opfer des Klimawandels ist. Sie führt Beregnungen ja nicht aus Lust und Laune durch, sondern weil es heißer geworden ist und Wassermangel herrscht. Weil es im Sommer weniger regnet, muss man deutlich mehr bewässern. Deshalb müssen wir dort gemeinsam etwas tun. Auch wenn das alles Geld kostet: Gegen die Klimakrise nichts zu tun, kostet viel mehr Geld, als zu handeln. Bei einer Temperaturzunahme um 3,5 °C drohen Kipppunkte überschritten zu werden. Dann droht unser Wattenmeer, das Ökosystem, zu kippen. Unser Weltnaturerbe wäre in großer Gefahr. Sie können sich vorstellen, was es kostet, wenn wir bei 618 km Deichlinie, die alleine wir an der Küste und auf den vorgelagerten Inseln haben, die Deiche bis zum Jahrhundertende nicht um 1 m, sondern 2 oder 3 m erhöhen müssen. Es gab jetzt auch viele Kommentare von Leuten, die sagten, wir sollten doch unsere Küstenländer evakuieren. Dazu wurde noch keine Frage gestellt; die Fragen kommen ja sicherlich gleich noch. Ich sage noch mal: Wir stehen dazu, dass wir in Niedersachsen nicht diskutieren, ob wir 1,1 Millionen Menschen, die in Niedersachsen ungefähr auf NN, also Normalnull, leben, evakuieren und einen neuen Deich zwischen Hannover und Oldenburg aufbauen, was übrigens auch teurer wäre. Wir werden unsere Küstenlinie und auch unsere Inseln verteidigen. Aber ich sage auch: Das kostet viel Geld. Das kann Niedersachsen nicht alleine machen. Deshalb ist das eine Gemeinschaftsaufgabe mit dem Bund. Ich bin froh, dass es gemäß dem Koalitionsvertrag auf Bundesebene eine neue Gemeinschaftsaufgabe Naturschutz und Klimaanpassung geben soll. Allerdings gibt es Startmängel. Man startet jetzt mit 50 Millionen Euro. Nach dem Königsteiner Schlüssel sind das 5 Millionen Euro für Niedersachsen. Das ist 1 km Deich. Wir brauchen dort mehr, um voranzukommen. Deshalb ist die Antwort auf die Frage: Niedersachsen muss handeln und muss Klimaanpassung machen; denn die Klimakrise lässt sich nicht leugnen. Wir müssen beim Klimaschutz Vorreiter sein. Das dient den Menschen, dient der Wirtschaft, dient günstigen Energiepreisen und sorgt auch für Sicherheit in unsicheren Zeiten.

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